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Lars Brandau im Interview

Zwischen 8 und 9 Millionen – so viele deutsche Bürger sind in Aktien oder Aktienfonds investiert. Eine erstaunlich niedrige Zahl, entspricht dies doch selbst in den aktuellen Zeiten der Niedrigzinsen einem Anteil von nur 13,1 Prozent der Bevölkerung.

Vor allem junge Anleger sind beim Schritt an die Börse extrem zurückhaltend, obwohl Aktien mit einer durchschnittlichen Rendite von rund 8% im Jahr glänzen können.

Auf der Invest 2016, Deutschlands größter Leitmesse für Finanzen, sprachen wir mit Lars Brandau, CEO des Deutschen Derivate Verbands, über die stagnierende Aktienkultur in Deutschland und seine Einschätzungen über den Marktverlauf in den kommenden Monaten.

Das Interview im Text

GeVestor: Herr Brandau, guckt man auf die Märkte, so stellt man fest, die Aktienkultur in Deutschland ist noch immer nicht ausgeprägt, das ist eine Klage, die der Deutsche Derivate Verband seit Langem hat, sie wird immer wieder erneuert. Auch bei den Zertifikaten geht es nicht so, wie Sie es sich unbedingt vorstellen, das Marktvolumen schrumpft. Was läuft da schief?


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Lars Brandau: Ich weiß gar nicht, ob wirklich viel schief läuft. Ich glaube, die Deutschen neigen einfach zu einer gewiesen Risikoaversität. Aktienkultur, da wird seit 30 Jahren drüber geredet, aber es dauert einfach, die tatsächlich zu implementieren. Sie sagen es, die Märkte laufen jetzt nicht so besonders gut, sie sind lange Zeit gut gelaufen. Wir sind in der Tat nicht wirklich zufrieden. Ich glaube, am Ende des Tages wird der Druck darüber entscheiden, dass sich die Leute auch vermehrt für Finanzprodukte interessieren, weil einfach eine große, geburtenstarke Generation in 10 bis 15 Jahren in Richtung Rente marschiert und wir werden in den kommenden Jahren eine Altersarmutsdiskussion haben, die einfach triggern wird, dass sich Menschen mit solchen Produkten auseinandersetzen müssen, da kommen wir nicht dran vorbei.

GeVestor: Nun sagen Sie ja auf der einen Seite Risikoaversität, auf der anderen Seite ist es aber so, der Druck kommt wahrscheinlich in den nächsten Jahren von einer anderen Seite. Jüngst gab es eine Prognose, dass die Konjunktur in Deutschland sich abschwächen wird. 2017 wird lange nicht mehr so gut laufen, wie es die vergangenen Jahre gewesen ist, das heißt, die Anleger müssen sich wahrscheinlich doch auch auf dünnere Erträge einstellen.

Brandau: Ja, ich glaube, es ist gar nicht so entscheidend. Alles, was mehr als Null ist, ist mehr als Null. Ich glaube, es ist nicht die entscheidende Frage, ob sie 25 Prozent im Jahr machen. Die entscheidende Frage ist einfach: Was tun sie mit ihrem Geld? Darüber muss man nachdenken. Und ich glaube, wenn wir über einen Einstiegszeitpunkt sprechen, dann ist es nie der richtige, aber auch nie der falsche. Die Frage ist: Wann müssen Sie an Ihr Geld ran? Ich tippe mal, in 15 bis 20 Jahren. Wenn es denn so weit ist, stellen Sie sich nur eine einzige Frage: Ist der Markt in 20 Jahren, wenn ich an mein Geld muss, höher, als er heute ist – ja oder nein? Und wenn Sie diese Frage mit ja beantworten, dann ist es total egal, ob Sie heute, gestern oder morgen einsteigen, das ist okay. Denken Sie in langfristigeren Zyklen, denken Sie nicht immer, wie uns das in den Medien leider auch vorgegaukelt wird, in dieser Tageskomik. Tages-Dax-Stände interessieren mich persönlich überhaupt nicht. Die Frage ist: langfristiger Vermögensaufbau, das geht nicht von heute auf morgen und das bedeutet in kleinen Etappen. Und ich glaube, da muss man hinkommen, das ist ein Stück Kultur in meinen Augen, dass ein Familienvater sagt, ich mache lieber ein paar verteilte Sparpläne und mache lieber das Kleine, als erst mal kleiner Einsatz, großer Hebel und unbedingt jetzt müssen wir das ganz schnelle Geld machen. Das ist der falsche Weg.

GeVestor: Neues Denken verlangt immer sehr viel von demjenigen, der neu denken soll, also sprich: vom Anleger. Welchen Impuls könnten Sie denn geben, was macht das neue Denken denn leichter?

Brandau: Ich glaube, das ist gar kein neues Denken, ich glaube, das ist eher mal eine Rückbesinnung auf ganz einfache Mathematik. Es ist ganz viel in der Finanzanlage, wo wir sagen, gucken Sie sich Gebührenstrukturen an, schauen Sie sich ein bisschen an, verstehen Sie dieses Produkt, glauben Sie an den Markt, an die Idee? Und dann ist eigentlich vieles von dem, was Sie plausibel empfinden, auch tatsächlich einigermaßen logisch. Ich glaube, man kann gar nicht so unheimlich viel falsch machen, es geht darum, sich ein bisschen breiter aufzustellen. Ich glaube, es geht immer darum, nicht immer alle Eier in einen Korb zu legen. Aber das sind alles keine neuen Weisheiten. Ich glaube nur, dass man Menschen tatsächlich vor der eigenen Gier bewahren muss und deswegen ist es so, man macht ihnen das Ganze so schmackhaft und wenn man ihnen das schmackhaft macht, diese Industrie, dann werden sie schnell gierig. Das ist ein großer Fehler, davor muss man sie, glaube ich, eher bewahren.

GeVestor: Sie sagen, das Tagesgeschäft, der Tages-Dax interessiert Sie nicht so sehr. Dennoch die Frage: Was erwarten Sie jetzt von den Märkten in nächster Zeit?

Brandau: Ich glaube, das ist ganz schwer abzusehen. Wir haben eine Menge Krisengebiete auf dieser Welt. Wir sehen nicht so genau, wie bestimmte Problematiken tatsächlich angegangen werden, weil wir immer nur so ganz vereinzelt Lösungsmodelle sehen, von denen wir nicht wissen, ob sie tatsächlich nachhaltig sind. Ich glaube, das ist ganz schwierig, die Märkte einzuschätzen. Da hängt ganz viel natürlich an Amerika dran und das ist fatal. Und wir sehen das auch immer wieder, der Deutsche, wenn er sich denn tatsächlich engagiert, dann ist der Dax natürlich sein liebstes Kind. Ich weiß nicht, ob das sehr vernünftig ist, wenn alleine mindestens 30 Prozent der im Dax aufgestellten Unternehmen ihr Geld global verdienen, also gar nicht so sehr an Deutschland dran hängen, sondern viel mehr von anderen Märkten abhängig sind. Also vielleicht wäre es schlauer, sich ein bisschen breiter aufzustellen, MSCI World zum Beispiel, da ist viel mehr drin. Man muss sich da, glaube ich, nicht ganz so fokussieren, sondern man muss einfach sagen, wir stellen uns breiter auf und dann ist es eigentlich egal. Weil nie die Welt untergehen wird, das werden wir, glaube ich, nicht erleben.

GeVestor: Herzlichen Dank.

26. April 2016

Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.