Perspektiven für British Petroleum – Teil 1
Nach meinem Beitrag zu Praktiker in der vergangenen Woche bat mich ein Leser in seinem Kommentar um eine Einschätzung zur BP-Aktie. Dem Wunsch komme ich gerne nach.
Da die Analyse etwas umfangreicher ausfällt als von mir ursprünglich eingeschätzt, teile ich sie auf 2 Beiträge auf. Im heutigen ersten Teil gehen wir auf einige BP (British Petroleum) grundlegend betreffende Aspekte ein. Diese Punkte halte ich für Sie als Investor jedoch für so wichtig, dass ich sie nicht unterschlagen mag und ihnen daher einen eigenen Beitrag widme. Im zweiten Teil am kommenden Donnerstag werde ich Ihnen dann meine Chartanalyse zur Aktie präsentieren.
Zukunft von BP noch auf Jahre hinaus belastet
Der britische Ölkonzern geriet im April 2010 nach der Havarie der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko mächtig unter Druck. Die Katastrophe hielt uns lange Zeit in Atem – bis das Bohrloch, aus dem monatelang Öl strömte, endlich verschlossen werden konnte.
Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits rund 19 Mrd. USD für die Kosten der Katastrophe ausgegeben und weitere Rückstellungen im Wert von 41 Mrd. USD gebildet. Das bedeutet: BP rechnet selbst mit weiteren Ausgaben für Schadensersatz in jedweder Form von etwa 41 Mrd. USD. Sollte der letztendlich zu leistende Schadenersatz unterm Strich geringer ausfallen, könnte BP die Differenz als Gewinn zurückbuchen.
Doch soweit ist es lange noch nicht. Derzeit laufen die Klagen gegen BP noch. Weitere Prozesse – beispielsweise droht den BP-Managern noch eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung – können folgen. Bis zu einer Verurteilung wird es wohl noch Jahre dauern. Und erst dann kann schlussendlich eine Bilanz gezogen werden.
Wer sich also heute auf den langfristigen Kauf von BP-Aktien einlassen möchte, nur weil der Kurs heute gut ein Drittel unter dem Allzeithoch aus dem Jahr 2005 notiert (was unter diesen Umständen nicht sonderlich viel ist), sollte sich dieser Perspektiven bewusst sein. Sie werden den Kurs noch einige Jahre begleiten.
Für Sie als Euro-Investor wichtig!
Soweit zu den Konsequenzen aus dem Öl-Desaster. Die operative Einschätzung lasse ich hier bewusst einmal weg, weil wir in Chartanalyse-Trends ja genau das tun: Chartanalyse betreiben. Und dann wollen wir uns auch darauf konzentrieren.
Bevor ich zur eigentlichen Chartanalyse im zweiten Teil komme: Ich habe hier bewusst die in London gehandelte Aktie ausgewählt: Großbritannien ist das Herkunftsland von British Petroleum. Kurse in Euro in Deutschland oder USD in den USA werden daher aus der Entwicklung an der Londoner Börse abgeleitet.
Entsprechend müssen wir in Euro anlegenden Investoren zusätzlich die Entwicklung des britischen Pfundes (GBP) gegenüber dem Euro im Auge behalten (Schweizer Anleger natürlich stattdessen die Entwicklung des CHF gegenüber dem GBP): Steigt der Euro gegenüber dem britischen Pfund, erleiden Sie als Euro-Investor eine Wertminderung und umgekehrt.
Schauen wir daher zum Abschluss des heutigen Teils noch auf den Chart Euro / GBP. Es ist ein sehr langfristiger Chart (zurück bis 1999). Daher habe ich mich für die übersichtlicheren Monatskerzen entschieden (1 Kerze entspricht dem Handelsverlauf 1 Monats).
Euro gegen GBP: Langfristig aufwärts!
Auf einen Blick können wir feststellen: Der Euro befindet sich gegenüber dem britischen Pfund in einem langfristigen Aufwärtstrend. Durch die Finanzkrise, von der Großbritannien noch stärker betroffen war, hat sich der Aufwärtstrend ab 2008 nochmals verschärft.
Interessant ist dabei: Nachdem der Aufwärtstrend-Kanal nach oben verlassen wurde, endete die Aufwärtsbewegung an einem Punkt (gestrichelte blaue Linie), der genau der Breite des alten Trend-Kanals entspricht. Sie können dies an den exakt gleich großen gelben Rechtecken festmachen.
Im März / April dieses Jahres ist der Euro aus der vom bisherigen Hochpunkt ausgehenden Korrekturbewegung nach oben ausgebrochen. Das signalisiert einen gegen das britische Pfund tendenziell weiter steigenden Euro. Investments in BP würden also unter dieser Perspektive eher leiden.
Währungsverluste sind vorprogrammiert
Erreicht der Euro die obere Begrenzung des neuen Trend-Kanals, müssen Sie also Währungsverluste von rund -17% einkalkulieren. Völlig unabhängig davon, wie sich die BP-Aktie in der Zukunft entwickeln wird. Doch das besprechen wir am Donnerstag



