Warnhinweis: EZB-Mitarbeiter fordern Inflationsausgleich


Morrien‘s Schlussgong

Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.

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Die Aktienmärkte sind freundlich in die neue Handelswoche gestartet.

Der DAX kletterte auf 6.625 Punkte.

Höhere Gewinne verhinderten am europäischen Aktienmarkt die schwachen Bank-Werte. Im DAX und im EuroStoxx lagen die Bank-Aktien am Index-Ende und bremsten die Kurserholung.

Die Investoren befürchten, dass weitere Abschreibungen drohen. Die Umschuldung in Griechenland könnte das Vorbild für weitere Rettungsaktionen sein. Die halbwegs sanierten Bank-Bilanzen würden dann wieder wackeln.

Europäische Zentralbank unter Druck

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht in diesen Tagen gleich doppelt unter Druck. Je größer die Schwäche bei den Geschäftsbanken wird, desto größer ist der Wunsch nach günstigen Liquiditätsspritzen.

Im Dezember und Februar haben die Geschäftsbanken bereits mehr als 1 Billion Euro von der EZB erhalten. Die Konditionen waren (aus Sicht der Geschäftsbanken) traumhaft: 3 Jahre Laufzeit und nur 1% Zinsen.

Aber offensichtlich reichte diese Geldspritze nicht. Die Forderungen nach einem finanziellen Nachschlag werden lauter.

Sarkozy: EZB soll das Wachstum fördern

Druck auf die EZB kommt auch überraschend wieder aus Frankreich. 2011 wirkte es so, als würden Deutschland und Frankreich auf europäischer Ebene eine Sparpolitik vorantreiben.

Da diese Sparpolitik jedoch in der Bevölkerung unbeliebt ist und der französische Präsident Nicolas Sarkozy kurz vor der Wahl dringend noch ein paar Sympathiepunkte braucht, wird plötzlich der Ruf nach Notenbank-Hilfe laut.

Sarkozy forderte am Wochenende, dass die EZB zur Wachstumsförderung verpflichtet werden soll (das bedeutet: Zinsen niedrig halten und mehr Geld drucken). 

Notenbank-Mitarbeiter werden nervös

Die Inflationsrate in der Euro-Zone liegt aktuell bei über 2,5%. Das Ziel, die Inflationsrate unter die 2%-Marke zu drücken, wird damit verfehlt. Die EZB erwartet, dass das offizielle Ziel erst im Jahr 2013 wieder erreicht werden kann.

Dieses Ziel berücksichtigt jedoch weder eine weitere Geldspritze der EZB, noch die Forderungen aus Frankreich nach konjunkturstützenden Maßnahmen.

Wenn auch nur Teile davon umgesetzt werden, wird die Inflationsrate auch 2013 über dem Ziel-Wert liegen. Diese Entwicklung bereitet einigen Mitarbeitern der Notenbank Sorgen. Dabei geht es nicht um die Gesamtwirtschaft, sondern um das eigene Geld.

Forderungen nach Inflationsausgleich

Carlos Bowles, Sprecher der EZB-Personalvertretung, forderte am Wochenende in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ einen besseren Inflationsschutz für die Pensionen der EZB-Mitarbeiter.

Seine Beschwerde lautet: „Unglücklicherweise sind die Pensionen der EZB-Beschäftigten nicht gegen Inflation geschützt“.

Die EZB-Mitarbeiter, die gegen Inflation und Kaufkraftverlust kämpfen sollen, fordern einen Ausgleich für Inflationsverluste. Mit anderen Worten: Zumindest einige EZB-Mitarbeiter haben den Kampf aufgegeben oder fürchten zumindest, dass sie den Kampf verlieren könnten.

Das ist keine wissenschaftliche Analyse, zeigt aber ein Stimmungsbild. Wenn schon die EZB-Mitarbeiter nicht an eine starke Währung glauben, wer soll es dann tun?

Psychologie ist ein wichtiger Inflations-Treiber

Leicht vereinfacht kann man sagen: Die Inflationsrate steigt, wenn die Geldmenge wächst, oder wenn bei konstanter Geldmenge die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zulegt.

Die Umlaufgeschwindigkeit kann nicht kontrolliert oder gesteuert werden. Sie hängt von der Psychologie ab. Wenn die Menschen eine Geldentwertung erwarten, also davon ausgehen, dass sie schon bald weniger Waren und Dienstleistungen für die gleiche Geldsumme erhalten, werden sie das Geld schneller ausgeben.

Je mehr Menschen diesem Trend folgen, desto schneller steigt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Das verschärft die Inflations-Krise.

Das heißt: Speziell die Notenbank und die Notenbank-Mitarbeiter müssten ein großes Interesse daran haben, dass keine Inflations-Angst aufkommt. Der EZB-Vertreter hat aber genau die gegenteilige Stimmung verbreitet. Ein klassisches Eigentor.

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