Affirm Aktie nach dem Börsengang: Ist der Fintech-Star günstig bewertet?

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Der Affirm-Börsengang sorgte Anfang 2021 für Furore. Doch was steckt hinter dem neuen Projekt von PayPal-Mitgründer Max Levchin? (Foto: Mikko Lemola / shutterstock.com)

Zu Jahresbeginn sorgte mit Affirm Holdings ein weiterer Fintech-Star für mächtig Furore. Zum Börsendebüt hatte sich die Affirm Aktie gleich einmal auf 100 US-Dollar mehr als verdoppelt, nachdem das Papier bei 49 US-Dollar bei den Anlegern platziert worden war. Hierdurch konnte Affirm zunächst 1,2 Mrd. US-Dollar einsammeln.

Inzwischen ist die Euphorie rund um Affirm etwas abgeklungen. Dennoch fragen sich viele Anleger, ob die niedrigeren Kurse eine gute Einstiegsmöglichkeit sind? Ein Blick auf das Unternehmen.

Affirm Börsengang – Was steckt hinter dem Fintech-Star?

Affirm mit Hauptsitz in San Francisco wurde ursprünglich im Jahr 2012 von Max Levchin, Nathan Gettings, Jeffrey Kaditz und Alex Rampell gegründet. Levchin, der Affirm als Chief Executive Officer (CEO) führt, ist kein Unbekannter. Der findige Geschäftsmann hatte zuvor schon den Online-Zahlungsanbieter PayPal mitgegründet.

Affirm ist ein sog. Point-of-Sale-Kreditanbieter und hat sich insbesondere auf die Vergabe von Konsumenten-Krediten spezialisiert. Dabei steht Affirm hinter dem Konzept „Kaufe jetzt zahle später“, wodurch der Fintech-Spezialist Verbrauchern Sofort-Finanzierungen zu günstigen Konditionen ermöglichen will. Dadurch können Konsumenten z.B. Online-Käufe zu festen monatlichen Raten abbezahlen.

Viele Firmen in der Zahlungsverkehrsbranche finanzieren sich über Mahngebühren und hohe Überziehungszinsen – mit diesem Konzept möchte Affirm Schluss machen. Der Fintech-Spezialist bietet Finanzierungsmöglichkeiten ab 0 % Zinsen an, die Zinsen können jedoch auch bis zu 30 % betragen.

Über die Affirm App können Verbraucher bei über 11.500 teilnehmenden Händlern einkaufen. Gekaufte Waren und Produkte (max. 17.500 US-Dollar) lassen sich dann über einen fixen Zeitraum von bis zu 36 Monaten abbezahlen. Zu den Affirm-Partnern gehören große Marken wie Walmart und Shopify.

Affirm in Zahlen

Affirm beschäftigt bereits 1.200 Mitarbeiter und konnte in den letzten Jahren ein starkes Wachstum verzeichnen. Im Fiskaljahr 2020 (endete im Juni 2020) konnte der Fintech-Star seine Umsätze auf 509,5 Mio. US-Dollar nahezu verdoppeln, nach Einnahmen von 264,4 Mio. Dollar im Jahr vorher. Dabei entstand allerdings noch ein Verlust von 112,6 Mio. Dollar, nach einem Minus von 120,5 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Im Fiskaljahr 2021 wird ein Umsatz von über 830 Mio. Dollar erwartet, im nachfolgenden Fiskaljahr 2022 soll erstmals der Sprung über die 1-Milliarden-Umsatzmarke gelingen.

Insgesamt wickelte Affirm bereits über 17 Mio. Transaktionen für über 6,2 Mio. Verbraucher über seine Plattform ab, wobei Null-Finanzierungsverträge mit 43% den Großteil des geschäftlichen Handelsvolumens ausmachen.

Was ist das Besondere an Affirm?

Konsumenten können Kredite je nach eigener Lebenssituation in ihrer eigenen Geschwindigkeit zurückzahlen, es entstehen keine versteckten Gebühren. Affirm finanziert sich durch eine Transaktions-abhängige Provision, die bis zu 7 % hoch sein kann und Händlern in Rechnung gestellt wird. Die Idee dahinter ist, dass Geschäfte bereit sind, Affirm zu integrieren, um das Kreditrisiko auszulagern. Im Gegenzug erhoffen sich die Geschäfte eine höhere Konversationsrate (mehr Online-Käufe), was Webseiten-Besucher angeht.

Fazit: Affirm bewegt sich in einem lukrativen Markt, der jedoch hart umkämpft ist

Unter dem Strich setzt Affirm auf den „Kaufe jetzt zahle später“-Trend, der insbesondere in den USA populär ist. Im Schnitt hat jeder US-Haushalt 6.000 US-Dollar Kreditkarten-Schulden.

Affirm versucht diese Klientel für sich zu gewinnen, indem der Fintech-Spezialist transparente Gebühren und faire Zinsen bietet. Der Erfolg hat sich im jüngsten Quartal mit einem starken Anstieg (+60 %) der aktiven Kunden im jüngsten Quartal bemerkbar gemacht. Allerdings sollten Anleger nicht vergessen, dass Affirm voraussichtlich in den nächsten 2 Jahren noch rote Zahlen schreiben wird. Außerdem wächst die Konkurrenz durch klassische Kreditkarten-Firmen (Mastercard, Visa) und durch junge Fintech-Spezialisten wie Klarna und Afterpay.

Die Affirm Aktie ist daher nur für spekulative Anleger interessant, die einen langen Atem haben und wie große Venturefonds (wie z.B. Founders Fund) an den langfristigen Erfolg von Affirm glauben.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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