Metall- und Stahlbranche: Überkapazitäten belasten immer noch

Nach wie vor problematisch für die Stahlindustrie sind die großen Überkapazitäten vor allem in China und in Europa, sodass das Verhältnis von Angebot und Nachfrage weiterhin zu einer strukturellen Unterauslastung führt.

In Europa und den USA lag die Auslastung der Stahlproduzenten Ende Juni bei jeweils rund 75%. Um den Überhang zu beseitigen und dadurch den Preisdruck zu lindern, müssten gleich mehrere Fabriken schließen. Auch auf der Distributionsstufe bestehen weiterhin erhebliche Überkapazitäten, mit der Folge einer anhaltend hohen Wettbewerbsintensität.

KlöCo als einer der größten produzentenunabhängigen Stahl- und Metalldistributeuren konnte dennoch im 1. Halbjahr mit 3,4 Mio Tonnen Stahl 0,5% mehr absetzen.

Branchenspezifische Situation

Die Stahlproduktion stieg in den ersten sechs Monaten 2014 im Vergleich zur Vorjahresperiode weltweit um 2,5% auf rund 821 Mio Tonnen Rohstahl, jedoch weiterhin mit erheblichen regionalen Unterschieden. So wuchs die Produktion in den USA laut Angaben des Weltstahlverbands aufgrund von Produktionsausfällen durch den lang anhaltenden strengen Winter lediglich um 0,9%.

Bei KlöCo ging der Absatz im Segment Americas deshalb sogar um 3,8% zurück. Bei U.S. Steel kamen dann noch hausgemachte Probleme dazu. So setzte der Konzern 217.000 Tonnen Stahl weniger ab, wobei Flachstahl den höchsten Nachfragerückgang verzeichnete. Zudem litt die Röhrensparte weiterhin unter stark rückläufigen Preisen.

In der EU verzeichneten dagegen nahezu alle Länder spürbare Zuwachsraten, sodass die Produktion insgesamt um 3,8% anstieg. In Europa stieg der Absatz in der Stahl- und Metalldistribution laut Eurometal um 5,0%. In China legte die Produktion um 3,0% zu, während in Brasilien ein Rückgang von 1,5% verzeichnet wurde.

Aurubis Top, Salzgitter eher Flop

Beide Unternehmen haben Quartalszahlen vorgelegt, wobei Aurubis von den eigenen guten Zahlen profitierte, Salzgitter dagegen operativ schlechter als erwartet abgeschnitten hat, gleichzeitig aber auch vom Aurubis-Ergebnis profitiert. Aurubis hat im 3. Quartal die seit 2013 andauernden Produktionsprobleme endlich überwunden und ist wieder zur Normalität zurückgekehrt.

Besonders erleichtert reagierten die Aktionäre auf das Ende der Wartungsarbeiten am Hamburger Stammwerk sowie die Beseitigung von technischen Problemen der Kupferschmelze. Großer Profiteur der guten Zahlen und des verbesserten Ausblicks bei Aurubis ist Salzgitter.

Der Konzern profitiert aktuell von seiner Beteiligung an Aurubis, denn einerseits erhöht ein steigender Aurubis-Aktienkurs die stillen Reserven, andererseits fließt Salzgitter bei eventuellen Dividendenzahlungen durch Aurubis auch ordentlich Cash in die Kasse. Doch um langfristig den eigenen Aktienkurs zu erhöhen, bedarf es nicht nur externer Faktoren, wie dem starken Beteiligungsergebnis von Aurubis.

Vielmehr muss Salzgitter durch die Verbesserung des eigenen operativen Geschäfts dafür sorgen, dass die Umsätze und Gewinne wieder steigen. Dann sind gute Beteiligungsergebnisse nur noch das Sahnehäubchen. Und das sollte dann auch die Talfahrt der Salzgitter-Aktien beenden, die seit 2007 mehr als 80% eingebüßt haben. Die Aktionäre jedenfalls würden sich darüber freuen.

15. September 2014

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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