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Langfristig wird der Ölpreis steigen

In vielen Ländern herrschen Krisen: in der Ukraine, in Libyen, Syrien, im Irak.

In der Vergangenheit haben instabile politische Verhältnisse immer für steigende Ölpreise gesorgt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Seit Juni 2014 haben sich die Notierungen mehr als halbiert.

Verantwortlich sind der Fracking-Boom in den USA und die hohen Fördermengen der OPEC-Staaten. Beides führt zu einem Überangebot, das auf eine konjunkturbedingt nachlassende Nachfrage stößt.

Die Frage ist jetzt: Wer dreht den Hahn zuerst zu. In den USA wurden bereits etliche Fracking-Projekte gestoppt, weil sich diese Art der Ölgewinnung erst ab einem Preis von 70 $ pro Barrel rechnet. Dagegen können die Saudis dank leicht zugänglicher Ölquellen noch bei einem Preis von 30 $ profitabel produzieren.


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Entsprechend hat die OPEC unter der Führung Saudi-Arabiens überhaupt kein Interesse, die Fördermenge zu drosseln. Denn sie ist nicht bereit, die kostenintensive US-Schieferölindustrie über höhere Ölpreise zu subventionieren.

Langfristig wird der Ölpreis wieder steigen, weil auch der Verbrauch kontinuierlich steigt. Die Energieagentur IEA rechnet 2040 mit einem Ölverbrauch von 104 Mio Barrel am Tag. Aktuell sind es etwa 91 Mio Barrel.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der viel beachtete „Energie- Ausblick 2035“ von BP. Öl wird noch mindestens 20 Jahre der wichtigste Energieträger bleiben.

Solange aber der Machtkampf zwischen den USA und der OPEC anhält, wird der Ölpreis auf niedrigem Niveau verharren. Oder weiter fallen. Glaubt man den Experten von Goldman Sachs oder der Bank of America, könnte der Ölpreis bis zum Sommer sogar auf unter 40 $ sinken.

Zunächst aber wird gespart

Der Ölpreisverfall hat tiefe Spuren in den Bilanzen der Konzerne hinterlassen. Auf breiter Front sind die Gewinne eingebrochen. Und damit auch die Aktienkurse. Besonders hart hat es Ausrüster und Dienstleister wie Halliburton und Schlumberger getroffen. Erteilte Aufträge wurden storniert, neue kaum noch vergeben.

Der anhaltend niedrige Ölpreis bei gleichzeitig steigenden Explorationskosten zwingt die Ölkonzerne zum Griff nach dem Rotstift. Investitionen werden zurückgefahren, Stellen abgebaut und unrentable Geschäftsbereiche verkauft. Einzig die Dividende bleibt stabil oder wird sogar erhöht, um die Anleger bei Laune zu halten.

Die Konzerne dürfen aber nicht überziehen. Wenn sie heute zu wenig in die Erschließung neuer Vorkommen investieren, droht in einigen Jahren ein Nachschubengpass. Eine Explosion des Ölpreises wäre die Folge. Einige Stimmen warnen schon jetzt vor Preisen von 200 $ pro Barrel.

Fazit

Was der Auto fahrende Anleger an der Börse mit Ölaktien verloren hat, konnte er an der Tankstelle dank niedriger Spritpreise wieder gewinnen. Es spricht aber einiges dafür, dass sich das Blatt bald wendet.

Einen echten Favoriten gibt es zwar nicht. Breit aufgestellte Konzerne mit gesunden Bilanzen und starken Cashflows sollten aber als Gewinner aus der Branchenkrise hervorgehen.

Royal Dutch Shell, Chevron, Exxon und Occidental Petroleum haben schon vor dem Preisverfall begonnen, ihre Kosten zu senken und unrentable Aktivitäten abgestoßen. Mit dem Geld können sie jetzt aussichtsreiche neue Förderprojekte finanzieren.

22. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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