Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

WincorNixdorf-Übernahme beinahe am Finanzamt gescheitert

Am Ende wurde es knapper als erwartet: Die WincorNixdorf-Übernahme ist zwar geglückt, doch wurde die Mindestannahme-Schwelle von 67,6% nur knapp erreicht. 68,9% der Anteilseigner stimmten dem Angebot im Gegenwert von (ursprünglich) 52,50 Euro zu.

Kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses schoss die Aktie um über 20% auf 54 Euro hoch. Gegen Ende der Annahmefrist bekamen Investoren Zweifel, ob der Deal vielleicht doch noch scheitert, sodass eine sehr große Lücke zwischen Börsenkurs und Angebotspreis klaffte.

Als klar war, dass der Deal steht, schloss sich die Lücke.

Annahme-Quote war nur bis 80% denkbar

Dass Diebold nicht mit 80% Annahme-Quote rechnen konnte, war von Anfang an klar. Von 100% der Aktien lagen 10% bei WincorNixdorf. Rund 10% weitere Prozent lagen bei deutschen Privatanlegern.

Für die gab es keinen Grund das Angebot anzunehmen. Denn das Finanzministerium ist vor Kurzem auf die Idee gekommen, dass die Bar-Komponente von Übernahme-Angeboten steuerlich wie Dividendenzahlungen zu behandeln sind.


Gratis Studie: Die Zukunft Ihres Depots?....

  • China Mobile (China), größter Mobilfunkanbieter weltweit
  • Vale (Brasilien), größter Eisenerzlieferant der Welt
  • Novo Nordisk (Dänemark), führender Hersteller Insulin der Welt
  • Petrochina (China), zweitteuerstes Unternehmen der Welt
  • Burberry Group (England), führender Luxushersteller der Welt
  • Harley Davidson (USA), legendärster Motorradhersteller der Welt

Hier erfahren wo sich der Einstieg noch lohnt ➜


Konkret auf das Diebold-Übernahme-Angebot bedeutet das eine Steuerbelastung von 26% auf den Bar-Anteil von 38,98 Euro – rund 10 Euro. Damit verringert sich der Nachsteuer-Wert der Offerte auf etwa 40 Euro. An der Börse kostete der Anteilsschein in den letzten Wochen vor Frist-Ende stets mehr als 44 Euro – warum also den günstigeren Preis nehmen wenn man über die Börse 10% mehr bekommt?

Bleiben also nur noch 80% von 100%. Und das wirklich alle annehmen ist selbst bei erstklassigen Übernahme-Angeboten ausgeschlossen (Frist verschlafen, Gegner aus Prinzip, Investoren die auf höhere Gebote setzen bzw. von späteren Übernahme-Phasen profitieren wollen).

Privatanleger einmal mehr die Dummen

Eigentlich sollen bei Übernahme-Angeboten alle Anleger das Gleiche geboten bekommen. Doch durch den Steuer-Irrsinn entsteht auf Kosten der Privatanleger eine Ungleichheit. Institutionelle Anleger sind nämlich nicht von der Regelung betroffen und kassieren den Normalpreis.

Dass Privatleute mal wieder herhalten müssen, ist in Deutschland allerdings nicht neu und auch nicht der große Aufreger. Auch dass eine Begründung fehlt, warum Privat-Anleger zahlen sollen und Großinvestoren nicht, ist nicht ungewöhnlich. Es passt auch alles zu der katastrophalen Neu-Regelung von Börsenrückzügen, die besagt, dass nicht mehr auf Angemessenheit überprüft werden muss.

Regelung auch schlecht für die Unternehmen

Schlimm ist, dass durch den Steuer-Irrsinn beinahe ein wirtschaftlich äußerst vorteilhafter Deal geplatzt wäre. Viele Privatanleger hätten bei normaler Besteuerung ein 20% höheres Angebot erhalten – und dann auch angenommen. So wurde es knapp.

Wäre der Deal gescheitert, ist fraglich wie sich der Geldautomaten-Hersteller in Zeiten  in denen Internet-Bezahlung, Bezahlung per Telefon und Kartenzahlung auf dem Vormarsch sind, geschlagen hätte.

Das Gemeinschafts-Unternehmen Diebold-Nixdorf ist ein wichtiges Zweckbündnis in einem schrumpfenden Markt. Solche Deals dürfen nicht wegen vorsätzlich ungleicher Behandlung der Aktionäre scheitern.

Besteuerung des Baranteils: Es wurde nicht richtig nachgedacht

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Regelung Privatanleger schädigt und der deutschen Wirtschaft unter Umständen auch, wenn deswegen gewollte, vorteilhafte Übernahmen verhindert werden.

Es stellt sich auch die Frage: Wofür das Ganze?  Es gibt keine Zusatzeinnahmen für Herrn Schäuble! Rund 10% der Wincor-Aktionäre wären bei dem Deal betroffen gewesen. Von denen hat aber keiner das Übernahme-Angebot angenommen – weil der Preis ja an der Börse höher war. Es ist kein Fall denkbar, in dem das anders wäre, außer dann wenn der Deal höchst unwahrscheinlich ist. Wenn es aber keinen Deal gibt, gibt es auch wieder keine Steuern.

Der Übernahme-Sensor meint: Es wurde eine Regelung eingeführt, die im günstigsten Fall wirkungslos ist und sonst schädigend. Rückgängig machen!

25. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben!

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt