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Politik und Sport: 2:0 für Italien


Morrien‘s Schlussgong

Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.

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Was für ein Kursfeuerwerk!

Der DAX sprang um 4,3% nach oben und kletterte auf 6.416 Punkte.

Auch die anderen Aktienindizes liegen deutlich im grünen Bereich.

Plötzlich sieht die Halbjahresbilanz an der Börse wieder viel freundlicher aus.

Auslöser der Aufwärtsbewegung waren die Kompromisse beim EU-Krisen-Gipfel. Der Gipfel ist nicht geplatzt und es wurden nicht nur warme Worte ausgetauscht. Das hat viele Investoren überrascht.

Wie schon bei der Griechenland-Wahl war aus meiner Sicht die Gefahr des schnellen Euro-Zusammenbruchs sehr gering. Ich zitiere meine Einschätzung aus der Vorwoche:

„2 Gründe sprechen dafür, dass uns der Euro noch einige Zeit erhalten bleibt: Zum einen können die finanzschwachen Staaten das System noch einige Jahre auspressen. Warum sollten die Schuldenländer das System verlassen und sprengen, solange es noch prall gefüllte Rettungstöpfe gibt?

Zum anderen müsste sich die Europäische Zentralbank (EZB) freiwillig auflösen. Das wird die Behörde erst dann tun, wenn alle anderen Handlungsoptionen ausprobiert worden sind. Wir werden also erst noch Euro-Bills oder Euro-Bonds als Brandschutzmaßnahme erleben.“

Italien gewinnt gegen Deutschland

Nicht nur beim Fußball, auch beim EU-Krisen-Gipfel hat Italien gegen Deutschland gewonnen. Fast alle Kompromisse lassen sich auf einen Nenner bringen: Die Schulden-Staaten können leichter und ohne Gegenleistung an das Geld aus den Rettungsfonds kommen.

Italiens Regierungs-Chef Mario Monti versuchte erst gar nicht, den eigenen Sieg und die deutsche Niederlage zu verstecken. Monti kommentierte die Auflagen, die Italien zukünftig erfüllen muss, um an die Gelder zu kommen, wie folgt: „Damit werden aber nur die Verpflichtungen bekräftigt, die das Land schon eine Weile erfüllt.“

Wenn Italien Geld aus dem Rettungsfonds benötigt, muss die Regierung keine Reformen präsentieren und wird nicht von der Troika aus EU, EZB und IWF kontrolliert (die neue Regierung in Griechenland wird das für sich nutzen und die Auflagen lockern).

Das ist eine Niederlage auf der ganzen Linie für die Bundesregierung um Angela Merkel. Das Motto „erst Reformen, dann Hilfe“ gilt nicht mehr.

Banken jubeln (zu früh)

Die gestern hier im Schlussgong kritisch bewerteten Bank-Aktien konnten heute deutlich zulegen. Der Grund: Europäische Banken können zukünftig direkt Geld aus dem Rettungsfonds ESM erhalten.

Der Jubel kommt jedoch etwas früh. Das ist vorerst nur ein grober Plan. Die Banken sollen das Geld erhalten, wenn sie „angemessene Bedingungen“ erfüllen. Diese Bedingungen müssen erst noch verhandelt werden. Da auch andere Details noch geregelt werden müssen, rechnen Experten nicht damit, dass die Banken-Lösung vor 2013 greift.

Da die spanischen Banken nicht so lange warten können, wird es in diesem Fall wahrscheinlich eine Sonderregelung geben. Die Überlegung an der Börse: Wenn Spanien eine Extrawurst erhält, werden im Zweifel andere Banken auch spontan gerettet. Daher klettern heute die Kurse der Bank-Aktien.

Ich bleibe aber dabei, dass der Einstieg in diese Branche noch sehr riskant ist. Was ist, wenn die EU die Regeln einführt, die zum Beispiel in Deutschland gelten, wenn eine Bank staatliche Gelder braucht?

Die Streichung der Dividende und andere Auflagen könnten über Jahre belasten. So hat die Commerzbank die Krise dank staatlicher Hilfe überlebt, die Commerzbank-Aktionäre hatten in den vergangenen Jahren aber dennoch keinen Grund zu feiern.

Euro-Staaten verzichten auf Vorrang

Auch der Anleihenmarkt reagierte sofort auf die Gipfel-Beschlüsse. Die Renditen für italienische und spanische Staatsanleihen sanken. Zum einen hatten einige Investoren auf ein Euro-Aus gewettet. Diese Wetten wurden wieder aufgelöst.

Zum anderen beflügelt ein Detail: Wenn es zum Staatsbankrott kommt, sollen alle Gläubiger gleich behandelt werden. Bisher war es so, dass zuerst die Euro-Partner Geld erhalten sollten und dann die privaten Gläubiger.

Daher konnten sich die privaten Investoren ausrechnen, dass kaum noch etwas übrig bleibt, wenn zunächst der Rettungsfonds bedient wird. Das Chance-Risiko-Verhältnis hat sich gebessert, daher kaufen Anleger (kurzfristig) Staatsanleihen mit hohen Renditen.

Die Schattenseite: Diese Regelung sorgt dafür, dass zum Beispiel Deutschland mehr zahlen muss, wenn ein EU-Partner zahlungsunfähig wird. Deutsche Staatsanleihen standen daher heute auf der Verliererseite.

Fazit: Die Staaten mit den größten Schuldenproblemen sind die Gewinner des EU-Gipfels, die relativ starken Staaten sind die Verlierer. Der Trend Richtung Vergemeinschaftung der Schulden setzt sich weiter fort.

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