Öl-Preis: Saudi-Arabien greift ein

Morrien‘s Schlussgong
Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.
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Von Zürich geht es direkt weiter nach Berlin. In der Hauptstadt diskutieren wir am Freitag mit dem FDP-Finanzexperten Frank Schäffler.
Herr Schäffler gehört in Deutschland zu den schärfsten Kritikern der aktuellen, von den Regierungsmitgliedern oft als alternativlos beschriebenen, „Euro-Rettungs-Politik“.
Eine Vergemeinschaftung der Staatsschulden und die Gelddruck-Politik der Notenbanken können nicht die Antworten auf die Schuldenkrise sein.
Die Verbindung von Machtinteressen, Politik und Wirtschaft können wir aktuell nicht nur in der europäischen Schuldenkrise erleben. Auch am Ölmarkt spielen sich in diesen Tagen merkwürdige Dinge ab.
Wie hier im Schlussgong in der Vorwoche berichtet, gab es einige Ereignisse, die den Öl-Preis zuletzt nach unten gedrückt haben.
Flash Crash am Öl-Markt
Am 17. September sorgte der Öl-Preis plötzlich für Schlagzeilen. Innerhalb von nur 3 Minuten stürzte der Öl-Preis um rund 4% ab. Solche Preisbewegungen sind am Öl-Markt sehr ungewöhnlich.
Da die Rohstoff-Analysten keine fundamentalen Gründe für den Absturz des Öl-Preises innerhalb der kurzen Zeitspanne finden konnten, tippen sie auf einen „Flash Crash“. Ein solcher Flash Crash (= blitzartiger Kurssturz) kommt immer häufiger vor.
Auslöser sind die automatischen Handelssysteme, die innerhalb von Millisekunden riesige Transaktionsvolumen ausführen. Wenn das automatische Handelssystem gut eingestellt ist, sorgt der Hochfrequenzhandel für mehr Liquidität und bessere Marktpreise.
Das ganze System kippt jedoch, wenn das Handelsprogramm nicht perfekt funktioniert und riesige Ordermengen die Kurse in eine bestimmte Richtung treiben.
Für die Flash-Crash-Theorie spricht daher auch das Handelsvolumen. Kurz vor dem Mini-Crash wurden an der Terminbörse 130 bis 150 Positionen pro Minute gehandelt. Während des Kurssturzes explodierte die Zahl auf 10.000 bis 13.000.
Saudi-Arabien drückt den Öl-Preis
Der oben beschriebene Öl-Preis-Absturz war ein Einmaleffekt. Aber schon vorher wurde der Aufwärtstrend beim Öl-Preis gebrochen. Einige Aussagen aus Saudi-Arabien sorgten für fallende Öl-Preis-Notierungen.
Das wichtige Opec-Mitglied (Opec = Organisation erdölexportierender Länder) hat angekündigt, die Öl-Produktion zu steigern. Diese Maßnahme soll zu einer Entlastung der Märkte beitragen. Aus Sicht von Saudi-Arabien war der Öl-Preis offensichtlich zu hoch.
Förderausweitung trotz Konjunkturflaute
Der Öl-Preis hat im Sommer in der Tat ein hohes Niveau erreicht (wie Sie an der Tankstelle sicherlich festgestellt haben). Dennoch überrascht die Ausweitung der Öl-Produktion in Saudi-Arabien.
Eine Erhöhung der Fördermenge ist dann ein klassisches Preis-Instrument, wenn im Konjunkturboom die stark steigende Öl-Nachfrage den Preis zu schnell und stark nach oben treibt.
Aktuell beobachten wir jedoch eine ganz andere Ausgangssituation. Die globalen Konjunkturaussichten sehen im 2. Halbjahr 2012 nicht sehr rosig aus.
Für den Preisanstieg beim Öl gibt es einen ganz anderen Grund: Die Spannungen im Nahen und Mittleren Osten. Der Iran-Konflikt lässt die Risiko-Prämien am Öl-Markt steigen. In einer solchen Situation wären politische Verhandlungen der richtige Weg.
Wahlkampfhilfe für Obama
Angesichts dieser Ausgangslage gibt es am Rohstoffmarkt viele Beobachter, die eine ganz andere Erklärung haben. Saudi-Arabien drückt kurzfristig den Öl-Preis nach unten, damit sinkende Energiepreise die Stimmung in den USA verbessern.
Steigt die Stimmung der Verbraucher, steigen gleichzeitig auch die Wiederwahl-Chancen des US-Präsidenten Obama.
Dazu muss man wissen, dass es seit Jahresbeginn Gerüchte über einen inoffiziellen Pakt zwischen der US-Regierung und Saudi-Arabien gibt.
Der Deal soll so laufen: Saudi-Arabien sorgt in der heißen Wahlkampfphase für sinkende Öl-Preise, im Gegenzug stützt die US-Regierung die aktuelle Machtstruktur in Saudi-Arabien und sorgt dafür, dass der Reformdruck von Außen nicht zu groß wird.
Bemerkenswert ist, dass dieses Gerücht seit Jahresbeginn mehrfach aufgetaucht ist und dann rund 2 Monate vor den US-Wahlen tatsächlich eine indirekte Wahlkampfhilfe aus Saudi-Arabien erfolgt. Der Öl-Markt bleibt in den nächsten Wochen auf jeden Fall spannend.



