Nach dem Sturm ist vor der Wahl
Der Hurrikan „Sandy“ hat an der amerikanischen Ostküste ordentlich gewütet – und auch an der Wall Street für Turbulenzen gesorgt.
Erstmals seit 1985 blieb die New York Stock Exchange sturmbedingt geschlossen.
Nachdem der Aktienhandel am Montag und Dienstag ausgesetzt war, sollen die Händler ihre Arbeit heute wieder aufnehmen.
Die Großbanken bevorzugen Romney
In der kommenden Woche steht das nächste Großereignis an: Am Dienstag wird der neue amerikanische Präsident gewählt. Große Bewegungen sind im Vorfeld des Show-Downs nicht zu erwarten. Die Anleger warten wie gebannt darauf, wie das Kopf-an-Kopf-Rennen ausgehen wird.
Doch welcher Präsident ist eigentlich besser für die Wall Street? Der Demokrat Obama oder der Republikaner Romney?
Die Big Player an der Wall Street, Großbanken wie Goldman Sachs oder Merrill Lynch, bevorzugen zweifellos Romney.
Die Regulierung der Finanzbranche, die Obama eingeleitet hat, passt ihnen nicht in Konzept. Schließlich brachten ihnen die riskanten Spiele, mit denen sie die Finanzkrise auslösten, viel Geld ein.
Demokratische Präsidenten sind gut für die Aktienkurse
Auch unter Anlegern hält sich hartnäckig der Mythos, ein republikanischer Präsident sei besser für die Wirtschaft – und damit auch für die Aktienmärkte.
Die jüngste Kursentwicklung lässt indes anderes vermuten:
Denn just seit der Republikaner Romney in den Meinungsumfragen aufgeholt hat, schwächeln die Aktienkurse.
Daneben zeigt auch der Blick in die Historie, dass die Annahme, ein republikanischer Präsident sei gut für die Aktienkurse, schlicht falsch ist.
Jüngstes Beispiel ist die bisherige Amtszeit des aktuellen US-Präsidenten: Seit Barack Obama Anfang 2009 sein Amt angetreten hat, haben sich die Aktienkurse an der Wall Street nahezu verdoppelt.
Der vorangegangene Crash im Zuge der Finanzkrise fiel in die Ära George W. Bush.
Republikanische Präsidenten sind gut für den Anleihenmarkt
Eine Untersuchung der Kursentwicklung seit 1929 hat gezeigt, dass die Aktienkurse unter republikanischen Regierungen jährlich im Durchschnitt um 2,7% zulegten.
Unter einer demokratischen Regierung verbesserten sich die Notierungen hingegen um durchschnittlich 10,8% pro Jahr.
Gerade umgekehrt ist das Bild bei Anleihen. Deren Kurse legten unter republikanischen Regierungen im Schnitt um 1,9% pro Jahr zu. Unter demokratischen Präsidenten gaben die Anleihennotierungen dagegen um durchschnittlich 1,0% nach.
Anleihen sind weiterhin keine Alternative zu Aktien
Hintergrund ist folgender: Eine expansive Haushaltspolitik, die von den Demokraten eher zu erwarten ist, wirkt sich tendenziell positiv auf die Konjunktur aus und begünstigt damit die Aktienmärkte.
Dagegen drücken größere Ausgaben, eine höhere Verschuldung und – damit verbunden – eine anziehende Inflation auf die Kurse an den Anleihemärkten und lassen die Renditen steigen.
Zumindest aus der Sicht eines Aktienanlegers dürfte also Obama die bessere Wahl sein. So oder stellen Anleihen in der aktuellen Lage angesichts negativer Realzinsen aber weiterhin keine Alternative zu Aktien dar.



