Schmolz+Bickenbach, Orell Füssli und Tornos im Franken-Test

Morrien‘s Schlussgong
Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.
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Es passiert selten, aber ab und zu funktionieren Pläne der Notenbanken. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat den Franken an den Euro gekoppelt und kann den Kurs bisher erfolgreich verteidigen.
Die „Schmerzgrenze“ der SNB liegt bei 1,20 Franken pro Euro. Wertet der Franken stärker auf, greift die Nationalbank ein. Sie verkauft dann Franken und kauft im Gegenzug Euro.
Mit dieser Maßnahme wurde verhindert, dass der Wechselkurs auf ein Verhältnis von 1:1 oder noch tiefer fällt. Die Schweizer Unternehmen können zumindest leicht aufatmen. Direkt vor Ort prüfe ich in diesen Tagen, wie die Unternehmen die Franken-Stärke meistern.
Schmolz+Bickenbach profitiert von den geringen Franken-Kosten
Der Stahlhersteller ist zwar an der Schweizer Börse notiert, ist aber auch sehr stark in Deutschland verwurzelt. In der aktuellen Währungssituation ist das ein großer Vorteil.
Ungünstig ist es dagegen, wenn die Kosten in Schweizer Franken anfallen und die Verkaufserlöse anschließend in schwachen Währungen wie Euro oder US-Dollar.
Bei Schmolz+Bickenbach fallen nicht einmal 20% der Kosten in Franken an. Das Unternehmen kann daher mit der Frankenaufwertung relativ gut leben. Der aktuelle Wechselkurs von 1,20 Franken pro Euro dürfte keine großen Spuren in der Bilanz hinterlassen.
Orell Füssli leidet unter der starken Heimatwährung
Der Schweizer Konzern Orell Füssli ist in den Sparten Sicherheitsdruck (Banknoten, Ausweise, Wertdokumente), Industriegeschäft und Buchhandel geschäftlich aktiv.
Großes Sorgenkind ist der Sicherheitsdruck. Die Franken-Stärke erhöht zusätzlich zur verschärften Konkurrenzsituation den Margendruck. Die Schmerzgrenze war beim Jahreshoch des Franken erreicht und sogar schon überschritten.
Das Unternehmen spricht ganz offen darüber, dass im Bereich Sicherheitsdruck die Wettbewerbsfähigkeit in Frage gestellt wird, falls der Franken längerfristig aufwertet.
Wenn nicht genau in diesem Jahr der Druckstart für die neue Schweizer Banknotenserie wäre, würde der Halbjahresverlust keine Ausnahme bleiben. Das Unternehmen braucht dringend einen schwächeren Franken.
Maschinenbauer Tornos will Kosten in den Euro-Raum verlagern
Der Schweizer Maschinenbauer Tornos steckt in einer unangenehmen Lage: 67% der Kosten fallen in Franken an, jedoch nur rund 50% des Umsatzes. Das ist ein Renditekiller.
Die Tornos-Manager nennen auch Ross und Reiter: Eine Frankenaufwertung um 5 Rappen reduziert den operativen Gewinn (EBIT) um rund 3 Mio. Franken.
Wenn Sie bedenken, dass die Schweizer Währung vor der Finanzkrise bei 1,60 Franken pro Euro notierte und noch vor wenigen Tagen ein Verhältnis von fast 1:1 erreicht hat, können Sie den Leidensdruck in etwa einschätzen.
Tornos will mehrere Maßnahmen ergreifen, um die Gewinnmarge wieder zu erhöhen. Zum einen verhandelt das Unternehmen über Preise und Kosten. Tornos will die Aufwertungs-Belastung zumindest teilweise auf die Kunden und Zulieferer abwälzen.
Die Verhandlungen scheinen aber nicht sehr erfolgreich zu sein, wenn ich die Stimmung richtig interpretiert habe. Daher gibt es noch einen anderen Ansatz.
Immer dann, wenn Tornos neue Teile braucht, wird kalkuliert, ob das entsprechende Teil tatsächlich teuer in Eigenproduktion angefertigt wird, oder ob das Teil nicht günstiger im Euro- oder Dollar-Raum gekauft werden kann. Mit dieser Strategie soll die Abhängigkeit von der heimischen Währung abgeschwächt werden.
Franken-Anbindung bringt den Unternehmen Luft zum Atmen
Die kurzen Beispiele zeigen: Man kann nicht alle Schweizer Unternehmen in einen Topf werden. Der Leidensdruck aufgrund der Franken-Aufwertung ist sehr unterschiedlich.
Die Unternehmen mit einem großen Franken-Kostenblock sind aktuell nicht zu beneiden. Die Anbindung des Franken an den Euro bringt jetzt wenigstens etwas Luft zum Atmen.



