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Brexit Folgen: Was Anleger tun können

Diese Woche kommt es – man könnte sagen – endlich zur langerwarteten Abstimmung über den Brexit. Nach den jüngsten Entwicklungen scheinen die Brexit-Gegner wieder an Oberwasser gewonnen zu haben.

Das liegt auch an dem schockierenden Attentat auf die britische Politikerin Jo Cox. Viele sehen die Schuld für das Attentat in der martialischen Rhetorik der Brexit-Befürworter.

Ob dieser Umstand allein reichen wird, um den Brexit zu verhindern ist noch nicht absehbar. Was ebenso unklar bleibt: Was kommt nach dem Brexit? Und wie sollten Anleger sich positionieren? Ja, wie besorgt ist eigentlich der Markt?

Unser Interview-Experte Marcus Schult ist der Frage nachgegangen und hat mit Börsen-Experte Mick Knauff vom Investor Verlag und mit Heiko Böhmer von GeVestor gesprochen.

Marcus Schult: Der Ausstieg Großbritanniens aus der EU wird ja schon länger diskutiert; wie stark ist das Interesse noch auf dem Parkett?/ Ist ein Austritt nicht längst eingepreist?

Mick Knauff: Ja, das große Thema, und das haben wir ja die letzten paar Tage an der Börse gesehen, scheint natürlich das Thema Brexit zu sein, und somit ist es in den Kursen noch nicht eingepreist. Der DAX ist uns ja runtergefallen, von 10.300 in der Spitze, jetzt auf mittlerweile unter die Marke von 9.700. Weil keiner so genau weiß, ad eins was werden die Engländer, was wird Großbritannien denn tatsächlich wählen – Ausstieg oder Verbleib in der Europäischen Union? Und was wäre denn tatsächlich, wenn man raus geht aus der Eurozone? Ja, vielfach wird natürlich gesagt: Das kostet viele, viele Arbeitsplätze. Es käme dementsprechend dann halt eben auch noch mal Druck auf den Euro zu und so manch einer munkelt schon: Sollte es tatsächlich zum Brexit kommen, zum Ausscheiden Englands aus der Eurozone, ja dann würden sehr viele Investmentbanker von London nach Frankfurt kommen. Geschätzt würden da an die 20.000. Aber interessant ist natürlich aktuell, muss man sagen, die Lage, dass der Markt wirklich sehr, sehr angespannt ist, weil keiner was Genaues weiß. Und wir wissen ja: Das Thema Unsicherheit mögen ja bekanntlich die Börsianer überhaupt nicht.

Marcus Schult: Von Carsten Kengeter, dem Chef der Deutschen Börse, lernen wir dieser Tage, dass die Finanzplätze in London und Frankfurt überhaupt erst verbunden werden muss. Wie groß ist der Einfluss der Entscheidung am 23. Juni tatsächlich auf das Börsengeschehen hierzulande?


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Mick Knauff:  Na ja, Carsten Kengeter, Chef der Börse, neuer Chef der Deutschen Börse AG muss man ja sagen, der hat ja hehre Pläne mit London, mit der London Stock Exchange. Er will ja diese Fusion, die eigentlich schon seit dem Jahre 2000 von den verschiedensten Börsen-Chefs tatsächlich versucht wurde. Selbst Reto Francioni, der letzte CEO der Deutschen Börse AG, hat ja immer wieder versucht, London mit Frankfurt zusammenzubringen, aber das ist ja dann jeweils auch gescheitert. Ob nun teilweise halt eben an den Behörden, ob halt eben an den Aktionären, also letztlich hat man hier nie einen Sieg davontragen können. Aber Carsten Kengeter scheint da tatsächlich sehr wagemutig und sehr positiv gestimmt zu sein. Seine Aussage: Es kommt zusammen, was schon längst zusammen gehört. Dieser Wahlspruch, danach scheint man sich aktuell wohl auch auszurichten – aber was passiert wenn tatsächlich Großbritannien rausgeht aus der Eurozone, ja, auch das kann natürlich der Deutsche Börse-Chef aktuell noch nicht wissen. Man hat zwar vielleicht Plan B und Plan C in der Schublade, wie die allerdings aussehen, darüber weiß auch die Börse, wissen die Börsianer momentan noch recht wenig. Das heißt also, wir werden bis zur Entscheidung am 23. Juni auch in Bezug auf die Fusion zwischen London und Frankfurt warten müssen.

Marcus Schult: In den Meinungsumfragen auf der Insel wechseln Befürworter und Gegner des Austritts derzeit immer wieder die Führungsposition. Welche Meinung überwiegt an der Frankfurter Börse – In or out?

Mick Knauff: Na ja, welche Führungsposition ist oben? Wir haben natürlich Umfragen, die halt eben von letzter Woche besagen: Wir haben 40 Prozent pro, wir haben 40 Prozent contra, 10 Prozent, die gar nicht erst zur Wahl gehen wollen und 10 Prozent der Engländer, die noch nicht so ganz genau wissen, was sie denn tatsächlich voten, was sie denn wählen wollen, den Verbleib oder letztlich den Austritt. Interessanter sind da schon andere Statistiken, denn man muss natürlich auch mit der Mentalität eines Volkes arbeiten. Und die Engländer spekulieren gerne, zocken gerne, wetten natürlich auf alles gerne und diese Indikation ist natürlich wesentlich wichtiger, auch für die Börsianer. Und da scheint es aktuell so auf den Wettscheinen in England auszusehen, dass 69 Prozent derjenigen, die dort wetten, die dort spekulieren, tatsächlich eher für einen Verbleib in der Eurozone sind, und somit halt eben nur knapp halt eben 20 Prozent dementsprechend für einen Austritt voten werden. Also das ist natürlich äußerst interessant hier tatsächlich mal auf eine andere Schiene zu schauen, nämlich auf die Schiene letztlich der Buchmacher. Sollten die natürlich Recht behalten, ja dann wäre es natürlich so, dass alles mehr oder minder beim Alten bleibt und halt eben Großbritannien oder England tatsächlich in der Eurozone seinen Verbleib für die Zukunft findet. Also, das Thema Buchmacherei, das Thema Wetten, also hier an der Börse natürlich auch mit einem Auge ganz klar begutachtet, weil halt eben da wo Geld reinfließt in die Wetten hinein, dementsprechend möchte man natürlich auch, dass seine Wette ganz klar natürlich auch aufgeht. Aber wissen tut man es de facto natürlich nicht. Der Stichtag 23. Juni ist natürlich wie bei jeder Wahl, da geht jeder alleine in seine Kabine und da geht jeder alleine rein und macht natürlich sein Kreuzchen. Also wir werden de facto warten müssen, Buchmacher hin, Kurse rauf oder runter, ein fallender DAX oder halt eben Unsicherheiten am Markt. Na ja, die Engländer werden de facto selber über ihre Zukunft bestimmen müssen.

Auch Heiko Böhmer musste im Talk Rede und Antwort stehen

Marcus Schult: Wer würde eigentlich wirklich gewinnen, wenn die Briten die EU verlassen?

Heiko Böhmer: Nun, das ist eine spannende Frage, denn im Endeffekt, die Briten an sich würden nicht gewinnen, sondern im Endeffekt wäre es so, dass viele Gewinner dieser Aktion eigentlich außerhalb Großbritanniens liegen würden, beispielsweise die anderen EU-Mitglieder, denn die könnten auf jeden Fall Exportanteile übernehmen, die jetzt von Großbritannien noch genommen werden, beziehungsweise durch den freien Markt in Europa eigentlich noch von Großbritannien eingenommen werden. Das ist eine Geschichte. Das zweite ist im Endeffekt auch zu sehen, dass die britische Währung natürlich geschwächt wird. Das heißt, der Euro dürfte auf jeden Fall auch nach einem Brexit stärker dastehen und das wäre wiederum weiterhin positiv zu sehen für die Europäer. Das heißt, viele Effekte die außerhalb Großbritanniens zu sehen sind, sind tatsächlich positiv zu bewerten. Und die aktuelle Angst, die vor dem Brexit da ist, ist eigentlich überbewertet.

Marcus Schult: Sind die Anleger, die bei uns auf der Website sind, sind die zu optimistisch?

Heiko Böhmer: Eigentlich nicht. Denn man muss das auf zwei Sachen runterbrechen: Wir haben zum einen die Wirtschaft als den Faktor, das andere ist aber die Börse. Das sind ja zwei Faktoren, die da eine Rolle spielen. Und an der Börse ist es tatsächlich so, dass im Endeffekt die Einflüsse, in Deutschland vor allen Dingen, sehr gering einzuschätzen sind. Wenn man die DAX-Werte nimmt: Im Durchschnitt haben die DAX-Werte überhaupt nur Umsatzanteile von 5 Prozent durchschnittlich mit Großbritannien. Das heißt, die Auswirkungen sind wirklich begrenzt. Wir haben einige Unternehmen – RWE und Eon als Versorger – die haben aktive Beteiligungen an Großbritannien, die haben 20 Prozent Umsatzanteil, da ist sicherlich mit Auswirkungen zu rechnen. Aber ganz ehrlich: Die Versorger möchte man aktuell einfach auch nicht im Depot haben, wegen vieler Risiken, die momentan da sind.

Marcus Schult: Kann man als Anleger von einem Austritt profitieren? Wenn ja, wie?

Heiko Böhmer: Wenn man das ganz akut und sehr schnell machen möchte, ist es sicherlich möglich, jetzt auf eine Schwäche des Pfunds zu setzen, des britischen Pfunds. Denn ganz klar: Kommt der Brexit, wird das britische Pfund fallen. Darauf kann man jetzt kurzfristig auf jeden Fall setzen. Aber das ist halt nur eine kleine Tradingposition für ein paar Tage, die man im Endeffekt eingehen könnte und da muss man auch der Typ für sein.

Marcus Schult: Großbritannien bleibt in der Europäischen Union – was macht man denn aus der Situation?

Heiko Böhmer: Das halte ich aktuell sogar für sehr wahrscheinlich. Und wenn es so kommen sollte, ist es sicherlich gut möglich, dass die deutschen Aktien, die zuletzt stark unter Druck standen, wegen der Unsicherheit, denn das ist was, das mag der Investor nicht, das ist eine Unsicherheit, und wenn die Unsicherheit aus dem Markt raus ist, es sich quasi nicht verändert, dann dürfte das positiv auf die deutschen Aktienkurse wirken. Und eigentlich die Korrektur, die wir jetzt aktuell sehen, müsste dann sehr, sehr schnell wieder aufgeholt werden. Also: jetzt positionieren.

Marcus Schult: Was empfehlen Sie Anlegern, die gar nicht erst abwarten wollen, was bei dem Referendum raus kommt? Gibt es so etwas wie sichere Häfen, die auch von Kleinanlegern genutzt werden können?

Heiko Böhmer: Das sehen wir in den letzten Tagen schon. Ganz klar, das Thema Gold. Gold hatte eine große Marktschwäche Anfang Juni. Da sind wir fast bis auf 1.200 Dollar runter gegangen. Wir hatten aber dann, je näher der Termin des Brexit eigentlich gerückt ist, desto mehr Bewegung haben wir beim Goldpreis gesehen. Und die Erholung kam eigentlich schon wieder auf und im Endeffekt Gold spielt die Rolle als sicheren Hafen gerade wieder sehr gut.

18. Juni 2016

Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.