Warum der Ölpreis wegen der Ölkrise bald regelrecht explodiert

Erleben wir gerade eine tiefgreifende Zeitenwende? Immer mehr Forscher und Analysten sehen das so mit Blick auf die Ölpreisentwicklung. Sie prophezeien: Der aktuell niedrige Ölpreis wird in wenigen Jahren zu einer Preisexplosion führen und Unternehmen wie Verbraucher hart treffen.

Doch wie kann es dazu kommen?

In den vergangenen Monaten haben wir erlebt, wie der Ölpreis binnen kurzer Zeit dramatisch abgestürzt ist. Inzwischen kostet ein Barrel der weltweit wichtigsten Rohölsorte Brent nur noch rund 60 US-Dollar. Zwischenzeitlich war der Preis sogar unter die 50-Dollar-Marke gefallen. Doch auch das jetzige Preisniveau liegt deutlich unterhalb dessen, was die Branche und ihre Investoren lange für sicher hielten.

Dieser Preisverfall ist anders

Jahrzehntelang kannte der Ölpreis nur eine Richtung: nach oben. Kleinere Rücksetzer waren nicht von langer Dauer, ein grundlegender Preisverfall stets durch wirtschaftliche Krisen ausgelöst und begleitet.


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Die jetzige Lage gestaltet sich anders. Nicht Wirtschaftskrisen sorgen für die Ölkrise, sondern ein Missverhältnis von Angebot und Nachfrage.

Die USA haben durch ihre Fracking-Unternehmungen ein Vielfaches dessen an Öl gefördert, was benötigt wird. Zugleich haben die ölexportierenden Staaten der Opec ihre Fördermengen nicht etwa reduziert, sondern ihr hohes Förderniveau beibehalten.

Die Folge: Eine dramatische Überproduktion, die inzwischen sogar die Lagerung des geförderten Öls zur logistischen Herausforderung macht. Da das Angebot die Nachfrage übersteigt, fällt der Preis. Es greift also ein marktwirtschaftlicher Grundmechanismus, vor dem die Branche bislang gefeit war.

Investitionsrückstellungen und Firmenpleiten

Die Konsequenzen sind bereits spürbar. Investoren sind zutiefst verunsichert, Investitionen – gerade in kostenintensive Langzeitprojekte – werden auf Eis gelegt, die Erschließung neuer Ölquellen vertagt.

Parallel hierzu gehen immer mehr kleinere und mittlere Förderfirmen in die Knie, weil sie dem Preiskampf nicht standhalten können. Experten prognostizieren, dass die Opec-Staaten hierbei als Sieger vom Platz gehen werden.

Zugleich steigt aber der globale Bedarf immer weiter an. Das schwarze Gold wird für nahezu alle Lebensbereiche benötigt, von der Industrie bis zum Transportwesen.

Ölmangel führt zu Preisexplosion

Die jetzigen Investitionslücken werden nach Einschätzung diverser Experten mittelfristig dazu führen, dass die Fördermenge dem Bedarf nicht mehr gerecht werden kann. Weltweit könnten demnach bereits im Jahr 2025 mehr als 7 Millionen Barrel Öl fehlen – pro Tag.

Dieser Ölmangel würde wiederum die Preisspirale in Gang setzen, diesmal allerdings in die umgekehrte Richtung. Der Preis je Barrel könnte dann 200 Dollar erreichen, wie Analysten bereits Anfang des Jahres zu bedenken gaben.

Um dies zu verhindern, müsste sich der Ölpreis in naher Zukunft stabilisieren und zwar oberhalb des aktuellen Niveaus. Nur so könnten Investitionen wieder lukrativ erscheinen. Allerdings dürfte es dauern, das beschädigte Vertrauen der Geldgeber in die sicher geglaubten Mechanismen des Ölmarktes wiederherzustellen.

Um die absehbaren Langzeitfolgen für Verbraucher abzufedern, muss die Politik aktiv werden und Alternativen zum Rohöl fördern, wo sie nur kann. Gänzlich unabhängig von dem Rohstoff werden wir auf absehbare Zeit wohl nicht werden. Doch wenn wir in geringerem Maße darauf angewiesen sind als heute, wird uns als Verbraucher zumindest die prognostizierte Preisexplosion nicht ganz so hart treffen wie befürchtet.

24. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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