Vermögensanalyse für die Vorsorge: So sehen die Daten für Sie aus

Wer hätte das gedacht: laut einer neuen Statistik sind Amerikaner noch nicht mal mehr so reich oder vermögend wie Griechen. Eine neue Statistik hat das "Pew Research Centre" aus den USA nun an den Markt gebracht. Diese Vermögensanalyse zeigt auch für Ihre Vorsorge, dass langfristig einige Änderungen anstehen. Langfristig zahlen vor allem die Amerikaner noch für die öffentlichen Schulden. Die Daten für Sie zeigen: sparen Sie vor allem Steuern.

Fast 50.000 Dollar Schulden…

Wer Amerikaner ist, zahlt für die Schuldenorgie des Staates eines nahen oder fernen Tages viel Geld. Entweder direkt in Form von Steuern, Abgaben und Gebühren. Oder indirekt, indem einfach die Inflation in den USA steigt und die bisherigen Vermögen vernichtet. Im Ländervergleich zeigt sich: die USA sind für ihre Bürger so katastrophal wie noch nicht einmal Griechenland oder Portugal es sind. Fast 50.000 US-Dollar Schulden hat  ein normaler US-Haushalt inzwischen……

Auch für Sie und uns alle liegen mir Daten vor. Danach sind wir im internationalen Ranking immerhin recht gut aufgestellt. Die Fakten im Einzelnen aber belegen, wie schwierig und anspruchsvoll die Vorsorge in den nächsten Jahren sein wird.

Hier daher für Sie die Fakten und einige Hinweise, wie Sie sich und Ihr Vermögen oder Ihre Vorsorge am besten retten können. Zunächst jedoch werde ich Ihnen die Daten nennen und deren Bedeutung etwas näher erläutern.

Öffentliche Verschuldung steigt und steigt

Allerdings bedenken Sie bitte, dass selbst diese Daten noch falsch sind. Falsch in dem Sinne, dass die öffentliche Verschuldung selbst bei harten Sparprogrammen immer noch weiter steigen wird.

Die USA haben nach der öffentlichen US-Schuldenuhr die genannten 46.700 US-Dollar Schulden pro Einwohner. Das Institut ermittelte hingegen einen Betrag von annähernd 200.000 Schulden pro Einwohner. Dieser Betrag berücksichtigt künftige Entwicklungen in den USA:

Danach schulden die Rentensysteme den Bürgern bereits soviel, dass die wahren US-Schulden insgesamt nicht bei gut 14 Billionen US-Dollar liegen. Die wahren Schulden liegen meiner eigenen Einschätzung und den mir bekannten Zahlen bei mehr als 60 Billionen US-Dollar.

Für den aktuellen Vergleich nehme ich jedoch Zahlen des "Basel Institute of Commons and Economics. Die Schweizer rechnen sehr konservativ, für diesen Zweck aber reichen die Daten.

Verschuldung in USA pro Kopf höher als die Privatvermögen

Die USA haben pro Einwohner Schulden in Höhe von 32.755 Euro. Diese Währung nehme ich, um die Daten mit anderen Ländern vergleichen zu können. Das private Vermögen pro Haushalt liegt nach diesen Daten bei 49.700 Euro. Das sind pro Kopf etwa 22.000 Euro. Damit haben die Amerikaner pro Kopf offizielles Minusvermögen.

Dies beträgt ziemlich genau 10.000 Euro. Die Tendenz steigt wohlgemerkt. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2011. In Griechenland beträgt die öffentliche Verschuldung pro Kopf im Jahr 2011 30.000 Euro. Das private Vermögen jedoch ist höher: 56.937 pro Einwohner. Damit haben die Griechen per saldo ein Vermögen von immerhin 26.937 Euro pro Einwohner.

Irland ist noch "reicher". Die öffentliche Verschuldung pro Kopf liegt bei 23.520 Euro, das Privatvermögen bei 74.661 Euro. Ein ähnlich gutes Bild ergibt sich in Italien. 29.324 Euro öffenlicher Schulden pro Kopf steht ein Vermögen in Höhe von 130.215 Euro gegenüber. Also haben die Italiener statistisch pro Kopf ein Vermögen in Höhe von 100.000 Euro.

Deutschland: positives Vermögen

Auch bei uns in Deutschland sind die Daten gut. Sie können sich jetzt sowohl mit Österreich als auch mit den oben genannten Staaten vergleichen.

Im Jahr 2011 beträgt die aktuelle öffentliche Verschuldung pro Kopf bei uns 24.097 Euro. Das Privatvermögen pro Einwohner liegt bei 104.034 Euro. Damit haben Sie statistisch als "Durchschnittsbürger" ein Vermögen in Höhe von ungefähr 80.000 Euro.

Österreich kommt an diese Werte nicht ganz heran. Dort beträgt das Privatvermögen 101.010 Euro pro Person, die öffentlichen Schulden jedoch liegen bei 22.034,6 Euro. Der Unterschied liegt also bei 79.000 Euro. "Wir" sind reicher…

Italien, Griechenland und Portugal: eine kleine Falle

In Italien, Griechenland und Portugal ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt. Deren gute Werte beruhen auch darauf, dass die Immobilien so hoch angesetzt werden. Die Immobilienpreise jedoch werden noch sinken.

Allerdings: Im Vergleich zu den USA sinken die Immobilienpreise wahrscheinlich noch etwas langsamer. Ich rechne damit, dass noch viele Immobilien in Bankenhand in den USA in die Zwangsversteigerung gehen, wenn die Konkurse dort weiter zulegen. Dann wird das gesamte Preisniveau noch einmal rutschen.

Bei uns in Deutschland jedoch sind die Immobilienpreise noch nicht einmal gestiegen. Hier können Sie mit weiter anziehenden Preisen rechnen. Die Sparkassen melden bereits einen regelrechten "Run", auch auf Immobilien aus B-Lagen oder – so meine Interpretation – sogar früheren "C-Lagen". Die Landflucht setzt ein.

Herzlichen Glückwunsch: aber…

Daher sind Sie, wenn Sie der typische Durchschnittsvorsorger sind, im Vergleich zu den anderen Ländern im Vorteil. Nur: 80.000 Euro Nettovermögen werden nicht reichen.

Selbst wenn Sie demnächst in den Altersruhestand wechseln würden, erhalten Sie durchschnittlich aus den deutschen Rentenkassen oder ständischen Versorgungswerken weniger als 1.000 Euro. Wenn Sie auch nur auf 1.700 Euro netto kommen wollen – weniger als der Durchschnittsverdienst pro Haushalt -, müssten Sie 80.000 Euro jährlich um etwa 8.000 Euro erleichtern.

Allerdings rechne ich hier nach Zinsen, brutto müssten Sie auf 8.500 Euro pro Jahr verzichten, wenn das Vermögen sich nicht verzinst. Aber: auch 8.000 Euro weniger bringen statistisch nach 10 Jahren bereits das Aus für die eigene Vorsorgekasse.

Wir sind vorne, aber noch nicht weit genug….

Daher wird es immer wichtiger, noch mehr am Staat vorbei für Ihre Vorsorge zu sparen. Vor allem dann, wenn Sie selbstständig oder freiberuflich sind und auch aus Versorgungswerken keine Gelder beziehen werden.

Der Bedarf steigt dann schnell auf 200.000 Euro – kalkulatorisch. Wenn Sie noch einige Jahre warten dürfen oder müssen, steigt der Bedarf noch weiter. Dann müssen Sie die Inflationsrate sehr viel schärfer kalkulieren als bislang. Diese wird bei 5% jährlich liegen – mindestens.

10.000 Euro also verliert das Vermögen im ersten Jahr bereits. Neben dem  Vorsorgebetrag, den Sie selbst entnehmen, summiert sich alles auf sicherlich 30.000 Euro, die Sie jährlich ausgleichen müssten.

Mehr investieren – das Programm

Daher rate ich grob kalkuliert dazu, noch mehr Vermögen zu bilden, allerdings inklusive Ihrer Immobilien-Investitionen. Wohlgemerkt: die Zahlen oben sind "Pro-Kopf-Zahlen". Damit Sie das Vorsorgevermögen tatsächlich bilden können, benötigen Sie auch ein Steuer-Sparkonzept.

Jeder Steuercent, den Sie aktuell nicht zahlen, wird Ihnen über die Erträge und Zinsen beim Vermögensaufbau helfen. Schließlich empfehle ich wie bereits im "Neuen Deutschen Geldanlagebrief":

  • Wir sind "Erster" im Vermögensstatus – das aber reicht noch nicht.
  • Investieren Sie steuersparend: etwa in Aktien, die Sie lange Zeit nicht verkaufen
  • Investieren Sie in selbst genutzte Immobilien. Die gesparte Miete entspricht steuerfreien(!) Erträgen.
  • Sichern Sie sich zusätzlich durch etwas Edelmetalle ab. Deren Gewinne (Gold und Silber) sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei.

Aber immerhin: anders als der amerikanische Mittelstand leben wir auf vernünftiger Basis. Die Zahlen zu den Vermögenswerten haben es bewiesen. Die Daten der Vermögensanalyse zeigen, dass wir nicht nur Griechenland, sondern auch die USA hinsichtlich der Vorsorge weit übertreffen.

PS: Kapitallebensversicherungen werden langfristig nicht helfen. Deren Verzinsung ist mit gut 4% zu niedrig. Die passende Empfehlung dafür finden Sie auch im "Deutschen Wirtschaftsbrief": Substanzaktien, die Sie langfristig halten.

3. August 2011
von Janne Joerg Kipp
Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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