Schulden-Krise lässt sich im Handumdrehen beenden


Heißmanns Börsenkommentar

Wenn Sie wissen wollen, wie Börse wirklich ist: Rainer Heißmann schaut in seinem kostenlosen E-Mail-Newsletter „Heißmanns Börsenkommentar“ hinter die Kulissen, deckt Ungereimtheiten auf und begleitet das Börsengeschehen mit seinen kritischen Kommentaren.

Tragen Sie sich hier kostenlos ein:

„Deutsche Staatsschulden klettern über Marke von 2 Billionen Euro“, so lautete gestern eine Meldung, die durch die Medien ging.

Das sind die addierten Schulden von Bund, Länder und Kommunen per 31.03.2012.

Am Rande: Es ist schon traurig, dass mittlerweile Milliarden zu Kommastellen verkommen. Ich will und werde hier die Schuldenpolitik nicht verteidigen. Ich könnte seitenweise dazu schreiben. Im heutigen Kommentar geht es mir aber um etwas anderes:

Die Brandstifter verstecken sich meisterlich

Natürlich wächst die Staaten-, Schulden- oder Euro-Krise immer weiter. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bankenkrise der Auslöser war und Banken für weitere Schulden der Staaten sorgen.

Um das zu vertuschen, arbeiten die PR-Strategen der Banken perfekt. Was in 2007 begann und in 2008 mit der Pleite von Lehman Brothers seinen zwischenzeitlichen Höhepunkt fand, die Bankenkrise, ist heute nur noch nebensächlich.

Haben Sie mal in den Zeitungen von den Pleite-Banken Griechenlands gelesen? Wohl kaum, aber die „Pleite-Griechen“, die per Rundumschlag alle griechischen Menschen mit einbeziehen, die sind allen bekannt.

Pleite-Banken Spaniens treiben Staatsschulden hoch

Vor wenigen Tagen habe ich im Kommentar „Hedgefonds kriegen den Hals nicht voll“ aufgezeigt, wo die Schulden in Spanien herkommen. Dort haben sich Banken mit Hypotheken auf Immobilien verzockt. Jetzt fehlen rund 100 Milliarden Euro. Diese leiht sich der Staat, um die Banken zu stützen.

Gestern hat Spanien offiziell den entsprechenden Antrag gestellt. Ob es nun 62 Milliarden Euro sind, wie aktuell kursiert oder doch 100 Milliarden Euro, spielt kaum eine Rolle. Sind es doch nur Milliarden, also die eingangs beschriebenen Nachkommastellen, möchte ich sarkastisch anfügen.

Also: Der Staat leiht sich die Milliarden. Er stellt sie den Banken zur Verfügung. Der Steuerzahler haftet. Anschließend hat der Staat zusätzliche bis zu 100 Milliarden Schulden. Möglicherweise heißt es dann bald: der Pleite-Spanier.

Bankenschulden 3-mal so hoch wie Staatsschulden

In seinem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftswoche stellt Professor Hans-Werner Sinn einen Vergleich an. (Professor Hans-Werner Sinn ist Präsident des ifo Instituts und Lehrstuhlinhaber an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.)

Schwache Euro-Länder: Staatsschulden 3,3 Billionen Euro

Laut Hans-Werner Sinn liegen die Staatsschulden von Griechenland, Irland, Italien Portugal und Spanien per Ende 2011 bei 3,3 Billionen Euro.

Banken der schwachen Euro-Länder: Schulden 9,2 Billionen Euro

Gleichzeitig haben deren Banken einen gigantischen Schuldenberg von 9,2 Billionen Euro. Das ist fast 3-mal so viel. Aber der übliche Sprachgebrauch lautet: verschuldete Euro-Staaten, nicht überschuldete Banken.

Schulden-Krise lässt sich im Handumdrehen beenden

Würde also ein Ausweg für die Banken-Schulden gefunden, würde die Staatsverschuldung vergleichsweise leicht zu lösen sein.

Kurzer Zwischenschritt: Wenn wir unser Häuschen überschuldet hätten, würden es uns weggepfändet. Normal halt. Der Eigentümer muss haften.

Wenn Sie mir bis hierhin folgen, müssten Sie auch beim nächsten Schritt zustimmen, zumal, Ehre wem Ehre gebührt, dieser Vorschlag von Professor Hans-Werner Sinn getätigt wird.

Bank: Fremdkapital wird zu Eigenkapital = Krise beendet

Die Bank ist überschuldet oder pleite? Wem gehört die Bank? Wenn die Bank überschuldet ist, gehört sie in weiten Teilen dem Gläubiger. Der hat sein Geld bei den Banken angelegt. Er wollte Rendite, dafür hat er das Risiko in Kauf genommen.

Die Investition des Gläubigers steht in der Bilanz der Bank als Fremdkapital. Das  wird in Eigenkapital umgetauscht (Fachwort: Debt-Equity-Swap). Das ist nicht viel anders, als mit dem überschuldeten Häuslebauer umgegangen wird.

Wird das umgesetzt, ist die Schuldenkrise der Banken (und einige  Zeit später die der Staaten) beendet.

Wetten, dass … das nicht so kommt. Die Lobby der Banken wird es zu verhindern wissen.

 Zum guten Schluss: Am 26.06.1892, also heute vor 120 Jahren, kam die US-amerikanische Schriftstellerin Pearl S. Buck zur Welt. Sie erhielt den Literaturnobelpreis und für ihren Roman "The Good Earth" (Die gute Erde) den Pulitzer-Preis.

In der Hoffnung, dass die Bankenkrise „Die gute Erde“ nicht nachhaltig beschädigt, sende ich Ihnen beste Grüße

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

26. Juni 2012
von
rainer_heissmann
Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

Infografik des Monats

Wahlversprechen Steuersenkung

Gratis Newsletter von GeVestor
Weitere Newsletter