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Risikomanagement: Naturkatastrophen nehmen stetig zu

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Zahl der Naturkatastrophen auf 400 im Jahr verdoppelt, heißt es bei der Informal Task Force on Climate Change.

Das Risiko für die Wirtschaft aus Hochwasser ist in dieser Zeit um 160% gestiegen. Wirbelstürme treten inzwischen fast drei Mal so häufig auf.

Risiken nehmen rasant zu

Der Anteil des weltweiten BIP, der Desastern ausgesetzt ist, hat sich laut OECD seit 1980 auf 1.600 Mrd. Dollar verdreifacht. Dank rasanter Globalisierung und weltweiter Lieferketten finden sich immer mehr Firmen, auch kleinere, bei Naturkatastrophen plötzlich im Auge des Orkans wieder.

Das gilt selbst dann, wenn sich das Unglück auf der anderen Seite der Erde ereignet. Nicht nur die Autobranche bekommt das seit dem Erdbeben in Japan am 11. März bis in die letzten Winkel ihrer Produktionsketten zu spüren.

Die Verluste an wirtschaftlicher Leistung aus Desastern – wie dem Erdbeben in Japan oder dem Ausbruch des Gletschervulkans Eyjafjallajökull in Island – haben sich laut der Münchener Rück im Jahrzehnt bis 2002 mehr als versiebenfacht.

"In der OECD sind 52% des gesamten BIP Flutkatastrophen ausgesetzt und 92% schweren Stürmen", heißt es im "2011 Global Assessment Report". Für die Industrie bedeutet das eine Welt mit wachsenden Risiken, selbst wenn man einmal von Wechselkurs-Kapriolen, Börsendesastern, Schuldendramen und eskalierenden Rohstoffpreisen absieht.

Märkte werden durchgeschüttelt

Die wachsende Serie schwerer Naturkatastrophen hat längst die Strategie- und Managementberater auf den Plan gerufen. Die Boston Consulting Group  veranschaulicht die Folgen der wachsenden Volatilität in ihrem neuen Konzeptpapier "The Art of Planning" so:


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"Ein immer höherer Prozentsatz von Firmen fällt aus den Top 3 ihrer Industrie heraus, und die, denen das zustößt, riskieren es sogar immer häufiger, innerhalb von fünf Jahren auch aus der Top 10 zu verschwinden".

Die Beratungsgesellschaft Rödl & Partner hat unterdessen in einer Umfrage festgestellt, dass über 80% der Firmen ihr Risiko-Management in den nächsten ein bis zwei Jahren auf den Prüfstand stellen wollen.

Welche Folgen hat die Japan-Katastrophe?

Werden ganze Landstriche für alle Zeiten verseucht werden? Wird Tokio von einer radioaktiven Wolke umschlossen? Wie wird die Zukunft Japans aussehen? Diese Fragen werden wohl in den nächsten Tagen, Wochen und Jahren beantwortet werden.

Eine Verunsicherung, die derzeit um die ganze Welt greift. Ein guter Indikator ist da die Entwicklung der Börsen, die in den letzten beiden Tagen drastische Verluste hinnehmen mussten.

Allein der DAX hatte sich im Fahrwasser des Nikkei nach Bekanntwerden der Katastrophe um rund –2,8 % reduziert (Stand: Schlusskurs vom 14.03.2011). Ob dies nur eine kurzfristige Reaktion ist oder tatsächlich tiefgreifende wirtschaftliche Einschnitte vorweggenommen werden, darüber kann noch keine Einigkeit herrschen.

Ein Rückblick auf die Katastrophen der letzten Dekade

Ich habe mir die Mühe gemacht und die Katastrophen des letzten Jahrzehnts zusammengetragen, um deren kurzfristige Wirkung auf den DAX zu untersuchen. Die kurzfristige Auswirkung habe ich anhand der DAX-Entwicklung in einem Zeitraum von 7 Tagen nach Bekanntwerden der Katastrophe ermittelt.

Die heftigsten Ausschläge konnte ich nach den Terroranschlägen vom 11. September verzeichnen. Innerhalb einer Woche fiel damals der DAX um –10,2 %.

Diese deutliche Marktschwäche zeigt einerseits die Abhängigkeit von den USA, auf der anderen Seite ist ein Terroranschlag keine Naturkatastrophe und damit seine Folgen auch schwerer abzuschätzen. Zum damaligen Zeitpunkt war die amerikanische Reaktion auf die Terroranschläge noch nicht absehbar.

Dass Naturkatastrophen von den Börsen anders aufgenommen werden, zeigt sich am Fall des Hurrikan Katrina in New Orleans. Die wirtschaftlichen Schäden werden sogar höher eingeschätzt als die der Terroranschläge vom 11. September.

Dennoch fiel der DAX innerhalb einer Woche nur um –1,5 %. Naturkatastrophen werden von den Märkten als besser abschätzbar eingestuft.

Naturkatastrophen und Börsenentwicklung

Die geringsten Ausschläge konnte ich nach dem Tsunami im Indischen Ozean vom 26.12.2004 (+0,1 %) und nach dem Erdbeben in Haiti (–1,1 %) im letzten Jahr feststellen.

Der Tsunami im Indischen Ozean hatte zwar eine sehr großflächige Auswirkung, die betroffenen Länder haben jedoch im internationalen Wirtschaftskreislauf nur eine untergeordnete Bedeutung.

Zugleich herrschte zu diesem Zeitpunkt die natürliche Börsenzurückhaltung während der Weihnachtsfeiertage. Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit Haitis hatten die deutschen Märkte ebenfalls kaum Reaktionen auf das Erdbeben gezeigt.

Diese Betrachtung soll keineswegs ein Indiz für die künftige Marktentwicklung liefern. Denn im aktuellen Fall Japans kommen gleich 3 große Katastrophen zusammen. Und die schlimmste – noch nicht absehbare – steht noch aus.

3. Juni 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.