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ThyssenKrupp Aktie: Wachstum durch Umbau

Die amerikanische Stahlsparte ausgenommen, läuft es gut.

ThyssenKrupp schreibt nach der Wirtschaftskrise wieder in allen Wirtschaftsbereichen schwarze Zahlen.

Die Bestellungen stiegen gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres um 25 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro.

Der Umsatz wuchs auf 36,5 Milliarden Euro (17 Prozent mehr als im Vorjahr), der um Zinsen und Steuern bereinigte Jahresüberschuss von 1,1 Milliarden auf 1,3 Milliarden Euro.

Prinzipiell solide Zahlen, doch generell unterhalb der Erwartungen der Analysten.

Die Gründe für diese Ernüchterung sind dabei in Übersee zu verorten. Die Anlaufverluste der neuen Stahlwerke in den USA und Brasilien bremsen ThyssenKrupps Wirtschaftslage.

Beim Abbau der Verschuldung kommt das Unternehmen indes gut voran. Zum ersten Mal seit anderthalb Jahren wurde der Barmittelabfluss gestoppt.

Bis zum Ende des Geschäftsjahres wird gar ein deutlicher Zufluss erwartet. Die Nettoverschuldung ging innerhalb der vergangenen drei Monate auf 6,2 Milliarden Euro zurück.

Als Ursache dieser positiven Entwicklung wird der neue Kurs des Unternehmens gesehen.

Verantwortlich dafür: Der Vorstandsvorsitzenden, Dr.-Ing Heinrich Hiesinger.

Hiesingers Coup: Thyssenkrupp schlägt neue Wege ein

Im Mai 2011 die Überraschung: Hiesinger gibt den größten Firmenumbau seit der Fusionierung von Thyssen und Krupp bekannt.

Der Plan dabei: Sich durch den Umbau von insgesamt knapp zehn Milliarden Euro und rund 35.000 seiner 177.000 Mitarbeiter zu trennen.

In anderen Worten es hierbei also um rund ein Viertel des Gesamtumsatzes von ThyssenKrupp und beinahe jedes fünfte Belegschaftsmitglied.

Angedacht ist damit, die Gewichte zwischen Stahl- und Technologiesparte zu verschieben.

Erreicht werden soll damit eine andere Außenwahrnehmung des Konzern – das Bild eines reinen Stahlkonzerns soll bald der Vergangenheit angehören.


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Um dies zu realisieren steht ein Ausbau der Technologiesparte an. Parallel dazu gilt es, sich von der Edelstahlsparte zu trennen.

Auch soll sich das Unternehmen komplett aus dem Autozulieferungsgeschäft zurückziehen.

Beobachter sind zwar überrascht, ober erfreut. Zu oft hatte ThyssenKrupp in den letzten Jahren den Kurs in Automobil- und Edelstahlbranche geändert.

Der bisherige Schlingerkurs dürfte damit zumindest vorläufig ein Ende gefunden haben.

Hiesingers Machtwort: Ganz klar eine Überraschung

Die Meldung zum Umbau des Unternehmens war eine Überraschung. Dies dabei  besonders, weil bis dahin keinerlei Indiskretion an die Presse lanciert worden war. Ein Vertrauensbeweis in die Fähigkeiten Hiesingers.

Ebenso ungewöhnlich die Selbstverständlichkeit, mit der die Entscheidung aufgenommen wurde.

Es sprachen sich weder die Gewerkschaft, noch der Betriebsrat gegen die Pläne aus.

Bei einer Entscheidung dieser Tragweite eine Seltenheit. Einzig Bundespräsident Wulff setzte ein Zeichen und sagte kurzfristig den geplanten Besuch des neuen ThyssenKrupp-Stahlwerkes in Sao Paulo ab.

Auch bemerkenswert die Kunstfertigkeit Hiesingers: Weder die Edelstahl- noch die Technologie-Seite des Unternehmens brachte er gegen sich auf.

Erfolgreich den schmalen Grad gegangen zu seinen, auf beiden Seiten vertretbar gehaltenen Kürzungen zu realisieren, war keinesfalls voraussehbar.

Neustrukturierung für die Zukunft: Das Übernahmegeschäft

Es blieb nicht bei einem bloßen Plan. Übernahmen wurden realisiert: So beispielsweise der gesamte Bereich Metal Forming und der amerikanische Gerüstbauer Safway.

Auch die Werftensparte ThyssenKrupp Marine Systems stand zum Verkauf. Der Interessant dafür: Der arabische Abi Dhabi Mar. Dieser sprang jedoch in letzter Sekunde ab.

Aktuell soll nun ein europäischer Investor für Blohm+Voss, dem zivilen Bereich der Werftensparte, interessieren. Nähere Informationen liegen zurzeit jedoch noch nicht vor.

Zuletzt wurde es um den Dienstleister Xervon konkret.

Xervon verkauft: Remondis bekommt den Zuschlag

Schon 2009 stand Xervon zum Verkauf. Der Dienstleister, spezialisiert auf technische Dienstleistungen zur Errichtung und Instandhaltung von Industrieanlagen, blieb damals jedoch weiterhin im Besitz ThyssenKrupps.

Seit Oktober 2010 wurde drauf hin wieder konkret nach einem Käufer gesucht. In der engeren Wahl befanden sich damals drei Interessenten: Remondis, Deutschlands größter privater Abfallentsorger, erhielt den Zuschlag.

ThyssenKrupp-Betriebsratschef Thomas Schlenz sieht in Remondis einen Käufer, „der das Geschäft weiterentwickeln und auch die Interessen der ThyssenKrupp-Mitarbeiter wahren wird“, wie er PR-Online gegenüber verlauten ließ.

Ist der Deal bisher auch nicht vertraglich wasserdicht, dominiert doch Zuversicht.

Grund dafür sicherlich auch die positiven Äußerungen von Remondis-Vorstand Thomas Breitkopf. Dieser sieht in Xervon die „perfekte Ergänzung“ für sein Unternehmen.

Einem Happy End scheint für das letzte noch verbliebene Dienstleistungsgeschäft ThyssenKrupps damit nichts mehr im Wege zu stehen.

Es bleibt spannend: Edelstahlgeschäft und Unternehmenswachstum

Weitere Schritte zur Umstrukturierung stehen allerdings noch bevor. Schritte, die weit aus relevanter sein dürften, als der Verkauf von Xervon – so ThyssenKrupp-Analyst Christian Obst (UniCredit-Bank).

Gemeint ist das Edelstahlgeschäft – immerhin eine Sparte in der ThyssenKrupp Marktführer in Europa ist.

Hier, so der Konzern, würden weiterhin alle Optionen offen gehalten. Nach eigenen Angaben gehörten dazu ein Börsengang, eine Abspaltung, durchaus aber auch ein Verkauf. Medienberichten zu Folge soll dabei vor allem Letzteres realistisch sein.

Insgesamt trage der Konzernumbau zu einem langfristigen Wachstums bei. Obst sieht die komplexe Struktur ThyssenKrupps durch die Verkäufe an Kontur gewinnen. Eine neu Übersichtlichkeit ist absehbar.

ThyssenKrupp Aktie: Umstrukturierung schafft Optimismus

Die Umstrukturierung des Unternehmens mögen als Ausverkauf erschienen sein.

Anders ist der Kursverlust der Aktie nicht zu erklären – eine übertriebener Absturz, wie Bastian Synagowitz, Analyst der Deutschen Bank kommentiert.

Und er sollte Recht behalten: Die ThyssenKrupp Aktie bildet aktuell einen Boden aus. Überhaupt spricht fundamental vieles für das Papier.

Neben der aktuellen Umstrukturierung sind es vor allem die hohen Investitionen von und die niedrige Verschuldungsquote, die für ein Investment sprechen.

Generell sehen die Vorzeichen der Thyssenkrupp Aktie also gut aus. Wenn auch erneut gesenkt, liegt das Kursziel der Aktie bei 35 Euro.

Die Zeichen stehen auf ‘buy‘ – so jedenfalls die Analyse von Nomura Equity Research.

2. September 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.