Libor-Skandal weitet sich aus: Auch Gold betroffen?

Morrien‘s Schlussgong
Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.
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Die Aktienmärkte bleiben weiterhin unter Druck.
Selbst sehr gute Quartalszahlen vom Software-Giganten SAP konnten nicht verhindern, dass der DAX in die Verlustzone rutscht.
Auf der Verliererseite stehen speziell in Europa wieder einmal die Bank-Aktien. Auslöser sind die Notenbanken, die gleich doppelt für Druck sorgen.
Fed-Protokoll sorgt für schlechte Stimmung
Mit Spannung wurde gestern nach Börsenschluss auf die Veröffentlichung der Protokolle der US-Notenbank Fed gewartet. Die Enttäuschung war dann groß: Es wurde keine neue Geldspritze angekündigt.
Der Kapitalmarkt, der wie ein Drogensüchtiger auf eine neue Spritze wartet, bestrafte die Untätigkeit mit fallenden Kursen.
Rational ist das nicht. Denn Sie müssen berücksichtigen: Gestern wurde nur das Protokoll der Juni-Sitzung veröffentlicht. Die Aussagen sind also bereits 4 Wochen alt. Nach den schwachen Arbeitsmarktdaten kann die nächste Entscheidung schon ganz anders aussehen.
Hinzu kommt, dass die Notenbanker keine Garantie für eine neue und zügige Geldspritze gegeben haben, jedoch 3 Bedingungen genannt haben, die ein Eingreifen erforderlich machen:
Die Gelddruckmaschine der Fed wird angeworfen, wenn 1) eine Abschwächung der wirtschaftlichen Erholung sichtbar wird, 2) die Wachstumsrisiken steigen oder 3) das Inflationsziel der Notenbank von 2% unterschritten wird.
Notenpresse wird bald angeworfen
Zumindest die Kriterien 1 und 2 können als erfüllt gelten, wenn nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht noch weitere Konjunkturdaten unter den Erwartungen liegen. Faktisch würden auch schon die Arbeitslosenzahlen reichen, um den Schritt zu begründen.
Meine Einschätzung: Die Fed wird innerhalb der nächsten 8 Wochen die Notenpresse anwerfen. Ich erwarte den Ankauf von Anleihen im ganz großen Stil (Programm: QE 3).
Banken müssen mit Strafen rechnen
Die Bank-Aktien schwächeln aber nicht nur, weil die Geldpresse noch nicht angeworfen wurde. Es drohen auch neue Strafen. Und das könnte teuer werden.
Die New Yorker Federal Reserve will Ende der Woche neue Dokumente im Libor-Skandal vorlegen. Hier im Schlussgong habe ich bereits berichtet, dass rund 20 internationale Banken den Libor-Zins mindestens von 2005 bis 2009 manipuliert haben.
Jetzt soll geprüft werden, ob Investoren durch die Zins-Manipulation einen Schaden erlitten haben und wie hoch der Schaden sein könnte.
Der Libor-Zinssatz ist die Basis für Finanzprodukte mit einem Volumen von 360 Billionen Dollar (!).
Geschädigte Investoren, nicht beteiligte Banken, Staaten und Bundesländer prüfen, ob Schadensersatz gefordert werden kann. Aus heutiger Sicht ist völlig unklar, wie hoch die finanziellen Risiken für die betroffenen Banken sind.
Albtraum für Banken: Wahlkampfthema Banken-Betrug
Für die Banken ist besonders unangenehm, dass jetzt bald in den USA die heiße Wahlkampfphase beginnt. Das Schlagwort „Banken“ könnte ein ganz heißes Wahlkampfthema werden.
Eine aktuelle Umfrage aus Deutschland zeigt, dass Politiker mit Banken-Kritik viele Stimmen gewinnen können.
Das Marktforschungsinstitut Mafo hat für Handelsblatt Online ermittelt, dass 24,2% der befragten Teilnehmer die Banker für äußerst kriminell halten. Dagegen lag die Zustimmung bei der Antwort, dass Banker allgemein unschuldig sind, bei unter 1%.
Wenn also Politiker gegen Banken und Banker schimpfen, werden sie fast nur Zustimmung und wenig Ablehnung ernten. Für die Banken ist das eine extrem unangenehme Ausgangslage im Wahlkampf.
Noch mehr Betrugsfälle?
Es kommt für die Banken noch schlimmer: So stellt sich die Frage, ob die Manipulation des Libor-Zinssatzes ein einmaliger Ausrutscher war, oder ob noch mehr Preise gefälscht wurden.
Experten wollen jetzt weitere Preise untersuchen, die von Banken festgelegt werden.
Ein Thema kocht natürlich auch wieder hoch. Seit vielen Jahren gibt es die These, dass Banken die Preise für Gold und Silber (nach unten) manipulieren.
Das Beispiel Libor zeigt, dass die kriminelle Energie der Banker für eine solche Manipulation theoretisch reichen würde.



