Ölaktien: Wie Sie Schnäppchenpreise nutzen – Wo Chancen bestehen

Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten dramatisch abgestürzt – und mit ihm die Gewinne der großen Ölkonzerne.

Für das vierte Quartal meldeten die Größten der Branche durchweg Gewinnrückgänge oder gar Verluste: Exxon Mobil machte 21 Prozent weniger Gewinn als im Vorjahresquartal, bei Chevron waren es 30 Prozent, bei Shell sogar 67 Prozent. BP und Statoil machten Verluste.

Entsprechend deutlich abwärts ging es auch mit den Aktienkursen der Unternehmen, die nun vergleichsweise günstig zu haben sind. Lohnt sich also gerade jetzt der Einstieg für Anleger?

Lohnt der Einstieg schon jetzt?

Es kommt drauf an. Wer langfristig orientiert ist und vor einer gewissen Prise Spekulation nicht zurückschreckt, kann sich bereits jetzt daran wagen, sein Depot mit Ölaktien anzureichern. Doch es bleiben gewisse Risiken, zumindest kurzfristig.

Denn auch wenn der Ölpreis seit Anfang Februar um zeitweise rund 20 Prozent angezogen hat, ist nicht davon auszugehen, dass der Anstieg in diesem Tempo weitergehen wird. Eine Konsolidierung auf dem aktuellen Preisniveau wäre immer noch niedrig, kostet das Barrel der Sorte Brent doch derzeit gerade einmal halb so viel wie Mitte 2014 vor Beginn des Preissturzes.

Dieser hatte verschiedene Ursachen. Vor allem die Wechselwirkung aus nachlassender Nachfrage seitens der Schwellenländer und Überkapazitäten beschleunigte den Preisrückgang. Der Fracking-Boom in den USA sorgt vor allem dort für Überreserven, während die Öl exportierenden Staaten im arabischen Raum ihre Fördermenge nicht etwa drosselten, sondern beibehielten – Marktanteile abzusichern erschien wichtiger, als den Preisverfall zu stoppen.


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Das zeigt Wirkung: Seit Jahresbeginn sind die Förderaktivitäten in den USA deutlich zurückgegangen, die erste Fracking-Firma ist inzwischen pleite, mehr und mehr Bohrtürme werden stillgelegt.

Konzerne fahren Investitionen zurück – Dividenden bleiben hoch

Auch die großen Konzerne haben reagiert: Nach dem schwachen Schlussquartal haben sie deutliche Investitionskürzungen angekündigt, Projekte im Volumen mehrerer Milliarden Dollar wurden erst einmal verschoben. Kein Wunder: Die Gewinnprognosen der Ölkonzerne für 2015 wurden von den meisten Analysten halbiert.

Eine Stelle, die vor dem Rotstift sicher scheint, ist indes die Dividende. Die Ölbranche ist bekannt für ihre hohe Dividendenrendite, die sich bei vielen Unternehmen zwischen 4 und 6 Prozent bewegt. Hier wird nicht gekürzt, ganz im Gegenteil. Trotz schwieriger Geschäftslage kann bei einigen Konzernen wie etwa Chevron sogar von einer weiteren Dividendenanhebung ausgegangen werden.

Experten warnen allerdings vor der Situation, dass einige Konzerne aufgrund der rückläufigen Einnahmen die Ausschüttungen nicht mehr aus ihrem freien Cash Flow bezahlen können, sondern dafür an ihre Rücklagen gehen müssen. Hier dürften besonders die großen Konzerne im Vorteil sein – sie haben schlicht ein dickeres Polster, von dem sie entsprechend länger zehren können, ohne dadurch in ernsthafte Schwierigkeiten zu geraten.

Für Anleger bietet sich daher eine interessante Einstiegsoption, die stabile Dividendenpolitik wirkt ebenso verlockend wie die derzeit günstigen Bewertungen der Aktien.

Wer sich nicht auf Einzelwerte festlegen möchte, kann hierbei zu ETFs und Zertifikaten greifen, die eine ganze Palette von relevanten Aktienentwicklungen abbilden.

Vor allem Großkonzerne sind gut aufgestellt

Bei den Einzelunternehmen lohnt sich indes vor allem der Blick auf die Giganten der Branche, denn sie können Schwächephasen gut verkraften, wie ein Blick in die Geschichte zeigt. Bei einem Investment in US-Aktien bietet sich angesichts des schwachen Euro aus heutiger Sicht sogar noch die Chance auf positive Währungseffekte für europäische Anleger.

Dabei ist Chevron, wie schon erwähnt, vor allem durch die vermutlich trotz Krise weiter steigende Dividende attraktiv. Gut aufgestellt ist auch der weltgrößte Ölkonzern Exxon Mobil mit einem Cash Flow von 18 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr trotz rückläufiger Gewinne und einem KGV von 12. Auch hier wird seit Jahren eine Dividende auf hohem Niveau ausgezahlt.

Europas größter Ölkonzern Shell ist ebenfalls gut gewappnet, und das trotz des Gewinnrückgangs im vergangenen Quartal. Das Unternehmen profitiert zusätzlich von seinen Raffinerien und dem florierenden Tankstellengeschäft.

Der norwegische Konzern Statoil verfügt über kein solches Tankstellennetz und ist daher anfälliger für Ölpreisschwankungen. Im Schlussquartal machte das Unternehmen 1 Milliarde Euro Verlust, unterm Strich stand für 2014 aber immer noch ein Gewinn von 2,6 Milliarden Euro. Auch hier können Währungseffekte positive Auswirkungen haben für Euro-Anleger.

Kurzfristige Turbulenzen, Konsolidierung zum Jahresende

Wer jetzt in Ölwerte investiert, sollte sich allerdings darauf einstellen, dass die kommenden Monate weiterhin turbulent bleiben dürften. Aufgrund der hohen und zuletzt noch wachsenden Lagerbestände, insbesondere in den USA, könnten die Preise kurzfristig noch einmal abrutschen, schätzen Beobachter.

Die allmähliche Drosselung der US-Förderung wird sich ihrer Einschätzung nach erst in der zweiten Jahreshälfte bemerkbar machen, was zu einer Preisstabilisierung zum Jahresende hin beitragen dürfte.

Bis dahin allerdings bleibt die Branche in Bewegung. Auch Übernahmewellen scheinen im derzeitigen Umfeld denkbar. Von einer solchen grundlegenden Konsolidierung würden erneut vor allem die großen und breit aufgestellten Konzerne profitieren – und mit ihnen ihre Aktionäre.

27. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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