Wall Street: US-Aktien ziehen sich von ihrem 6-Monatshoch zurück

Die US-Aktien beginnen das Ende der Börsenwoche mit einem Rückzug vom jüngsten 6-Monatshoch.

Das markierte der S&P 500 zu Beginn der Sitzung am Donnerstag, bevor er sich mit einem Verlust von 0,6% und 1.318 Zählern aus dem Tag verabschiedete.

Der Dow Jones Index erreichte am Donnerstag den höchsten Stand seit dem Mai 2008, bevor auch er unter die Nulllinie abtauchte. Tagesbilanz: -0,2% auf 12.734 Punkte.

Drei Gründe sind für die eher schwache Vorstellung verantwortlich: Durchwachsene Bilanzzahlen, enttäuschende Konjunkturdaten und das Ausbleiben einer Einigung in den Gesprächen zwischen Griechenland und seinen privaten Gläubigern über den angestrebten Schuldenschnitt.

Kommt dieser nicht zustande, sind weitere Kredite in Gefahr, die Staatspleite wäre kaum noch abzuwenden. Das ist sie nach Meinung vieler in New York sowieso nicht.

SanDisk und eBay - Werden abgestraft

AT&T - die größte Telekomgesellschaft der USA - verlor 2,5%, nachdem seine Gewinnprognose die Analysten enttäuschte. SanDisk, der weltweit größte Hersteller von Flash Memory-Karten, enttäuschte mit seinen Umsatzzielen für 2012. Resultat: Der Aktienkurs verlor 11%.

eBay war nach einem unerwarteten Verlust im Schlussquartal 2011 der große Verlierer im S&P 500. Die Kaffee-Kette Starbucks dagegen konnte ihren Quartalsgewinn dank des guten Weihnachtsgeschäfts um 10% steigern. Finanzchef Troy Alstead spricht vom "besten Weihnachtsgeschäft in der Firmengeschichte".

Caterpillar und Starbucks - Brauen gute Gewinne

Caterpillar, der weltweit größte Ausrüster der Bau- und Minenindustrie, stieg mit über 2% zum Gewinner im DOW auf, weil der Gewinn im vierten Quartal die Analysten positiv überrascht.

Das Unternehmen profitiert vom Boom im Bergbau. Netflix konnte sowohl Umsatz- als auch Gewinnerwartungen toppen und schoss in New York 20% nach oben.

Doch am Tag nach der Ankündigung der US-Notenbank, die Leitzinsen bis Ende 2014 am Boden zu halten, verbesserten sich US-Anleihen und Rohstoffe. Die Rendite der 10jährigen Staatsanleihe (Treasury) sank 6 Basispunkte auf 1,94%. Schon am Mittwoch hatte sie den stärksten Rückgang in zwei Wochen erlebt.

Nickel und Kupfer kletterten 2,5%. Der Dollar dagegen schwächte sich im Vergleich zu 13 der 16 wichtigsten Währungen ab (siehe Grafik).


Der Chief Investment Officer Nick Sargen beim Vermögensberater Fort Washington Advisors in Cincinnati brachte die Stimmung der Marktteilnehmer am Donnerstag so auf den Punkt: "Was wir hier haben, ist die US-Notenbank, die sagt, macht Euch über steigende Zinsen keine Sorgen".

Das müssen Anleger mit Ziel New York sich auch mit Blick auf Europa in diesen Tagen nicht, sollten die Gespräche mit Griechenland positiv ausgehen. Denn am Anleihemarkt herrscht weiter Entspannung. Die Rendite der 10jährigen italienischen Staatsanleihe fiel wieder auf 6%.

Gemischt sind in dieser Woche dagegen die Konjunkturdaten in den USA. Die Aufträge für langlebige Konsumgüter nahmen im Dezember unerwartet kräftig um 3,0% zu. Im Jahresvergleich ist das sogar ein Zuwachs von 17%.

Immobilienmarkt - Erlebt einen Rückschlag

Auch wenn Boeing in der Statistik mit seinen Riesenaufträgen kräftig nachgeholfen hat: Das war der vierte Anstieg hintereinander, und der stärkste monatliche Zuwachs seit dem März. Ziemlich schwach fallen dagegen zuletzt die Verkäufe neuer Häuser aus.

Mit lediglich 302.000 Häusern ist das ein Minus von 6,2% gegenüber 2010, und das schlechteste jährliche Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnung 1963.

Das ist ein schwerer Rückschlag für den immer noch schwachen Immobiliensektor, an dem 2008 die Finanzkrise begann. Neue Häuser lassen sich nur sehr schwer verkaufen, weil die vielen Zwangsversteigerungen für gebrauchte Häuser den Preiswettbewerb verschärfen.

US-Konjunktur - Spannung vor der BIP-Zahl

Auch am Arbeitsmarkt gibt es einen Rückschlag. In der vorigen Woche, so meldet das US-Labor Department, stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 21.000 auf 377.000 an. In der Woche zuvor war fast ein Vierjahrestief markiert worden.

Am heutigen Freitag richtet sich das Augenmerk der Anleger in New York noch stärker auf die Konjunktur. Die erste Schätzung für das vierte Quartal 2011 wird bekannt gegeben. Im Schnitt erwarten die Volkswirte 3,0%. Im Vorquartal waren es 1,8% gewesen.

Mit den schwachen Umsätzen des Einzelhandels vor Weihnachten und den Exporten, die unter der schwächeren globalen Konjunktur leiden, könnte es eine Enttäuschung geben. Das wäre Grund genug, nach der Rally der letzten vier Wochen Gewinne mitzunehmen.

 
vom  27.01.2012