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Rating-Agenturen: Die Seuche unserer Zeit

Wenn die Rating-Agenturen ihre Stimme erheben, beben die Märkte der Welt.

Sie bewegen damit Milliarden in Euro, USD und anderen Währungen in Sekundenschnelle. Diesem Diktat beugen sich die US-Regierung, das europäische Parlament und alle europäischen Länder.

Die großen Rating-Agenturen

Die bekanntesten Rating-Agenturen sind Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Diese 3 beherrschen mit etwa 90% Anteil den Markt. Alle drei haben ihren Sitz in den USA.

Moody’s wertet Zypern ab

Gestern senkte eine der großen Rating-Agenturen, Moody’s, die Kreditwürdigkeit von Zypern. Fast möchte ich sagen: Regelmäßig wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Eine Gemeinsamkeit haben die „Säue“: Sie sind europäisch. Diese „schmecken“ den Rating-Agenturen aus den USA wohl am besten.

Zypern ist wohl eher ein Randnotiz. Die drittgrößte Insel im Mittelmeerraum hat „nur“ gut eine Million Einwohner und ein Bruttosozialprodukt von etwa 25.000 USD je Einwohner.

Zum Vergleich: Deutschland hat etwa 82 Millionen Einwohner und ein Bruttosozialprodukt von etwa 30.000 USD je Einwohner. (Wegen der internationalen Vergleichbarkeit werden diese Zahlen in USD angegeben.)

US Rating-Agenturen gegen europäische Nationen

Rating-Agenturen aus den USA werten reihenweise europäische Nationen ab: Was soll der Unsinn? Nun sitzen in den Rating-Agenturen natürlich hochintelligente Menschen, die keinen „Unsinn“ verzapfen. Es hat Sinn. Die Frage ist also: Für wen macht das Sinn? Oder:

Wem dienen die US Rating-Agenturen?

Da die Rating-Agentur Moody’s sich gerade gestern mit der Abwertung von Zypern in die Schlagzeilen brachte, habe ich diese näher untersucht. Nach dem Motto: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Wem gehört die Rating-Agentur Moody’s?

Oft könnte man meinen, die Rating-Agenturen seien quasi staatliche und vor allem neutrale Unternehmen. Weit gefehlt. Moody’s ist eine Aktiengesellschaft und gehört damit den Aktionären. Das Ziel einer Aktiengesellschaft ist es, Gewinn für die Aktionäre zu erzielen. Das hat kürzlich der RWE-Vorstand Jürgen Großmann schön auf den Punkt gebracht. Beim Aktionärstreffen der RWE sagte er zur Klage von RWE gegen die Stilllegung der Atomkraftwerke in Deutschland: „Das sind wir Ihnen, unseren Aktionären (zur Gewinn-Optimierung, Anmerkung Redaktion)schuldig.“

Diese Aussage von Großmann ist zuerst einmal (unabhängig von der politischen Bewertung der RWE-Klage, die ist hier nicht das Thema) korrekt. Sein Job ist es, das Beste für seine „Chefs“, die Aktionäre, herauszuholen.


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Das übertrage ich auf die Rating-Agentur Moody’s: Deren Job ist es, das Beste für ihre Aktionäre herauszuholen. Da lohnt ein Blick auf die Großaktionäre der Rating-Agentur Moody’s.

Großaktionäre der Rating-Agentur Moody’s

Da findet sich an erster Stelle ein illusterer Name: Warren Buffett

Mit 28.415.250 Aktien ist Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, der größte Aktionär. Ihm, beziehungsweise seiner Holding Berkshire Hathaway, gehören damit 12,47% der Rating-Agentur Moody’s.

Knapp dahinter folgt: „Capital World Investors“ mit 28.205.000 Aktien. Das sind 12,38% Anteil der Rating-Agentur Moody’s. Weitere große Aktionäre sind: Price (T.Rowe) Associates., Capital Research Global Investors, ValueAct Holdings, L.P. usw. – allesamt am Finanzmarkt tätige Großinvestoren beziehungsweise Fonds, die jeweils etwa 3% bis 5% Anteile an der der Rating-Agentur Moody’s halten. Die 10 größten Aktionäre zusammen halten einen Anteil von 52,66% an Moody’s.

Glauben Sie an einen Zufall, dass Warren Buffett bester Investor aller Zeiten und gleichzeitig größter Aktionär der Rating-Agenturen Moody’s ist? Glauben Sie nicht? Ich auch nicht!

Glauben Sie an einen Zufall, dass die größten 10 Anteileigner zusammen 52,66% der Aktien – und damit die absolute Mehrheit – halten? Glauben Sie nicht? Ich auch nicht!

Glauben Sie daran, dass die Rating-Agentur Moody’s völlig unabhängig von den 10 Aktionären ist, die mehr als 50% der Anteile halten? Glauben Sie nicht? Ich auch nicht!

Dabei habe ich garnicht untersucht, ob z.B. Warren Buffett zusätzlich auch Anteile an einem der anderen 9 Großaktionäre der Rating-Agenturen Moody’s hält oder ob und gegebenenfalls wie weit es insgesamt Verflechtungen unter den 10 Großaktionären der Rating-Agentur Moody’s gibt. Das ist an dieser Stelle auch nicht mehr relevant und führt zu weit. Trotzdem sei kurz erwähnt: Die vermeintlich „staatliche“ US-Notenbank gehört privaten Banken, an denen – na wer wohl? – auch wieder Warren Buffett große Anteile hält.

Warren Buffett: Bester Investor aller Zeiten und größter Aktionär von Moody’s

Ich setze einige meiner Aussagen dieses Kommentars hintereinander:

Moody’s ist eine Aktiengesellschaft und gehört den Aktionären.

Das Ziel einer Aktiengesellschaft ist, Gewinn für die Aktionäre zu erzielen.

RWE-Chef Großmann: „Das (Gewinn-Optimierung)sind wir unseren Aktionären schuldig.“

Warren Buffett: Bester Investor aller Zeiten und größter Aktionär von Moody’s.

Die größten 10 Anteileigner halten zusammen die absolute Mehrheit an Moody’s.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Das rücksichtslose Scheffeln des Geldes in die Rachen der Finanzgroßmächte ist eine Seuche unserer Zeit

Ich denke, ich kann für den deutschsprachigen Raum sagen: Uns geht es gut. Wir sind seit Jahrzehnten von Kriegen großen nationalen Katastrophen verschont. Die Probleme, die wir haben, sind beherrschbar und klein angesichts historischer und weltweiter Vergleiche. Aber so, wie jede Zeit ihre Seuche hat, so empfinde ich diese „systemrelevante“ Stärke der Super-Großmächte im Finanzwesen als „Seuche unserer Zeit“ Die ziehen nicht nur der „Oma ihr klein Häuschen“ in ihren gierigen Rachen, sondern machen ganze Staaten kaputt. Dabei scheffeln sie Milliarden und Billionen an Gewinnen und schwadronieren von einer Eigenkapitalrendite von 25%.

Wenn Sie das nächste Mal von Rating-Agenturen (aus den USA) hören, die eine (europäische) Nation auf- oder abwerten, bedenken Sie bei der Bewertung von deren Aussagen: Die Rating-Agenturen sind Ihren Aktionären größtmögliche Gewinne schuldig. Und deren Aktionäre gehören zu den Reichsten der Welt, die aber den Hals trotzdem nicht voll kriegen. Der Staubsauger, sorry Geldsauger, der das Geld von unten nach oben saugt, funktioniert bestens. Die Rating-Agenturen sind einer der Motoren.

P.S.: Warren Buffett hat „Pech“, dass er der größte Anteilseigner der Rating-Agentur Moody’s ist. Deshalb habe ich ihn hier oft genannt. Um ihn geht es mir überhaupt nicht. So, wie er, jetzt gegen Ende seiner aktiven Laufbahn, sein Vermögen spendet, handelt er vorbildlich.

Zum guten Schluss: Heute vor 155 Jahren, also am 29.07.1856, verstarb der deutsche Komponist und Pianist Robert Schumann. Zu seinem Schaffen sagte er:

„Es ist des Lernens kein Ende.“

Das lässt sich unverändert auf das Börsenleben übertragen. Das was ich hier die „Seuche unserer Zeit“ genannt habe, gab es in dieser Radikalität und Marktbeherrschung vor 10 und 20 Jahren nicht. Es ist des Lernens kein Ende, um an den Börsen Erfolg zu haben.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

29. Juli 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi" und "Heißmanns Königsklasse". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.