Nach Atom-Deal mit Iran: Die Folgen für den Ölpreis

Der Iran darf keine Atombombe bauen – das ist die wichtigste Forderung der UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich) und Deutschlands, die derzeit im schweizerischen Lausanne mit iranischen Vertretern verhandeln.

Der Iran, der seinerseits bekräftigt, keine Atomwaffen bauen zu wollen, zielt vor allem auf eines ab: Die Lockerung oder Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, die der Westen gegen ihn verhängt hat.

Während es zunächst nach Annäherung aussah, zerklüfteten sich die Gespräche, eine Einigung scheint Beobachtern fraglich. Kommt es aber zu einem Ende der Sanktionen, dürfte das auch für den weltweiten Ölmarkt weitreichende Folgen haben.


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Das Überangebot würde sich ausweiten

Von den 2,8 Millionen Barrel Öl, die der Iran derzeit produziert, darf er nur rund ein Drittel exportieren. Würden die Beschränkungen aufgehoben, würde sich dadurch also das globale Überangebot noch deutlich ausweiten.

Bereits jetzt wird mehr Öl produziert als verbraucht. Trotz des in den vergangenen Monaten dramatisch gefallenen Ölpreises haben die meisten Länder ihre Kapazitäten nicht zurückgefahren, sodass mehr und mehr Rohöl zu haben ist.

Wird dieser Markt nun zusätzlich vom Iran geflutet, dürfte der Ölpreis noch weiter absinken. Dass die Finanzmärkte damit rechnen, zeichnete sich bereits Anfang der Woche ab, als die Preise für die wichtigsten Ölsorten erneut nachgaben.

Wie schnell kann der Iran die Kapazitäten hochfahren?

Fraglich ist Beobachtern zufolge, wie schnell der Iran seine eigenen Kapazitäten erhöhen könnte. Während der zuständige iranische Minister verkündete, die Produktion binnen weniger Monate um eine Million Barrel pro Tag ausweiten zu können, rechnen Branchenkenner nach aktueller Lage eher mit einer Steigerung der täglichen Produktionsmöglichkeiten um eine Viertelmillion Barrel.

Dass der Iran grundsätzlich in der Lage ist, mehr zu fördern, hat er bereits in der Vergangenheit unter Beweis gestellt. So wurden in dem Land noch 2011 rund 4,4 Millionen Barrel am Tag produziert.

Iran sitzt auf großen Reserven

Doch ungeachtet der Förderkapazitäten, deren Auslastung wohl einige Monate in Anspruch nehmen würde, könnte eine Aufhebung der Sanktionen auch sehr viel schnellere Effekte für den Ölmarkt und somit auch den Ölpreis bewirken: Schätzungen zufolge sitzt der Iran derzeit auf einem Ölvorrat von bis zu 35 Millionen Barrel Rohöl.

Experten gehen davon aus, dass diese Reserven, die zum Teil auf Tankschiffen im Persischen Golf gelagert werden, als erstes den Weltmarkt überspülen könnten. Dies könnte zu einem Zeitpunkt stattfinden, da sich der Ölpreis allmählich stabilisiert, und so etwa in der zweiten Jahreshälfte 2015 für einen erneuten Preisrutsch sorgen.

Aktuell sind diese Schätzungen allerdings noch mit Vorsicht zu genießen: Denn es ist längst nicht sicher, ob sich die Verhandlungspartner in Lausanne überhaupt auf eine Lösung verständigen können. Und die wäre schließlich Voraussetzung für eine Lockerung der Sanktionen, die dann wiederum zu steigenden Ölexporten aus dem Iran führen dürften.

3. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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