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Zeit gewonnen für den echten Staatsbankrott


Morrien‘s Schlussgong

Der Börsenrück- und Ausblick von Deutschlands Depot-Optimierer Nr. 1: Rolf Morrien. Der kostenlose E-Mail-Newsletter „Morriens Schlussgong“ berichtet täglich von den jüngsten Entwicklungen der Börsen - mit Handlungsempfehlung für den nächsten Tag.

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Gestern hatte ich es Ihnen hier im Schlussgong fast „live“ berichtet:

Griechenland konnte den sofortigen Staatsbankrott verhindern. Heute gab es die offizielle Bestätigung.

Der DAX hat die positive Meldung schon gestern eingepreist. Heute sorgten gute Konjunkturdaten aus den USA für ein weiteres kleines Plus.

Der DAX gewann 0,66% und beendete die Handelswoche mit 6.880 Punkten. Die 7.000-Punkte-Marke ist wieder in Sichtweite.

Zwangsweise Enteignung

Das griechische Finanzministerium meldete heute, dass von den 177 Mrd. Euro an Anleihen, die unter dem griechischen Recht laufen, 152 Mrd. Euro zum Tausch eingereicht wurden. Die Quote von 85,8% liegt sogar leicht über meiner Schätzung (rund 80%).

Das 90%-Ziel wurde aber dennoch verfehlt. Wie angedroht, setzt Griechenland jetzt auf Zwang. Die nachträglich per Gesetz eingefügten Collective Action Clauses (CACs) werden aktiviert.

Diese Klauseln lösen einen Zwangsumtausch aus. Dadurch steigt die Umtausch-Quote auf über 95% (für einige Staatsanleihen, die nicht dem griechischen Recht unterliegen, gilt der Zwangsumtausch nicht).

Zur „Abrundung“ der Umschuldung werden also noch einige Anleger per Gesetz enteignet.

CDS werden fällig

Auf ein Problem dieser Zwangsmaßnahme habe ich bereits gestern im Schlussgong hingewiesen: Der Zwangsumtausch ist, wie das Wort schon sagt, nicht mehr freiwillig und löst somit ein Kreditereignis aus. Wenn ein Kreditereignis eintritt, werden die Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) fällig.

Da dieses Szenario erwartet wurde, hat der Derivateverband ISDA, der offiziell darüber entscheiden muss, ob die Kreditversicherungen fällig werden, schon vorab eine Sitzung für den heutigen Freitag angekündigt. Seit 14 Uhr läuft die Sitzung.

Die Abstimmung sollte an sich eine Formsache sein, da der Umtauschzwang sogar schriftlich bestätigt wurde. Es gibt aber noch immer kein Ergebnis. Es ist völlig unklar, worüber es noch Diskussionsbedarf gibt.

Diese Unsicherheit belastete am Nachmittag die europäischen Bank-Aktien, die im DAX und EuroStoxx zu den Tagesverlierern gehörten. Auch der Euro verlor gegenüber anderen Währungen an Boden.

Während der Derivateverband noch diskutiert, sorgte die Rating-Agentur Fitch für schnelle Fakten: Griechenlands Kreditwürdigkeit wurde auf „beschränkter Zahlungsausfall“ (Ristricted Default) gesenkt.

Das griechische Drama geht weiter

Da der Schuldenschnitt abgesegnet wurde, werden die Finanzminister der Euro-Zone wahrscheinlich sehr zeitnah die Gelder des neuen Rettungspaketes freigeben.

Die Kombination aus Schuldenschnitt und Finanzspritze sorgt dafür, dass Griechenland noch einmal einige Monate, vielleicht sogar 1 bis 2 Jahre, Zeit gewinnt. Dann beginnt der nächste Akt des Dramas.

Die beschlossenen Maßnahmen reichen nicht, um den offiziellen Staatsbankrott zu verhindern. Selbst wenn alles optimal läuft, soll die griechische Staatsverschuldung nur von 160 auf 120% sinken.

Es läuft in Griechenland allerdings alles andere als optimal: Die Wirtschaft schrumpft rasant und die Arbeitslosenquote ist Ende 2011 auf über 20% gestiegen. In der Altersgruppe unter 24 ist jeder zweite Grieche arbeitslos. Meine Prognose: In 2 bis 3 Jahren liegt die Schuldenquote wieder bei 160%.

Vorbereitung auf den offiziellen Staatsbankrott

Das Ziel muss es daher sein, Griechenland und die anderen Euro-Länder darauf vorzubereiten, dass ein Mitglied offiziell einen Staatsbankrott erklärt und aus der Euro-Zone austritt.

Es gibt jetzt nach dem Schuldenschnitt ein kleines Zeitfenster, um die Weichen Richtung „sanfter Fall“ zu stellen (Umbau der Bankenbranche, Stabilisierung des Rentensystems, Reform der Verwaltung).

Ich werte das auch nicht negativ. Eine Währungsgemeinschaft ist kein göttlicher Bund. Es muss möglich sein, dass neue Kandidaten aufgenommen werden, es muss aber auch möglich sein, dass Länder wieder gehen.

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