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Zinsniveau Deutschland: Historischer Tiefstand

An den Aktienmärkten bleibt es ungemütlich. Der DAX musste heute sogar um die 6.000-Punkte-Marke kämpfen. Wenn es dagegen nur um die Konjunkturdaten aus Deutschland gehen würde, müsste der DAX schon bei 7.000 Punkten notieren. Aber die Angst vor der „amerikanischen Krankheit“ erschüttert die Börse.

Das ist schon verrückt. Noch vor wenigen Wochen war Europa das Sorgenkind der Weltkonjunktur und die USA waren der „sichere Hafen“. Jetzt erkennen einige Investoren, dass die Lage in den USA nicht besser aussieht – vielleicht sogar schlechter. So schnell dreht sich der Wind. In der ganzen Debatte gibt es aber zumindest eine gesicherte Aussage: Die Staatsschulden steigen in Europa und in den USA.

1.700.000.000.000 Euro Staatsschulden

Jeder weiß es: Deutschland ist hoch verschuldet. Durch zusätzliche Geschenke an die Bürger (Abwrackprämie), Unternehmen und Banken ist die Neuverschuldung im vergangenen Jahr auf 34,1 Mrd. Euro gestiegen. Zumindest waren diese Maßnahmen zur Konjunkturstützung relativ erfolgreich, wie die Erholung 2010 zeigt.

Das Bundesfinanzministerium plant im laufenden Jahr mit einem noch schneller wachsenden Schuldenberg und einer Neuverschuldung von 65 Mrd. Euro. Kurios: Dieser Wert soll laut Regierung auch noch gut sein. Ursprünglich wurde mit 80 Mrd. Euro kalkuliert. Nur aufgrund der besser als erwarteten Wirtschaftslage bleibt es hoffentlich bei 65 Mrd. Euro. Insgesamt beträgt der deutsche Schuldenstand momentan rund 1,7 Billionen Euro. 1.700.000.000.000 Euro – eine imposante Zahl.


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Faktor Unsicherheit

Weltweit nimmt die Verschuldung im Rekordtempo zu. In den USA wird sogar über ein neues Konjunkturpaket nachgedacht, in anderen Ländern über die Verlängerung der bestehenden Programme. Viele Anleger fragen sich, wie lange das noch gut gehen kann, bevor die Welle anStaatsbankrotten losrollt. Griechenland wird kein Einzelfall bleiben.

Aber ausgerechnet die große Unsicherheit sorgt dafür, dass die Staaten, die noch nicht ganz so offensichtlich vor dem Schulden-Schock stehen, die großen Gewinner sind. Das Zinsniveau Deutschlands ist auf einem historischen Tiefststand gefallen.

Schwankungen an den Aktienmärkten und ein unklarer Konjunkturausblick in den USA führen erneut zu einer Flucht in Staatsanleihen mit guter Bonität. Deutschland, Frankreich und sogar die USA profitieren davon. Das niedrige Zinsniveau ermöglicht den Ländern eine günstige Refinanzierung der bestehenden Schulden, sowie eine billige Neuverschuldung.

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Am deutlichsten wird das bei einem Vergleich zwischen der jetzt fälligen 10-jährigen Bundesanleihe 2000-2010 und der in dieser Woche neu emittierten 10-jährigen Anleihe 2010-2020. Der Zins-Kupon aus dem Jahr 2000 liegt bei 5,25%. Das heißt:

Der Bund musste den Investoren im Jahr 2000 über 5% Zinsen bieten, damit die Nachfrage nach der Bundesanleihe groß genug war. Im Gegensatz dazu hat die neu ausgegebene Bundesanleihe, die von 2010 bis 2020 läuft, einen Kupon von lediglich 2,37%.

Das bedeutet: Für die gleiche Kreditaufnahme zahlt Deutschland jetzt weniger als die Hälfte im Vergleich zum Jahr 2000. Oder aus der anderen Perspektive: Deutschland kann für die gleiche Zinsbelastung mehr als doppelt so viel Kredit aufnehmen wie vor 10 Jahren. Die Märkte sind mittlerweile so verunsichert, dass dem Staat fast gratis Geld geliehen wird.

Zins-Ersparnis wird für die Rettung der Versicherungsbranche gebraucht

Nie zuvor in der Geschichte konnte sich der deutsche Staat so günstig Geld leihen. Für die halbwegs soliden Schuldnerstaaten ist das vorerst die Rettung. Trotzdem ist die Entwicklung der Zinsen kein Glücksfall.

Wie mehrfach im Schlussgong beschrieben, gibt es auch Verlierer. Versicherungen und Pensionsfonds können mit Zins-Renditen von unter 2,5% längerfristig nicht leben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten finanzschwachen Versicherungen ihre Reserven verpulvert haben und es zu Not-Fusionen oder staatlichen Rettungsaktionen kommt.

Das Geld, das der Staat jetzt auf der Zins-Seite spart, fließt dann in Rettungsaktionen für die Versicherungsbranche (das Vorbild war die Bankenbranche). Der Finanzminister sollte sich daher in diesen Tagen nicht zu früh freuen.

20. August 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.