Aktienrückkäufe: Das sollten Sie darüber wissen

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Montag und Dienstag habe ich an dieser Stelle über zwei Unternehmen berichtet, die Aktien zurückkaufen. Heute erfahren Sie mehr über Aktienrückkäufe. (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Nachdem ich am Montag und Dienstag hier im Schlussgong von zwei Unternehmen berichtet hatte, die Aktienrückkäufe angekündigt haben, erreichten mich dazu einige Fragen. Daher habe ich mich dazu entschlossen, heute im Detail auf das Thema Aktienrückkäufe einzugehen. Blicken wir zunächst auf die Auswirkungen:

Das sind die Auswirkungen von Aktienrückkäufen

Wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft und anschließend vernichtet (in der Börsen-Sprache sagt man weniger brutal: „einzieht“), hat das mehrere positive Auswirkungen:

  1. Aktienrückkäufe sorgen dafür, dass der zukünftige Unternehmens-Gewinn auf weniger Aktien verteilt werden muss. Selbst bei stagnierenden Gewinnen steigt dann der Gewinn je Aktie.
  2. Der gleiche Effekt wirkt auch bei der Dividende: Die Dividendensumme muss auf weniger Aktien verteilt werden. Dadurch steigt die  Dividendenrendite.
  3. Aktienrückkäufe sorgen an der Börse für eine steigende Nachfrage nach der entsprechenden Aktie. Bleibt das Angebot gleichzeitig konstant, steigt der Aktienkurs.
  4. Verkaufswillige Aktionäre können ihre Aktien direkt an das Unternehmen verkaufen und belasten dadurch nicht den Kurs an der Börse.

 Die 3 häufigsten Gründe für Aktienrückkäufe

  1. Das Unternehmen will den eigenen Aktienkurs aufpolieren und zeigen, dass man die eigene Aktie für unterbewertet hält.
  2. Der Konzern, der eigene Aktien zurückkauft, will damit die Aktionäre bei Laune halten, da es sich dabei gewissermaßen um eine zusätzliche Ausschüttung (neben den Dividenden) handelt.
  3. Ein „reifes“ Unternehmen kann mit Aktienrückkäufen dafür sorgen, dass trotz Gewinn-Stagnation der Gewinn je Aktie steigt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sinkt. So wird die Aktie wieder attraktiver.

Aktienrückkäufe: Meist positiv, aber auch nicht frei von Gefahren

Die Gründe, warum ein Konzern eigene Aktien kauft, sind in vielen Fällen positiv zu werten. Doch auch Aktienrückkäufe bergen Gefahren: So kann auch ein Aktienrückkauf-Programm „missbraucht“ werden – oder zumindest die Risiken erhöhen.

Die Banken-Branche ist ein Negativ-Beispiel

Als es den Banken vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 wirtschaftlich sehr gut ging, haben diese im großen Stil eigene Aktien zurückgekauft. Dadurch wurde Eigenkapital aufgezehrt, das im Zuge der Finanzkrise sehr hilfreich gewesen wäre.

Denn wenn die Eigenkapital-Basis der Banken größer gewesen wäre, hätten Sie nicht mit Ihren Steuergeldern einige der Banken vor dem Ruin retten müssen. Doch was war das Motiv der Banken für die Aktienrückkäufe? Es ging darum, die Eigenkapitalrendite (EK-Rendite) – die „Königs-Rendite“-Kennziffer für Banken – aufzupolieren.

Durch den Rückkauf von eigenen Aktien wird das Eigenkapital verringert. Das alleine verbessert noch nicht die EK-Rendite. Was also muss noch passieren? Das Unternehmen muss lediglich den Gewinn stabil halten, und schon wird durch die geringere Eigenkapital-Basis die EK-Rendite gesteigert.

Fazit: Aktienrückkäufe allein sind kein Kaufargument für eine Aktie

Sie haben nun erfahren, dass es gute Gründe für Aktienrückkäufe gibt und dass diese in den meisten Fällen positiv zu bewerten sind. Dennoch sollte ein Aktienrückkauf-Programm, isoliert betrachtet, nicht als Kaufargument für eine Aktie reichen.

Wählen Sie daher Aktien von Unternehmen aus, die den Spagat schaffen zwischen Aktienrückkäufen, der Ausschüttung von Dividenden, der Schaffung von ausreichend Eigenkapital und Investitionen in neue Geschäftsfelder. Dann steht einer guten Gesamtrendite nichts im Wege.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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