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Rolf Dobelli: „Im Zwang ist kluges Handeln unmöglich“

Laut einer aktuellen Goldman Sachs-Studie haben viele Privatanleger immer noch Angst vor Wertpapieren. GeVestor sprach auf der Invest 2015 mit Bestsellerautor Rolf Dobelli („Die Kunst des klugen Handelns“) über den Zwang an den Börsen und das Vermeiden von Denkfehlern beim Handeln.

GeVestor: Es gibt eine Goldman-Sachs-Studie, die dieser Tage herausgekommen ist, die besagt, dass die Privatanleger immer noch Angst vor Aktien haben, sich aber trotzdem gezwungen sehen, in Aktien zu investieren aufgrund des Kapitalmarktumfelds. Ist im Zwang eigentlich kluges Handeln möglich?

Dobelli: Nein, im Zwang ist kluges Handeln nicht möglich, aber es gibt ja keinen Zwang. Jeder ist freiwillig entweder dabei oder nicht dabei. Ich glaube, es macht Sinn, wenn wir verschiedene Anlagekategorien haben, dass man einen Teil hier investiert, einen Teil dort und einen Teil beispielsweise im Eigenheim, im Einfamilienhäuschen und so weiter. Wir wissen nicht, wie die Welt funktioniert. Niemand versteht die Welt, auch die Börsengurus verstehen die Welt nicht. Wir wissen nicht, steigt der Dax, fällt der Dax? Aber damit man ein bisschen abgesichert ist, ist es sicher eine gute Strategie, in die verschiedenen Kategorien und Töpfchen ein bisschen Geld zu stecken.


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GeVestor: Sie haben ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Die Kunst des klugen Handels“. Das ist sehr gut angekommen. Das heißt, die Menschen erwarten von Ihnen vielleicht auch einen kleinen Hinweis, wie man klug handelt. Wie handelt man klug an der Börse?

Dobelli: Mein Thema ist nicht, wie man klug handelt, sondern wie man Fehler vermeiden kann. Also wenn wir Fehler und Fallen vermeiden, dann ist das Upside schon mal da, dann kann man einfach warten, bis es hoch geht. Wichtig ist, dass man diese Denkfallen, diese systematischen Denkfehler einigermaßen versteht, dass man sie kennt. Dann kann man ihnen aus dem Weg gehen. Alles, was dann oben drüber kommt, das kommt dann automatisch.

GeVestor: Welche Denkfallen sind denn im Zusammenhang mit Anlageverhalten besonders eklatant?

Dobelli: Es gibt vielleicht etwa zehn, die wirklich eklatant sind. „Conformation Bias“ ist ein Beispiel, der Bestätigungsirrtum, dass wir mit einer Theorie über die Welt oder den Markt umherlaufen und nur Informationen aufnehmen, die dieser Theorie entsprechen und alle Informationen, die unsere Lieblingstheorie nicht stützen, ausfiltern. Das ist ein großer Denkfehler, den wir immer wieder machen. Ein anderer ist „Social Proof“ – wir tendieren dazu, das Verhalten der anderen zu kopieren. Wenn alle anderen in eine Richtung rennen, muss ich nicht unbedingt auch in diese Richtung rennen. Das ist ein Fehler, der sehr tief in uns sitzt, aber er kann verheerend sein. Das hat man bei der Dotcom-Geschichte gesehen. Alle haben Dotcom-Aktien gekauft, alle haben Dotcom-Aktien verkauft. Alle haben Gold gekauft, alle haben Gold verkauft. Diese Überdrehungen kommen hauptsächlich aus diesem Social-Proof-Effekt hervor. Man sollte sich nicht von der Masse leiten lassen, sondern unabhängig denken. Das ist ein zweiter wichtiger Punkt.

GeVestor: Sie sind nicht nur Buchautor, sondern auch Geschäftsmann. Sie haben Übertreibungen angesprochen. Sehen Sie aktuell in der derzeitigen Marktlage eine Übertreibung oder ist das alles normal, was an den Kapitalmärkten abläuft?

Dobelli: Hinterher weiß man es immer, vorher weiß man es nie. Ich muss ehrlich sagen, ich weiß es nicht. Ich kann Ihnen nicht sagen, ob der Dax jetzt überdreht ist oder nicht. Ich kann es Ihnen schlichtweg nicht sagen, niemand weiß es. Wenn ich es wüsste, wäre ich schon lange auf irgendeiner Superyacht im Mittelmeer und würde dort das Leben genießen und nur noch Bücher lesen oder Bücher schreiben. Das ist leider nicht so. Das ist genau das Gleiche mit den Börsengurus. Die wissen es auch nicht. Darum sind sie Börsengurus und nicht irgendwelche Multimilliardäre in Privatjets.

20. April 2015

Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.