Wall Street: Die Fed gibt grünes Licht bis mindestens Ende 2014

Der Chairman hat es wieder gerichtet. Notenbankchef Ben Bernanke signalisierte den Börsianern am Mittwoch nach zwei Tagen Sitzung, dass er mindestens bis Ende 2014 die ultra-lockere Geldpolitik fortsetzen will.

Die Aktien, die an der Wall Street bis in die Mittagszeit leicht unter der Nulllinie dahin gedümpelt waren, zogen daraufhin kräftig an und landeten sicher im Plus. Die Tageskurve des S&P 500 illustriert sehr schön den Einfluss der US-Notenbank (Fed).

Der erste Kurssprung in die Pluszone kam gegen 12:30 Uhr, als die Fed ihre Presseerklärung vorlegte. Dort heißt es: "Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen legen bis mindestens Ende 2014 außerordentlich niedrige Leitzinsen nahe".

Als Ben Bernanke in seiner anschließenden Pressekonferenz die Beschlüsse des Offenmarktausschusses kommentierte, gab der DOW vorübergehend ein paar Punkte wieder ab, zog dann aber bis zum Ende der Sitzung an.

Der DOW gewann 83 Punkte auf 12.758 hinzu (+0,66%). Der S&P 500 legte 11,4 Punkte auf 1.326 zu (+0,87%). Die Nasdaq kletterte knapp 32 Punkte auf 2.818 (+1,14%).

Die Techtitel wurden überwiegend von der Apple-Aktie gezogen, die die Verdoppelung des Gewinns im jüngsten Quartal feierte und den Ölkonzern Exxon Mobil als teuerstes Unternehmen der Welt ablöste.


Der Goldpreis schwang sich in Erwartung der anhaltenden Liquiditätsschwemme durch die Fed mit einem Plus von 2% wieder über die Marke von 1.700 Dollar je Feinunze.

Große Goldschürfer wie Barrick Gold (ABX) konnten im Verlauf der Börsensitzung kräftig zulegen. Barrick verzeichnete ein Plus von 5,8%. Naturgas und Silber zogen derweil den Rohstoffsektor nach oben. Gold hat im laufenden Jahr bereits 9% gewonnen.

Bilanzrunde - Spürbare Enttäuschung

Den Fehlstart an der Wall Street hatte am Mittwoch die Bilanzrunde zu verantworten. Gewinnmeldungen und Prognosen von Boeing über Ericsson bis hin zu Novartis enttäuschten und überdeckten damit zu Beginn der Sitzung den fabelhaften Gewinn von Apple vom Vortag.

Der Gewinn je Aktie bei den 108 Firmen des S&P 500, die seit dem 9. Januar ihre Bilanzzahlen vorgelegt haben, ist im Schnitt um 4,3% gestiegen. Das ist die geringste Zuwachsrate in mehr als zwei Jahren.

Eine der rühmlichen Ausnahmen war am Mittwoch die Aktie des Internet-Videoverleihers Netflix.

Das Unternehmen konnte die Abonnentenverluste der Vormonate stoppen und im vierten Quartal allein 600.000 US-Kunden hinzu gewinnen. Die Anleger belohnten den Umsatzanstieg von 47% mit einem Kursgewinn der Aktie von 12% im nachbörslichen Handel.

US-Konjunktur - "Signifikante Abwärtsrisiken"

"Das wird eine ziemlich durchwachsene Gewinnsaison", kommentiert Russ Koesterich, der Investmentstratege für die iShares bei BlackRock in San Francisco, die Bilanzzahlen vom Mittwoch.

Ohne die Prognose der Fed - der Konjunktur drohten "signifikante Abwärtsrisiken" - hätten die Aktien am Mittwoch wahrscheinlich noch deutlicher zugelegt.

Über den Erwartungen lagen am Mittwoch auch Delta Airlines und US Airways, die im vierten Quartal bessere Gewinne vorweisen können als erwartet.

Es gelang beiden Fluggesellschaften, trotz höherer Ausgaben für Treibstoff mit reduzierter Kapazität, höheren Ticketpreisen und Gepäckaufschlägen sowie Kosteneinsparungen die Gewinne zu steigern.

Einen kleinen Einblick in die Psyche der Börsianer gab am Mittwoch das Ergebnis einer Umfrage von Bloomberg unter weltweit 1.209 Investoren, Fondsmanagern und Analysten. Demnach erwarten 48% von ihnen, dass die US-Börsen im laufenden Jahr zu den besten auf dem Globus gehören werden.

Während die Hälfte der befragten Finanzprofis eine anhaltende Erholung der US-Konjunktur erwarten, sind lediglich 18% zuversichtlich, dass der globalen Wirtschaft das auch gelingt. Satte 67% dagegen gehen davon aus, dass eine Beruhigung der Lage in Europa nur vorübergehend sein wird.

Börse 2012 - Amerikaner besonders optimistisch

Amerikaner sind demzufolge am optimistischsten, was ihren eigenen Markt angeht - 62% sehen die USA als einen der besten Plätze für Investitionen in Wertpapiere. Das ist ein Anstieg von 53% im Dezember.

Diesem recht positiven Befund widerspricht allerdings eine Umfrage des Meinungsforschers Gallup, der seit 1991 noch nie so viele Amerikaner gesehen hat, die sich Sorgen über ihre persönlichen Finanzen machen.

Demnach fürchten 51% um ihren Lebensstandard, 43% wissen nicht, ob sie alle Arztrechnungen bezahlen können. 34% haben Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes. Das ist der höchste Wert in 20 Jahren, heißt es bei Gallup.

 
vom  26.01.2012