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Steinhoff zahlt 115% Übernahme-Prämie für US-Expansion

Die neue Handelswoche startet mit einer Überraschung am Übernahme-Markt. Der im MDAX gelistete Möbel-Konzern Steinhoff kündigte eine 3,8 Mrd. Dollar schwere Übernahme in den USA an.

Diesen Betrag will das Unternehmen für den führenden Matratzen-Händler Mattress Firm Holding Corp. hinlegen.

Bei den Mattress-Aktionären knallen daraufhin die Sektkorken. Denn der Preis beinhaltet eine Übernahme-Prämie von 115% auf den Freitags-Schlusskurs.

Kein Wunder, dass aufgrund der hohen Prämie die Mattress-Firmenleitung den Aktionären die Annahme des großzügigen Übernahme-Angebots empfiehlt.

Steinhoff-Aktionäre schicken Aktie auf Allzeithoch

Steinhoff zahlt den Mattress-Aktionären 64 Dollar je Aktie in bar. Kurz nach Bekanntwerden der Pläne schoss das Papier um 114% nach oben und notiert knapp unter dem Angebotspreis.

Analysten bewerten die Offerte als teuer, wenngleich der strategische Nutzen der Übernahme durchaus erkannt wird. Für die Investoren überwiegt heute der Nutzen der Übernahme.


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In einem unveränderten Markt zieht die Steinhoff-Aktie um 1,7% nach oben und notiert auf Allzeithoch.

Angesichts der hohen Übernahme-Prämie wäre es nicht ungewöhnlich gewesen, wenn die Aktie unter Druck geraten wäre – zumal das Synergie-Potenzial des Deals nicht explizit beziffert wurde.

Steinhoff verringert mit der Übernahme regionale Umsatz-Risiken und profitiert vom weltweiten Distributions-Netzwerk

Wenn Sie den Übernahme-Sensor häufiger lesen, dann wissen Sie, dass die bloße Höhe der Übernahme-Prämie nichts darüber aussagt, ob ein Preis angemessen ist oder nicht.

Das Mattress-Papier hatte in den vergangenen 12 Monaten über 50% an Wert verloren. Das lag aber nicht an gravierenden operativen Problemen.

Vielmehr hatte das Unternehmen selbst mit einer Übernahme Teile der Anlegerschaft verschreckt, tauschte im Frühjahr den Firmenchef aus und musste hohe Abschreibungen hinnehmen.

Steinhoff könnte das niedrige Kursniveau als willkommene Chance angesehen haben, denn die Übernahme ist strategisch sehr wertvoll.

Steinhoff, in Deutschland für die Möbelkette Poco bekannt, will die Umsatz-Erlöse auf eine breitere Basis stellen. Mit dem Zukauf wird dieses Ziel direkt erreicht.

Hinzu kommt, dass der Markt in den USA mit 5% wächst und die Wachstums-Prognose für Mattress noch darüber liegt. Mattress gehört zu den am schnellsten wachsenden Einrichtungs-Händlern der Welt und bietet eine gute Basis für eine US-Expansion.

Konkurrenz-Offerte nicht zu erwarten

Steinhoff ist nicht dafür bekannt, unangemessen hohe Übernahme-Preise zu bezahlen. In den vergangenen Monaten wurde das Unternehmen bei mehreren Deals überboten und behielt Preisdisziplin.

So unterlag das Unternehmen im Rennen um die britische Home Retail und die französische Elektronikmarkt-Kette Darty. In diesem Fall ist nicht zu erwarten, dass die Offerte noch überboten wird.

Hält die Serie erfolgreicher Übernahmen?

In der längeren Historie hat Steinhoff mehrere erfolgreiche Übernahmen gestemmt, was auch dafür gesorgt haben dürfte, dass die Investoren heute gelassen blieben. Dennoch ist die Expansion in den US-Markt nicht risikolos.

Wie in allen Märkten könnte der wachsende Internet-Handel dafür sorgen, dass die Geschäfts-Entwicklung nicht so gut läuft wie jetzt noch prognostiziert wird.

Andere Marktsegmente haben bereits gezeigt, wie schnell sich Käufer-Verhalten verändern kann. Das größte Risiko ist das Internet.

Hinzu kommt, dass jede Übernahme auch Integrations-Risiken trägt. Es ist nicht auszuschließen, dass man sich in einigen Jahren fragt: „Wie konnte Steinhoff 3,8 Mrd. Dollar für Mattress zahlen?“

8. August 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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