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Wall Street fürchtet Obamas zweite Runde

Die Wahlnacht war der versprochene „Nailbiter“, wie die Amerikaner sagen, ein Auszähl-Krimi zum Nägelkauen.

Auch nach Auswertung von 89% der Stimmen im strategisch wichtigen Staat Florida hatte Obama lediglich 16.000 Stimmen Vorsprung. Er lag mit Romney 50:50% exakt auf Augenhöhe. Alles roch nach einem quälend langen Wahlabend.

Doch um 23:14 Uhr kam die Nachricht vom Wahlsieg des Amtsinhabers durch den Sender NBC. Sie wurde zunächst nicht offiziell bestätigt.

Obama hatte 274 der 270 benötigten Wahlmännerstimmen erreicht, obwohl er vom Wahlvolk bis dahin lediglich 48% der Stimmen bekam, gegenüber 50% für Romney. Bereits drei Stunden nachdem die ersten Wahllokale im Osten der USA geschlossen hatten, roch es erstmals nach einem möglichen Wahlsieg von Obama.

Der Sieger der Wahl brauchte 270 der insgesamt 538 Wahlmännerstimmen, um die Wahl für sich zu entscheiden.

Wer die relative Mehrheit in einem Bundesstaat erreicht, bekommt nach dem amerikanischen Wahlsystem alle Wahlmänner-Stimmen dieses Staates.

Unter Anlegern macht man sich nun wachsende Sorgen, wie Investoren-Legende Jim Rogers gestern Abend im US-Fernsehen zu verstehen gab.

„Wir kriegen jetzt mehr Inflation, es wird noch mehr Geld gedruckt und die Schulden steigen weiter an“, sagte Rogers, der erwartet, dass die „Geldvermehrung jetzt amok laufen wird.“

An der Wall Street waren gestern noch am zweiten Tag in Folge die Aktienkurse und die Rohstoff-Notierungen gestiegen.

Die Kurse der Anleihen sanken, ein Zeichen für wachsendes Vertrauen der Anleger in das aktuelle Umfeld. Öl und Benzin verzeichneten die stärksten Zuwächse in einem Monat.

Den Wahlsieger erwarten nach der Amtseinführung am 21. Januar schwerwiegende und schwierige Entscheidungen, allen voran beim Schuldenabbau.

Der ehemalige Notenbankchef Alan Greenspan bezeichnet die grassierenden Budgetdefizite in den USA als „außerordentlich gefährlich“ und warnt, keiner der beiden Kandidaten in der nun entschiedenen Wahl habe ein schlüssiges Konzept gehabt.

Doch den USA läuft die Zeit davon, binnen Wochen droht erneut das Anstoßen am Schuldenlimit, diesmal bei 16,2 Billionen Dollar.


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Und die US-Konjunktur bleibt trotz der zuletzt etwas besseren Indikatoren in schwierigem Fahrwasser.

Jobmarkt – Immer weniger offene Stellen

Das Arbeitsmisniterium meldete gestern für den September einen Rückgang der offenen Stellen in der US-Wirtschaft um 100.000.

Seit dem März geht diese Zahl zurück. Und dieser Rückgang zeigt, dass die starke Zunahme neuer Jobs im Oktober – es waren 171.000 – sich in den kommenden Monaten nicht aufrecht erhalten lassen wird.

Daher ist die Auswahl des Nachfolgers von Finanzminister Timothy Geithner, der in der neuen Regierung ab Januar nicht weitermachen will, eine der wichtigsten – und kurzfristig die drängendste – Personalentscheidung, die der wieder gewählte Präsident zu treffen hat.

Börse will Schuldenabbau – Wer macht das statt Geithner?

Der neue Finanzminister muss nicht nur die Schulden reduzieren, er soll auch das reformbedürftige Steuersystem auf Vordermann bringen. Das hatten im Wahlkampf Obama und sein Gegener Mitt Romney übereinstimmend betont.

Gut wäre daher ein Chef im Finanzministerium, der sich bereits Sporen in Budget-Angelegenheiten verdient hat und gut mit den Republikanern versteht.

Im Gespräch für die Mammut-Aufgabe ist unter anderem der Stabschef im Weißen Haus Jack Lew. Der 57jährige frühere Budgetdirektor wäre fachlich – und vom aktuellen Kenntnisstand her – in der Lage, sofort loszulegen.

Ganz oben auf der Kandidaten-Liste steht seit einiger Zeit auch Erskine Bowles, der Co-Chairman der überparteilichen Kommission, die im vergangenen Jahr einen Spar-Kompromiss vorlegte, der aber nicht angenommen wurde.

In der Business Community kam der Plan gut an, Bowles genießt dort Ansehen. Er wird von vielen Republikanern zudem respektiert. Seine Nominierung wäre dem Senat leichter zu verkaufen.

Der 67jährige hat einen soliden Finanz-Hintergrund. Er hat bei Morgan Stanley gearbeitet und war Berater für Credit Suisse First Boston. Als ehemaliger Stabschef von Bill Clinton hat er auch politische Erfahrung und Kenntnisse der Bürokratie nachzuweisen.

Doch dem Wall Street Journal soll er kürzlich verraten haben, dass er keinen Kabinetts-Posten will.

Der Name von Bowles kursierte in verschiedenen Zirkeln in Washington trotzdem auch als möglicher Kandidat von Romney für das Finanzministerium.

Schuldenabbau – Macht Obama endlich ernst?

Eine Entscheidung zu Gunsten von Lew wäre unterdessen ein starkes Signal, dass die Obama-Administration im zweiten Durchgang Ernst mit dem Schuldenabbau machen will.

Obama hat im Wahlkampf versprochen, die Defizite im US-Bundeshaushalt über die kommenden zehn Jahre um insgesamt vier Billionen Dollar zu reduzieren.

Steuersenkungen aus der Ära Bush für die reichen sollen auslaufen, Schlupflöcher in der Gesetzgebung geschlossen werden.

Die Hälfte der Einsparungen aus dem Ende des Kriege im Irak und in Afghanistan sollen für die Reduzierung der Defizite verwendet werden.

Im Gespräch ist auch der CEO des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock, Larry Fink.

Dessen exzellente Einblicke in das Finanzsystem wären von unschätzbarem Vorteil, sollte es erneut zu einer Finanzkrise kommen, die auch in den USA nicht ausgeschlossen ist.

Mit Hilfe von Fink könnte Obama versuchen, sein schwieriges Verhältnis zur Finanzindustrie zu normalisieren. Doch als Mann der Wall Street – zudem als einer, der keine Regierungserfahrung mitbringt – wäre Fink vielen Senatoren schwer zu verkaufen.

Im Gespräch ist auch Gary Gensler, der Chairman der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Als ehemaliger Partner bei Goldman Sachs hätte er sicher die nötigen Qualifikationen.

Auf der linken Seite des politischen Spektrums wird ihm zugute gehalten, dass er sich stark für die schwierige – und immer noch andauernde – Umsetzung des Finanzmarkt-Reformpakets Dodd-Frank einsetzte.

Grundsatz-Entscheidung für Obama – Mehr Nähe zur Wall Street, oder mehr Schuldenabbau

Das Finanzministerium kennt Gensler zudem aus seiner Zeit als Staatssekretär. Nach Angaben von Beobachtern hat sich Gensler einen Namen als eher unabhängiger Kandidat gemacht, weil er auch Entscheidungen traf, mit denen man bei Goldman Sachs nicht glücklich war.

Obamas Personalentscheidung wird ein frühes Zeichen setzen, worauf es ihm in der zweiten Amtszeit mehr ankommt: Auf ein besseres Verhältnis zur Finanzindustrie, oder auf eine entschiedenere Bekämpfung der grassierenden Defizite.

Die gute Nachricht für die Wall Street: Sie dürfte in jedem Fall der Gewinner sein.

Doch wenn der Kampf gegen die Schulden in der nächsten Administration nicht endlich mehr Priorität bekommt, drohen binnen weniger Monate Probleme am Anleihemarkt

Und die könnten ganz schnell auf den Aktienmarkt durchschlagen.

7. November 2012

Markus Gärtner
Von: Markus Gärtner. Über den Autor

Markus Gärtner kennt sich aus in Europa, Amerika und Asien. Lange Zeit war der Journalist als Korrespondent unterwegs und hat dabei viele Eindrücke und Erfahrungen gesammelt. Diese teilt er nun mit seinen Lesern börsentäglich.