Personalisierte Werbung soll Unternehmensgewinne sprudeln lassen

Fühlen Sie sich eigentlich beobachtet? Sie sind es.

Permanent hinterlassen Sie Spuren, und das längst nicht mehr nur in den Überwachungskameras von Supermärkten oder Tankstellen.

Online-Anbietern hinterlassen Sie Zugriff auf noch sehr viel mehr Details, beispielsweise Ihre sonstigen Klick- und Einkaufsgewohnheiten im Web.

Online-Shopping bequemer als City-Dauerlauf

Im Internet einzukaufen ist bequem und komfortabel: Es lassen sich viel schneller Preise vergleichen, als wenn man dafür von Geschäft zu Geschäft hetzen müsste.

Man ist nicht an Ladenöffnungszeiten gebunden. Und das Schleppen der erworbenen Ware erübrigt sich auch: Das übernimmt der Paketdienst für einen.

Doch all die Informationshäppchen, die wir dabei online hinterlassen, werden immer stärker zusammengefügt.

Auf diese Weise soll ein möglichst detailliertes Bild von uns entstehen – nutzbar für personalisierte Werbung.

Auf dem Weg zur perfekten Werbeanzeige

Das ist soweit nichts Neues, und auch, dass Google neuerdings seine diversen Dienste enger miteinander verknüpfen will, um die erhobene Datenmenge zu verdichten, scheint nur der nächste logische Schritt auf dem Weg zur perfekten Werbeanzeige.

Was ein US-Reiseveranstalter nun aber dem Wall Street Journal gegenüber bestätigte, zeigt eine weitere Dimension auf.

Bei Orbitz geht es gar nicht so sehr darum, was Sie sonst so im Web treiben. Der Reiseanbieter zieht seine Schlüsse aus einem viel einfacheren Merkmal: Mit welchem Gerät Sie ins Internet gehen.

Verwenden Sie ein Apple-Produkt, so die Schlussfolgerung, sind Sie tendenziell auch bereit, mehr für ein Hotelzimmer auszugeben als der Nutzer eines Windows-PCs.

US-Reiseveranstalter: Teurere Hotelzimmer für Apple-Nutzer

Über Jahre hinweg hat Orbitz Daten sammeln und auswerten lassen, von Statistikern, die zuvor für Ebay und Google gearbeitet hatten.

Und siehe da: Der Trend scheint sich zu bestätigen. Im Schnitt geben demnach Apple-Nutzer auch für die Übernachtung rund 30 Prozent mehr aus als andere Kunden.

Orbitz zieht daraus nun seine Schlüsse – und bietet Apple-Nutzern erst einmal die teureren Hotels an.

Natürlich ist auch ein Mac-Kunde frei in seiner Entscheidung, ein anderes Hotel zu wählen oder sich die Suchergebnisse nach Preisen sortiert anzeigen zu lassen.

Aber sein erster Blick fällt auf ein teureres Zimmer als das eines PC-Nutzers.

Ein weites Feld für die Sozialforschung

Man könnte wohl viel Sozialforschung betreiben auf dem Feld der vermeintlichen Premium-Vorlieben von Apple-Jüngern.

Orbitz etwa interessiert sich künftig dafür, ob die bei Hotelzimmern festgestellte Bereitschaft, mehr Geld auszugeben auch bei anderen Angeboten wie etwa Mietwagen zutrifft.

Auch die könnte man dann entsprechend bewerben.

Fakt ist: Die personalisierte Werbung wird immer treffsicherer. Sie zeigt uns Produkte an, die wir uns kurz vorher tatsächlich angesehen haben.

Allerdings gibt es auch noch Schwächen im System, wenn etwa ein Computer sowohl zu privaten als auch beruflichen Zwecken oder etwa von mehreren Personen eines Haushalts verwendet wird.

Den Nutzer vorm Bildschirm zu identifizieren schafft die Werbeindustrie nicht – noch nicht.

Fest steht: Wenn es gelingt sprudeln die Einnahmen – das ist gut für die Unternehmen und Ihr Depot

Sofern Sie es aber trotz aller Datenschutzbedenken schaffen sollte, dann kommen goldene Zeiten auf die Branche zu.

Das heißt übrigens auch: Auf jene Unternehmen, die davon profitieren. Ganz vorne dabei dürfte dann Facebook sein – Google macht jetzt schon Umsatz mit diesen Ansätzen.

Und das wiederum ist gut fürs Portfolio. Blicken wir also mit einem lachenden und weinenden Auge in die Zukunft der Werbeindustrie.

29. Juni 2012
von
david_gerginov_
Seit seiner Jugend beschäftigt sich David Gerginov mit dem Kapitalmarkt und den Zusammenhängen von Politik und Wirtschaft. Sein wichtigstes Anliegen ist dabei das Aufzeigen von Zusammenhängen und die möglichst einfache Darstellung von komplexen Sachverhalten.

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