MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Steigende und sinkenden Zinsen im Griff behalten

Als Kreditnehmer können Sie wählen, ob Sie den Zinssatz für Ihr Darlehen für mehrere Jahre festschreiben möchten oder ob Sie lieber variabel finanzieren wollen. Eine Frage, die Ihnen auch Experten nicht immer eindeutig beantworten können.

Wenn Sie aktuelle Zinsen von Krediten vergleichen wollen, hilft Ihnen dabei der GeVestor-Kreditrechner.

Grundsätzlich sind Sie daran interessiert, Ihre Zinskosten für einen überschaubaren Zeitraum im Griff zu behalten. Am einfachsten erreichen Sie dies, wenn Sie bei niedrigen Sätzen eine Festschreibung auf mehrere Jahre vereinbaren. Diese Methode bietet Ihnen die sicherste Planungsgrundlage.

Haben die Zinsen jedoch bereits ein höheres Niveau erreicht oder ist es nicht absehbar, ob sie steigen oder sinken, sind Sie als Kreditnehmer unsicher, was Sie tun sollen.

Wie  legen Sie eine Zinsobergrenze fest?

Sie haben noch eine andere Möglichkeit: Vereinbaren Sie mit Ihrer Bank einen Cap-Kredit. Bei dieser Finanzierung können Sie eine Zinsobergrenze festlegen, die nicht überschritten wird, so dass Sie vor weiteren Zinssteigerungen geschützt sind.

Sinken die Zinsen, sinkt auch Ihr Zinssatz. Steigen die Zinsen, steigt auch Ihr Zinssatz, aber nur bis zur vereinbarten Obergrenze.

Steigen die Zinsen über die vereinbarte Obergrenze hinaus, ist das für Sie ohne Bedeutung, da Sie den von Ihnen zu zahlenden Zinssatz in Höhe der Obergrenze „gedeckelt“ haben.

So sichern Sie sich mit einem Zins-Cap, dass Ihr Zinssatz auf über 5,5% steigt

Sie nehmen ein Darlehen über 100.000 € zum Zinssatz von 4,95% p.a. und 10 Jahren Laufzeit auf.

Der Zinssatz ist variabel, das heißt, er kann sich entsprechend der Entwicklung am Kapitalmarkt sowohl nach unten als auch nach oben verändern. Gleichzeitig sagt Ihnen die Bank zu, dass Ihr Zinssatz nicht über 5,5% steigen wird.

Für diese garantierte Zinsobergrenze berechnet sie Ihnen eine Cap-Gebühr von einmalig 5% der Darlehenssumme.

Steigen die Zinsen, erhöht sich auch Ihr Zinssatz, jedoch nur bis maximal 5,5%. Steigt der Zinssatz auf über 5,5%, bleibt Ihr Zinssatz bei 5,5% stehen, Sie zahlen maximal 5,5%, auch wenn die Kapitalmarktzinsen deutlich höher steigen.

Auch Cap-Konditionen sind mit der Bank verhandelbar

Die Konditionen eines Cap-Kredits können Sie mit Ihrer Bank frei vereinbaren. Die Höhe der Cap-Gebühr richtet sich nach der Höhe des aktuellen Zinssatzes, der Höhe des festgelegten Höchstzinssatzes, der Laufzeit der Cap-Vereinbarung und der Schwankungsbreite, die Sie mit der Bank vereinbaren.

Liegt der aktuelle Zinssatz beispielsweise bei 5,0% und Sie vereinbaren einen Höchstzinssatz von 5,5%, ist die Cap-Gebühr naturgemäß höher, als wenn Sie einen Höchstzinssatz von 7% festlegen.

So begrenzen Sie mit einem Cap das Zinsänderungsrisiko

Bei einem Cap-Kredit oder einem Zins-Cap handelt es sich um eine Möglichkeit, das Zinsänderungsrisiko zu begrenzen.

Der Zins-Cap lässt sich am besten mit einer „Zinsversicherung“ vergleichen. Gegen Zahlung einer Prämie „versichern“ Sie einen Kredit dergestalt, dass der Zinssatz, den Sie dafür zu zahlen haben, eine bestimmte Obergrenze nicht übersteigt.

Als Käufer eines Cap erhalten Sie die Garantie, dass Ihr Zinssatz die festgelegte Obergrenze nicht übersteigt. Steigt der Zinssatz über die Obergrenze hinaus, zahlt Ihnen der Verkäufer des Cap die Differenz.

Sie können Cap auch mit „Kappe“ oder „Deckel“ ins Deutsche übersetzen, denn Sie sichern sich gegen steigende Zinsen mit einem Deckel, dem Cap, ab. Sie „kappen“ sozusagen den Zinsanstieg.

Sie können auch eine Zinsuntergrenze festlegen

Wenn Sie einen Darlehensvertrag „gestalten“ wollen, können Sie nicht nur via „Cap“ eine Zinsobergrenze festlegen, sondern Sie können mit einem „Floor“ (Boden) auch eine Zinsuntergrenze definieren.

Vereinbaren Sie Cap und Floor, sprechen die Banker von einem „Collar“ (Kragen), das heißt, Sie legen eine Bandbreite fest, innerhalb derer der Zinssatz schwanken kann.

Beispiel: Zinsober- und Zinsuntergrenze

Sie nehmen ein Darlehen zu 5,75% Zinsen auf und begrenzen den Zinssatz nach oben auf 6,25% (Cap) und nach unten auf 4,5% (Floor). In diesem Fall bewegt sich der Collar zwischen 4,5 und 6,25%. Dieses Darlehen kostet Sie also mindestens 4,5 und höchstens 6,25% Zinsen.

Fachworterklärung: 3 Varianten des Zins-Cap

Cap: Von einem Cap (Kappe, Deckel) spricht man bei Krediten, für die eine konkrete Zinsobergrenze festgelegt wird. Die Bank garantiert ihrem Kreditnehmer, dass der Zinssatz die vertraglich festgelegte Höhe nicht übersteigen wird. Für diese Zinsgarantie verlangt die Bank im Regelfall eine Cap-Gebühr.

Floor: Von einem Floor (Boden) spricht man, wenn für einen Kredit eine bestimmte Zinsuntergrenze festgelegt ist, die nicht unterschritten wird.

Collar: Beim Collar (Kragen) werden Cap und Floor zusammen eingesetzt, das heißt, für diesen Kredit werden sowohl eine Zinsobergrenze als auch eine Zinsuntergrenze festgelegt.


Gratis Studie: Die Zukunft Ihres Depots?....

  • China Mobile (China), größter Mobilfunkanbieter weltweit
  • Vale (Brasilien), größter Eisenerzlieferant der Welt
  • Novo Nordisk (Dänemark), führender Hersteller Insulin der Welt
  • Petrochina (China), zweitteuerstes Unternehmen der Welt
  • Burberry Group (England), führender Luxushersteller der Welt
  • Harley Davidson (USA), legendärster Motorradhersteller der Welt

Hier erfahren wo sich der Einstieg noch lohnt ➜


Cap-Gebühr: Je niedriger Sie die Zinsobergrenze im Verhältnis zum aktuellen Zinssatz und je geringer Sie die Schwankungsbreite zwischen Ober- und Untergrenze festlegen, umso höher wird die Cap-Gebühr und umgekehrt.

Ein Cap ist nicht an einen bestimmten Kredit gebunden

Sie können einen Zins-Cap auch losgelöst von einer konkreten Finanzierung erhalten. Das bedeutet, dass Sie einen Cap nicht unbedingt mit der Neuaufnahme eines Kredits verbinden müssen, sondern diesen auch für einen bestehenden Kredit zu einem späteren Zeitpunkt vereinbaren können.

Dies muss auch nicht bei der Bank geschehen, die Ihnen den Kredit zur Verfügung gestellt hat, sondern kann auch bei jeder anderen Bank vorgenommen werden.

Ein Vorteil beim Cap: Sie können jederzeit aus Ihrem Darlehensvertrag wieder aussteigen

Wenn Sie einen Cap vereinbaren, haben Sie zunächst einen Kredit mit einem variablen Zinssatz aufgenommen.

Der Cap garantiert Ihnen die Zinsobergrenze. Es ist anzumerken, dass die Cap- Gebühr zunächst Ihren variablen Zinssatz verteuert, wobei Sie nicht wissen, ob Sie auch einen Nutzen aus dieser Vereinbarung ziehen werden.

Sinken die Zinsen, können Sie nach §609a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) aus Ihrem Darlehensvertrag jederzeit mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten aussteigen.

Sie zahlen Ihr Darlehen mit dem variablen Zinssatz zurück und nehmen ein Darlehen in gleicher Höhe mit einem – niedrigeren – Festzinssatz auf. Die Cap-Gebühren hätten Sie in diesem Fall allerdings verloren.

Sie erreichen also mit einem Cap Vorteile bei sinkenden Zinsen gegenüber einem Festzinsdarlehen und vermeiden bei einem variablen Darlehen den Zinsanstieg über die Zinsobergrenze hinaus.

Betriebswirtschaftlich gesehen sichern Sie Ihre Kalkulationsbasis für die Kapitalkosten ab.

Wählen Sie den richtigen Basiszinssatz für Ihren Cap-Kredit

Wenn Sie einen Cap vereinbaren, ist es entscheidend, wann und in welchem Umfang die Zinsanpassungen vorgenommen werden.

Achten Sie deshalb bei einem Cap-Kredit besonders auf die Formulierung der Anpassungsklausel in Ihrem Kreditvertrag.

Wenn in Ihrem Darlehensvertrag festgelegt ist: „Der Zinssatz wird jeweils entsprechend den Normalkonditionen für langfristige Darlehen der Bank angepasst“, haben Sie Schwierigkeiten, sowohl den Zeitpunkt als auch die Höhe der Zinsveränderungen nachzuvollziehen.

Im Zweifel müssen Sie permanent die Entwicklung der Normalkonditionen der Bank anhand der Schalteraushänge verfolgen und darauf achten, dass die Anpassungen analog vollzogen werden.

Im Regelfall lassen sich die Banken bei der Weitergabe von Zinssenkungen etwas mehr Zeit als bei der Weitergabe von Zinserhöhungen, eine Tendenz, die man bei den jeweiligen Veränderungen der Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank (früher der Deutschen Bundesbank) beobachten kann.

Wählen Sie als Basiszinssatz einen jederzeit für Sie nachvollziehbaren Zinssatz, den Sie möglichst anhand von Veröffentlichungen in der Wirtschaftspresse kontrollieren können.

Es können in Frage kommen:

Wählen Sie also einen dieser Zinssätze, dessen Entwicklung Sie in der Wirtschaftspresse (Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung etc.) oder anhand des Monatsberichts der Deutschen Bundesbank oder der Europäischen Zentralbank nachvollziehen können.

Lassen Sie sich nicht darauf ein, einen bankinternen Zinssatz als Basis festzulegen.

Jetzt kann es zu keinen Streitigkeiten mehr über die Höhe oder den Termin der Zinsanpassung kommen.

  • Der durchschnittliche Effektivzinssatz für langfristige Festzinskredite an Unternehmen und Selbstständige, so wie im Monatsbericht der Deutschen Bundesbank veröffentlicht (definieren Sie noch die für Sie in Frage kommende Größenordnung von 200.000 € bis unter 1 Mio € oder von 1 Mio € bis unter 10 Mio €).

  • Die Rendite für Inhaber-Schuldverschreibungen (definieren Sie die entsprechende Laufzeit von ein bis zehn Jahren).

  • Der drei- oder sechsmonats-Euribor (Euro Interbank Offered Rate) oder der drei- oder sechsmonats-Euro-Libor (London Interbank Offered Rate) oder der drei- oder sechsmonats-Eurogeldmarktzinssatz.

  • Der längerfristige Refisatz (Refinanzierungssatz) oder die Spitzenrefinanzierungsfazilität der Europäischen Zentralbank.

Was ein Cap-Kredit kostet

Im Regelfall verlangt die Bank für die Garantie einer Zinsobergrenze eine Cap-Gebühr. Die Höhe der Cap-Gebühr richtet sich nach dem Risiko, das die Bank mit der Garantie der Zinsobergrenze eingeht.

Liegt der garantierte Höchstzinssatz im Verhältnis zum aktuellen Marktzinssatz relativ niedrig, haben Sie mit einer höheren Cap-Gebühr zu rechnen, als wenn die Zinsobergrenze höher angesetzt wird.

Sprechen Sie Ihre Bank auf einen Cap-Kredit an. Die Konditionen sind nicht starr festgelegt, sondern können frei vereinbart werden.

So können Sie mit einem Cap-Kredit nur gewinnen

Wenn Sie ein langfristiges Darlehen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung benötigen, sollten Sie sich von Ihrer Bank ein Angebot über einen Festzinssatz für zehn Jahre geben lassen.

Liegt der Zinssatz beispielsweise bei 5,75%, sollten Sie diesen Wert als Zinsobergrenze für einen entsprechenden Cap-Kredit festlegen.

Wenn Sie jetzt den 3-Monats-Euribor als Basiszinssatz für einen Cap-Kredit vereinbaren und Ihre Bank von Ihnen 1 Prozentpunkt Bankmarge und 0,2% p.a. Cap-Gebühr verlangt, können Sie die laufende Cap-Gebühr noch bei Ihrer Zinsobergrenze berücksichtigen. Sie legen also die Zinsobergrenze bei 5,55% fest, damit Ihre Zinskosten inklusive Cap-Gebühr bei maximal 5,75% p.a. liegen.

Wenn Sie für Ihren Cap-Kredit als Zinsobergrenze den Festzinssatz für die von Ihnen benötigte Laufzeit ansetzen, können Sie mit einem Cap-Kredit nur gewinnen.

Checkliste: So vereinbaren Sie einen vorteilhaften Cap-Kredit

  • Fragen Sie bei Ihren Banken, ob und ab welcher Kredithöhe sie Ihnen einen Cap-Kredit zur Verfügung stellen.
  • Machen Sie sich anhand der Ihnen zur Verfügung stehenden Informationen ein Bild über die künftige Zinsentwicklung.
  • Fragen Sie Ihre Bank nach deren Einschätzung der künftigen Zinsentwicklung.
  • Erkundigen Sie sich nach den aktuellen Konditionen für Finanzierungen mit variablen und festen Zinssätzen.
  • Fragen Sie nach der Höhe von Cap-Gebühren bei unterschiedlicher Konstellation von aktuellem Zinssatz, Höchstzinssatz und Laufzeit.
  • Lassen Sie sich von Ihrer Bank eine Vergleichsrechnung zwischen einem Darlehen mit Festzinssatz und einem Cap-Kredit erstellen.
  • Legen Sie die Zinsobergrenze bei einem Cap-Kredit immer nur unwesentlich – nicht mehr als 0,5 Prozentpunkte – über dem aktuellen Zinssatz für Festzinsdarlehen fest.
  • Vereinbaren Sie als Basiszinssatz bei einem Cap- Kredit einen für Sie leicht nachvollziehbaren Zinssatz, den Sie entweder den Veröffentlichungen der Deutschen Bundesbank, der Europäischen Zentralbank oder der Wirtschaftspresse entnehmen können.
  • Informieren Sie sich laufend über die Zinsentwicklung.

Mehr zum Thema: Zinsmanipulation auf einen Blick

19. Juni 2002

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Martin Dieter Herke
Von: Martin Dieter Herke. Über den Autor

Martin Dieter Herke ist gelernter Bankkaufmann mit Diplom der Bankakademie und langjähriger Bankpraxis. Er ist als Unternehmensberater selbstständig tätig. Beratungsschwerpunkte: finanzielle und betriebswirtschaftliche Unternehmensführungsfragen.