Warren Buffett beweist: Die Märkte haben nicht immer recht

Morrien‘s Schlussgong
Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.
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Der Kurssturz an den Aktienmärkten geht weiter. Kurzzeitig haben die „Schnäppchenjäger“ heute für Kursgewinne gesorgt, aber als dann die ersten Daten aus den USA kamen, setzte sich der freie Fall fort. Der DAX verlor über 5% und konnte nicht einmal die 6.000-Punkte-Marke verteidigen.
Da gleichzeitig die Gewinnprognosen der Unternehmen nicht gesunken sind, kommt es gleich am ersten Handelstag der neuen Woche zu der seltenen Konstellation, dass die 30 DAX-Unternehmen im Durchschnitt nicht einmal mehr mit dem zehnfachen Jahresgewinn bewertet werden.
Zum Vergleich: Der Crash im Jahr 2000 begann, als der DAX mehr als doppelt so hoch bewertet war (KGV über 20).
Der Crash 2007/2008 setzte ein, als der deutsche Leitindex rund 30% teurer war. Selbst in den End-Phasen dieser Crash-Serien gab es kein DAX-KGV unter 10.
DAX-KGV bleibt nicht unter 10
In der Geschichte des DAX lag die KGV-Bewertung fast immer über 10 und das wird, wenn nicht plötzlich völlig neue Börsenregeln gelten, auch zukünftig so bleiben. Auch die aktuelle Bewertung wird sich sehr zügig verändern. Dafür gibt es 2 Möglichkeiten.
Die erste Möglichkeit ist, dass der DAX in den nächsten Tagen wieder über die Marke von 6.000 Punkten klettert und steigende Kurse ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis auslösen.
Die zweite Möglichkeit ist, dass die Gewinnplanungen der Unternehmen pulverisiert werden und die Gewinne deutlich kleiner ausfallen, als jetzt noch im Halbjahresbericht angekündigt.
Ein solcher Gewinneinbruch setzte zum Beispiel nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im Jahr 2008 ein. Damals setzte eine Art Schockstarre die Wirtschaft kurzfristig außer Gefecht. Umsätze und Gewinne implodierten.
Medien und Analysten machen es sich zu einfach
Einige Medien und auch einige Analysten machen sich aber erst gar nicht die Mühe, die Hintergründe genauer zu untersuchen. Die so schön einfache Antwort lautet: Der Markt hat immer recht! Wenn der DAX bei 5.900 Punkten notiert, dann ist er auch nicht mehr wert.
Diese einfache Formel ist schlicht und einfach falsch. Wenn der Markt immer recht hat, müssten mehrere Bedingungen erfüllt sein: Der Markt müsste vollkommen effizient sein.
Außerdem dürfte es nur vollständig informierte Marktteilnehmer geben, die ausschließlich rationale Entscheidungen treffen. Keine einzige Bedingung wird in der Realität auch nur halbwegs erfüllt.
Unterschied zwischen Preis und Wert
Es gibt noch einen weiteren Punkt, der gegen den Börsenspruch „Der Markt hat immer recht“ spricht. Zumindest die Investoren, die fundamentale Kennzahlen bei der Bewertung von Aktien bevorzugen, unterscheiden zwischen „Preis“ und „Wert“.
Wenn der Kurs der Fuchs-Aktie heute bei 30 Euro notiert, dann ist das der Preis. Mehr bekomme ich heute für diese Aktie an der Börse nicht. Das ist korrekt. Das sagt aber nichts über den Wert der Aktie aus. Der Wert gibt den fundamental gerechtfertigten Preis an.
Dieser „faire“ Wert wird aber nur sehr, sehr selten punktgenau erreicht. An mindestens 99 von 100 Börsentagen notiert eine Aktie über oder unter dem Wert der Aktie.
Die Kunst ist es jetzt, eine Aktie dann zu kaufen, wenn der Preis deutlich unter dem Wert liegt. Value-Anleger wünschen sich einen Preisabschlag von mindestens 30%. Das ist dann eine Art Sicherheitsmarge.
Warren Buffett schlägt den Markt seit Jahrzehnten
Der Unterschied zwischen Preis und Wert ist keine akademische Frage. Im Gegenteil. Hier prallen 2 Welten aufeinander. Die Anleger, die an den aktuellen Preis als wichtige Einflussgröße setzen, werden auf den Index setzen, denn die Einzelauswahl lohnt sich nicht.
Die Anleger, die dagegen fest überzeugt sind, dass es einen Unterschied zwischen Preis und Wert gibt, werden Aktien suchen, die deutlich unter dem fairen Wert notieren. Viele Anleger scheitern im Kampf gegen den Markt. Doch es gibt die echten Könner.
„Value-Papst“ Warren Buffett demonstriert das seit Jahrzehnten. Seit 1965 vergleicht Buffett jedes Jahr das Ergebnis seiner Beteiligungsgesellschaft mit dem wichtigsten US-Aktienindex S&P 500.
Im Zeitraum 1965 bis 2010 hat Buffetts Beteiligungsgesellschaft jährlich um durchschnittlich 20,2% zugelegt, der S&P 500 aber nur um 9,4%.
Ausschlaggebend waren auch nicht einige „Glückstreffer“. In 46 Jahren hat Buffett den Aktien-Markt 38 Mal geschlagen.
Daher mein Fazit: Es gibt in jeder Börsenphase Aktien, die deutlich unter dem fairen Wert notieren. Fallende Kurse können darauf hindeuten, dass die Gewinne des Unternehmens sinken, oder aber der Markt die Aktie zu niedrig bewertet.
Die Analyse der Geschäftszahlen lohnt sich also speziell in Crash-Phasen mit vielen Fehlbewertungen.



