Cash Flow: Durchblick und Erfolg in 5 Schritten

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Liquidität geht vor Rentabilität – das gilt auch heute noch. Wenn Sie Ihrer Bank nachweisen können, dass die Liquidität Ihres […] (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Liquidität geht vor Rentabilität – das gilt auch heute noch. Wenn Sie Ihrer Bank nachweisen können, dass die Liquidität Ihres Unternehmens gesichert ist, steigen Ihre Ratingeinstufung und Ihre Kreditwürdigkeit automatisch. Eine herkömmliche Cash-Flow- Berechnung reicht dazu nicht mehr aus. Professionell weisen Sie Ihrer Bank die Liquidität mit einem so genannten Cash-Flow-Statement nach, das sich am internationalen Standard ausrichtet.

Bei der herkömmlichen Cash-Flow-Berechnung wird nur ermittelt, ob ausgehend vom Jahresergebnis ein Überschuss oder ein Fehlbetrag ermittelt worden ist. Das reicht den Banken nicht aus. Denn anhand des so ermittelten Cash-Flow ließe sich zwar sagen, dass Sie theoretisch in der Lage sind, die Kredite weiterhin zurück zu zahlen, aber nicht, ob die Liquidität dann auch noch für die Finanzierung des laufenden Geschäfts ausreicht.

5 Stufen – so geht’s

Deshalb sollten Sie eine aussagekräftige 5-stufige Cash-Flow-Berechnung vornehmen – nicht nur für die Bank, sondern auch für Ihre Finanzplanung: Cash-Flow aus dem Jahresergebnis, aus laufender Geschäftstätigkeit, aus dem Investitionsbereich, aus dem Finanzierungsbereich und als Veränderung der Gesamtliquidität.

In den ersten Stufen stellen Sie den Cash-Flow der unterschiedlichen Segmente zusammen. In der letzten Stufe fassen Sie die Teile in einem Gesamtergebnis zusammen.

Besondere Aufmerksamkeit schenken Sie dabei den Stufen 1 und 2. Zusammengefasst ergeben sie den operativen Cash-Flow. Hier kündigen sich Liquiditätsengpässe frühzeitig an. Häufig ist der Cash-Flow aus dem Jahresergebnis noch positiv. Doch zusammengenommen mit dem Cash-Flow aus dem laufenden Geschäftsbetrieb kann sich schon ein negatives Bild ergeben, auf das Sie noch rechtzeitig reagieren können. ?

Basel II und die Bedeutung des Cash-Flow

Nach den Vorschriften von Basel II sind die Banken verpflichtet, ihre Kreditnehmer einer Risikoeinschätzung zu unterziehen und dabei 3 Bereiche zu bewerten:

  1. 1.Finanzielles Risiko,

  2. 2.geschäftliches Risiko und

  3. 3.Managementrisiko.

Zur Beurteilung des finanziellen Risikos ist zu prüfen, ob das Unternehmen über die Fähigkeit verfügt, Erträge zu erwirtschaften, um Kredite zurückzuzahlen und anderen Finanzbedarf zu decken, wie beispielsweise Kapitalaufwand für das laufende Geschäft und zur Erhaltung des Cash-Flow.

Dies ist von den Banken anhand entsprechender Unterlagen sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft zu ermitteln. Für die Vergangenheit ermitteln die Banken diese Werte anhand der Bilanzzahlen, für die Zukunft benötigt die Bank von Ihnen Planwerte. Sie können Ihrer Bank anhand eines Cash-Flow-Statements die Liquiditätslage und auch die Liquiditätsentwicklung Ihres Unternehmens offen legen.

Nutzen Sie die Gelegenheit, die Liquiditätsentwicklung Ihres Unternehmens aus Ihrer Sicht darzustellen, und geben Sie dabei Ihrer Bank die Daten an die Hand, die sie braucht, um sich ein eigenes Bild zu machen. Banken messen der Beurteilung der Liquidität im Rahmen des Ratings besondere Bedeutung zu.

Informationen, die Sie Ihrer Bank mit einer Cash-Flow-orientierten Liquiditätssteuerung liefern können

Mit einem Cash-Flow-Statement, das sich an den International Accounting Standard (IAS) anlehnt, können Sie sich und Ihren Banken die Liquiditäts- und Finanzlage Ihres Unternehmens transparent darstellen.

Fühlt sich Ihre Bank in der Beurteilung Ihres Unternehmens sicher, da ein aussagefähiges Cash-Flow-Statement Aufschluss über die Liquiditätslage gibt, erreichen Sie eine bessere Bonitätseinstufung.

Fehlen der Bank diese Informationen, kann sie ihr Risiko schlechter einschätzen und stuft Sie – zu ihrer eigenen Sicherheit – zunächst einmal ungünstiger ein. Mit den Informationen eines Cash-Flow-Statements erreichen Sie bei Ihren Banken Beurteilungssicherheit in folgenden Punkten:

Liquidität geht vor Rentabilität

Der Grundsatz „Liquidität geht vor Rentabilität“ hat nach wie vor Gültigkeit. Oberste Priorität muss für Sie die Sicherung der Liquidität haben.

Dies gilt umso mehr, als die Banken nicht nur nach Basel II, sondern auch nach der Insolvenzordnung gezwungen sind, die Liquiditätsentwicklung ihrer Kreditnehmer besonders zu beachten.

  • Ob und in welchem Umfang Ihr Unternehmen Zahlungsüberschüsse erwirtschaftet

  • Ob und in welchem Umfang Ihr Unternehmen über die Fähigkeit verfügt, seine Verbindlichkeiten zu erfüllen

  • Welche Auswirkungen von den von Ihrem Unternehmen zu leistenden Zahlungsvorgängen ausgehen

  • Wie sich die Investitions- und Finanzierungsvorgänge Ihres Unternehmens auf die Liquidität auswirken

Die Ergebnisse eines Cash-Flow-Statements zeigen unter anderem, ob Ihrem Unternehmen ein Liquiditätsengpass droht oder ob Ihre Liquidität sicher ist.

Planen und überwachen Sie mit dem Cash-Flow Ihren Liquiditäts- und Finanzbedarf

Setzen Sie die Methode des Cash-Flow-Statements nicht nur zur Überwachung, Ermittlung und Darstellung Ihrer Liquiditätsentwicklung ein, sondern nutzen Sie sie darüber hinaus auch als Planungsinstrument für die Zukunft.

Vom „traditionellen“ zum „IAS“ Cash-Flow

Bisher sind in Deutschland Cash-Flow-Analysen überwiegend am wirtschaftlichen Erfolg ausgerichtet.

Diese Methode betrachtet jedoch nur den Erfolg in einer bestimmten Periode, meist des Geschäftsjahres, und kann deshalb auch nur Aufschluss über das in diesem Jahr erwirtschaftete Liquiditätsergebnis geben.

Da die Liquidität Ihres Unternehmens noch durch Investitionen, Finanzierungen und nicht zuletzt auch durch Ihre laufende Geschäftstätigkeit beeinflusst wird, erhalten Sie ein wirklich umfassendes Bild nur, wenn Sie auch diese Punkte in den Cash-Flow mit einbeziehen. Der „Stufen-Cash-Flow“ liefert Ihnen das gewünschte Gesamtergebnis.

Unterschiedliche Berechnungsarten des Cash-Flow

Wörtlich übersetzt bedeutet Cash-Flow Kassen- oder Finanzfluss. Da sich die deutsche Übersetzung nicht durchgesetzt hat, wird auch hierzulande der englische Ausdruck Cash-Flow benutzt.

Beim traditionellen Cash-Flow wird vom Jahresergebnis ausgehend ermittelt, ob ein Überschuss oder ein Fehlbetrag entstanden ist. Da in dieser Berechnung keine Zahlungsmittelbewegungen, sondern lediglich Erfolgsveränderungen erfasst sind, bleibt das Bild zwangsläufig unvollständig.

Sie können zwar mit einem so ermittelten Cash-Flow-Wert belegen, ob und in welchem Umfang Ihr Jahresergebnis die Rückzahlung von Krediten ermöglicht, den Nachweis, dass diese Liquidität auch zur Finanzierung des laufenden Geschäfts ausreicht, führen Sie allerdings nicht.

Verbessern Sie die Aussagekraft Ihrer Cash-Flow-Rechnung

Erst wenn Sie neben dem Jahresergebnis auch die laufende Geschäftstätigkeit, die Investitionen und die Finanzierungen in Ihre Berechnungen mit einbeziehen, erhalten Sie aussagekräftige Werte.

Die Cash-Flow-Rechnung in 5 Stufen

Um Ihren Cash-Flow am internationalen IAS-Standard auszurichten, sollten Sie weitere Punkte in Ihre Berechnungen aufnehmen.

5 Cash-Flow-Stufen

Stufe 1: Cash-Flow aus dem Jahresergebnis Stufe 2: Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit Stufe 3: Cash-Flow aus dem Investitionsbereich Stufe 4: Cash-Flow aus dem Finanzierungsbereich Stufe 5: Cash-Flow als Veränderung der Gesamtliquidität Im Folgenden zeigen wir Ihnen, wie Sie für Ihr Unternehmen ein aussagekräftiges Cash-Flow-Statement erstellen.

In einem ersten Arbeitsschritt stellen Sie die Teilsegmente des Cash-Flow dar, um sie zum Gesamtergebnis zusammenzufügen.

Stufe 1: Cash-Flow aus dem Jahresergebnis

Erfassen Sie anhand Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung alle Werte, die Kosten, aber keine Ausgaben, und alle Werte, die Erlöse, aber keine Einnahmen darstellen (Pos. 1 bis 12).

Das Ergebnis gibt Aufschluss darüber, wie viele liquide Mittel Sie innerhalb des Geschäftsjahres erwirtschaftet oder verbraucht haben. Um die folgenden Berechnungen übersichtlich zu halten, sind sowohl in der Gewinn- und Verlustrechnung als auch in der Bilanz lediglich die Positionen ausgefüllt, die für die Beispielrechnung benötigt werden.

Sie können die Zahlen, die Sie für Ihre Berechnungen benötigen, Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung entnehmen. Tragen Sie die benötigten Werte unter der entsprechenden Position in die Cash-Flow-Rechnung ein.

Position 2002 Erfassen Umsatzerlöse – Waren-/Materialeinsatz = Bruttoertrag + Sonstige betriebliche Erlöse = Rohertrag – Personalkosten – Sachkosten – Zinsen – Abschreibungen 80.000 õ Pos. 3 – Sonstiges = Gewinn 100.000 õ Pos. 1 = Verlust

Stufe 1: Cash-Flow aus dem Jahresergebnis

  1. Position Werte in õ Ihre Werte in õ 1. + Bilanzgewinn 100.000 2. – Bilanzverlust 3. + Abschreibungen auf Anlagevermögen 80.000 4. – Zuschreibungen auf Anlagevermögen 5. + Bildung von Ansparabschreibungen

Stufe 1: Cash-Flow aus dem Jahresergebnis (Erfolgswirtschaftlicher Cash-Flow) (Fortsetzung)

Dieses Ergebnis entspricht dem traditionellen Cash-Flow, dem jedoch nur ein begrenzter Informationswert beigemessen wird.

Das Problem: Obwohl Ihr erfolgswirtschaftlicher Cash-Flow positiv ist, können Sie in einen Liquiditätsengpass geraten, wenn beispielsweise Ihrem positiven Cash-Flow eine Erhöhung des Warenbestands gegenübersteht, die diesen Wert übersteigt. Ergänzen Sie deshalb in der 2. Stufe Ihre Berechnung um die Werte aus Ihrer laufenden Geschäftstätigkeit.

Stufe 2: Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit

Erfassen Sie alle liquiditätswirksamen Veränderungen Ihres Umlaufvermögens wie Erhöhung oder Verminderung von Warenbestand und Kundenforderungen und sonstigem Umlaufvermögen, sowie die Veränderungen von Lieferanten- und sonstigen Verbindlichkeiten (Pos. 14 bis 25).

Sie können die Zahlen, die Sie für Ihre Berechnungen benötigen, Ihren Jahresabschlussunterlagen (Bilanzen einschließlich Erläuterungen und Anhang) entnehmen.

Bilanzzahlen (Aktiva)

2001 2002 Aktiva Differenz Pos. in õ in õ A. Ausstehende Einlagen B. Aufwendungen für Ingangsetzung und Erweiterung des Geschäftsbetriebs C. Anlagevermögen Immaterielle Vermögensgegenstände Geschäfts- oder Firmenwert Geleistete Anzahlungen Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte und Bauten Technische Anlagen und Maschinen Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung Geleistete Anzahlungen und Anlagen im Bau Finanzanlagen Anteile an verbundenen Unternehmen Beteiligungen D. Umlaufvermögen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe Unfertige Erzeugnisse Fertige Erzeugnisse und Waren 300.000 500.000 200.000 14 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 80.000 120.000 40.000 16 Forderungen gegen verbundene Unternehmen Sonstige Vermögensgegenstände 40.000 20.000 20.000 21 Wertpapiere Schecks, Kassenbestand, Bankguthaben 50.000 20.000 30.000 19 E. Rechnungsabgrenzungsposten F. Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag Summe Aktiva

Bilanzzahlen (Passiva)

2001 2002 Differenz Pos. Passiva in õ in õ A. Eigenkapital Gezeichnetes Kapital Kapitalrücklage Gewinnrücklagen Gewinnvortrag/Verlustvortrag Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag B. Sonderposten mit Rücklagenanteil C. Rückstellungen Pensionsrückstellungen Steuerrückstellungen Sonstige Rückstellungen D. Verbindlichkeiten Verbindlichkeiten gegenüber Banken – davon Restlaufzeit bis 1 Jahr Verbindlichkeiten aus Lieferungen und 35.000 65.000 30.000 22 Leistungen Wechselverbindlichkeiten Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, zu denen ein Beteiligungsverhältnis besteht – davon Restlaufzeit bis zu 1 Jahr Sonstige Verbindlichkeiten 80.000 70.000 10.000 25 – davon aus Steuern – davon im Rahmen der sozialen Sicherheit – davon Restlaufzeit bis zu 1 Jahr Summe Passiva

Die folgenden Werte können Sie entweder den Bilanzerläuterungen oder dem Bilanzanhang entnehmen:

Werte in õ Pos. Zugang von Anlagevermögen 100.000 28 Abgang von Anlagevermögen Einlagen von Gesellschaftern/Unternehmer Entnahmen/Ausschüttungen an 80.000 31 Gesellschafter/Unternehmer Aufnahme von Krediten 200.000 32 Rückzahlung von Krediten 40.000 33

Tragen Sie die benötigten Werte unter der entsprechenden Position in die Cash-Flow-Rechnung ein.

Position Werte in õ Ihre Werte in õ 14. – Erhöhung der Vorräte 200.000 15. + Verminderung von Vorräten 16. – Erhöhung von Forderungen 40.000 17. + Verminderung von Forderungen 18. – Erhöhung der flüssigen Mittel 19. + Verminderung der flüssigen Mittel 30.000 20. – Erhöhung des sonstigen Umlaufvermögens 21. + Verminderung des sonstigen Umlaufvermögens 20.000 22. + Erhöhung der Verbindlichkeiten aus 30.000 Lieferungen und Leistungen 23. – Verminderung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 24. + Erhöhung der sonstigen Verbindlichkeiten 25. – Verminderung der sonstigen Verbindlichkeiten 10.000 26. = Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit – 170.000

Wenn Sie den erfolgswirtschaftlichen Cash-Flow um den Cash- Flow aus dem laufenden Geschäft erweitern, ermitteln Sie den Cash-Flow Ihres operativen Geschäfts.

Position Werte in õ Ihre Werte in õ 13. Cash-Flow aus dem Jahresergebnis + 180.000 26. Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit – 170.000 = Cash-Flow aus dem operativen Geschäft + 10.000

Nachdem Sie die liquiditätswirksamen Veränderungen im Working Capital mit in Ihre Berechnung einbezogen haben, können Sie feststellen, ob und in welchem Umfang Sie Liquidität erwirtschaftet oder verbraucht haben.

Fachworterklärung: Working Capital

Working Capital bedeutet so viel wie „Arbeitskapital“. Der Begriff wird auch mit „Nettoumlaufvermögen“ übersetzt. Sie ermitteln Ihr Working Capital in absoluten Werten, indem Sie von Ihrem Umlaufvermögen die kurzfristigen Verbindlichkeiten abziehen. Beispiel: Umlaufvermögen 500.000 õ – kurzfristige Verbindlichkeiten 300.000 õ = 200.000 õ Working Capital.

Falls Sie das Working Capital als Prozentwert ermitteln möchten, setzen Sie Umlaufvermögen und kurzfristige Verbindlichkeiten zueinander in Relation. Beispiel: 500.000 õ Umlaufvermögen × 100 ÷ 300.000 õ kurzfristige Verbindlichkeiten = 166,7 % Working Capital.

Je höher das Working Capital, umso günstiger ist die Liquiditätslage Ihres Unternehmens. Der Cash-Flow des operativen Geschäfts zeigt Ihnen den Betrag an, der Ihnen für Investitionen, Kreditrückzahlungen und Ausschüttungen zur Verfügung steht.

Der operative Cash-Flow: ein Frühwarnindikator

Da beim operativen Cash-Flow keine bilanzpolitischen Manipulationen möglich sind, eignet er sich als Frühwarnindikator. Unternehmenskrisen kündigen sich häufig als Liquiditätslücken im Working Capital an. Häufig ist der Cash-Flow aus dem Jahresergebnis noch positiv, während sich bereits beim Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit Anspannungen abzeichnen.

Beispiel: 100.000 õ positivem Cash-Flow aus dem Jahresergebnis stehen 200.000 õ negativer Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit gegenüber.

Bewerten Sie deshalb den Liquiditätsbedarf beim Working Capital besonders kritisch. Es macht einen bedeutenden Unterschied, ob sich Ihr Warenbestand wegen Umsatzwachstum und bewusst erweiterter Angebotspalette erhöht hat oder ob die Erhöhung eine Folge von Umsatzrückgang und Fehldispositionen beim Einkauf ist.

Um einer Fehlinterpretation des operativen Cash-Flow entgegenzuwirken, sollten Sie beachten, dass es in der Anlaufphase von jungen Unternehmen und bei einem starken Unternehmenswachstum ebenfalls zu einem (vorübergehenden) negativen Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit kommen kann.

Stufe 3: Cash-Flow aus dem Investitionsbereich

In der Stufe 3 erfassen Sie die Veränderungen beim Anlagevermögen (Pos. 27 und 28). Der Cash-Flow aus dem Investitionsbereich informiert Sie und Ihre Bank über den Mitteleinsatz für neue Investitionen und über den Mittelzufluss aus dem Verkauf von Anlagevermögen.

Vergleichen Sie den Cash-Flow aus dem operativen Geschäft mit dem Cash-Flow aus dem Investitionsbereich. So können Sie leicht feststellen, in welchem Umfang Ihr Unternehmen in der Lage war, Investitionen für Substanzerhaltung oder Wachstum aus eigener Kraft zu finanzieren, beziehungsweise in welchem Umfang Finanzbedarf herrscht.

Beispiel: Cash-Flow-Vergleich operatives Geschäft/Investitionsbereich

Wenn Sie einen positiven Cash-Flow von 300.000 õ im operativen Geschäft erwirtschaften und gleichzeitig 500.000 õ investieren, weist der Cash-Flow aus dem Investitionsbereich einen Mittelbedarf von 500.000 õ aus, den Sie zu 60 Prozent aus eigener Kraft, nämlich dem operativen Geschäft, decken konnten.

Die zur Berechnung des Cash-Flow aus dem Investitionsbereich benötigten Werte können Sie dem Anhang Ihrer Bilanz oder dem Anlagenverzeichnis entnehmen.

Position Werte in õ Ihre Werte in õ 27. + Einnahmen aus dem Abgang von Anlagevermögen 28. – Ausgaben für den Zugang von Anlagevermögen 100.000 29. = Cash-Flow aus dem Investitionsbereich – 100.000

Stufe 4: Cash-Flow aus dem Finanzierungsbereich

In der 4. Stufe (Pos. 30 bis 33) erfassen Sie die Liquiditätsveränderungen des Finanzierungsbereichs. Sie machen transparent, ob die Finanzierung aus eigenen Mitteln vorgenommen wurde oder die Ausschüttungen beziehungsweise Entnahmen höher waren als die Einzahlungen der Gesellschafter oder des Unternehmers.

Des Weiteren wird deutlich, ob Sie Kredite zurückgezahlt oder neue Kredite zur Deckung des Finanzbedarfs aufgenommen haben. Die Werte, die Sie zur Ermittlung des Cash-Flow aus dem Finanzierungsbereich benötigen, finden Sie im Regelfall in der Bilanz beziehungsweise in den Erläuterungen zur Bilanz. In der Bilanz selbst können die Finanzierungswerte saldiert ausgewiesen sein, so dass Sie daraus die benötigten Zahlen nicht erkennen können.

In diesem Fall können Sie die Werte „Aufnahme und Rückzahlung von Krediten“ aus einer Kapitaldienstübersicht ersehen, die Sie leicht selbst anhand der Bankauszüge erstellen können.

Nachdem Sie die 4 Teilstufen Ihrer Cash-Flow-Rechnung isoliert berechnet haben, können Sie durch eine Zusammenfassung das Gesamtergebnis ermitteln.

Stufe 5: Cash-Flow als Veränderung der Gesamtliquidität

Wenn Sie die Ergebnisse der Teilsegmente (Pos. 13, 26, 29 und 34) zusammenrechnen, ermitteln Sie die gesamte Liquiditätsveränderung des Geschäftsjahres. Ergänzen Sie diesen Wert noch um den Bestand am Jahresanfang, um Ihren gesamten Finanzmittelbestand darzustellen.

Position Werte in õ Ihre Werte in õ 13. Cash-Flow aus dem Jahresergebnis + 180.000 26. Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit – 170.000 29. Cash-Flow aus dem Investitionsbereich – 100.000 34. Cash-Flow aus dem Finanzierungsbereich + 80.000 + Finanzmittelbestand am Beginn des Geschäftsjahres + 70.000 = Finanzmittelbestand am Ende des Geschäftsjahres + 60.000

Wenn Sie das Instrument des Stufen-Cash-Flow zur Planung einsetzen, haben Sie frühzeitig alle Informationen zur Hand, um die Liquidität Ihres Unternehmens zu sichern.

Sofern Sie den Stufen-Cash-Flow als Planungsinstrument einsetzen, können Sie die Werte nicht mehr den Bilanzunterlagen entnehmen, sondern müssen zu Ihrer Unternehmensplanung greifen. Für diesen Fall kommen folgende Planungsunterlagen in Frage: Rentabilitätsvorschaurechnung, Investitionsplan und Finanzplan.

Nutzen Sie die Möglichkeiten, mit dem Stufen-Cash-Flow Ihre Liquidität für die Zukunft zu planen, um ein hohes Maß an Finanzierungssicherheit für Ihr Unternehmen zu erreichen. Stellen Sie diese Planwerte Ihrer Bank zur Verfügung, die dies beim Rating als positiv einstuft. Wenn Sie es vorziehen, Ihre Berechnung des Stufen-Cash-Flow manuell vorzunehmen, können Sie das folgende Formular dazu benutzen.

Position Werte in õ 1. + Bilanzgewinn 2. – Bilanzverlust 3. + Abschreibungen auf Anlagevermögen 4. – Zuschreibungen auf Anlagevermögen 5. + Bildung von Ansparabschreibungen 6. – Auflösung von Ansparabschreibungen 7. + Zunahme von Rückstellungen 8. – Abnahme von Rückstellungen 9. + Bildung von Rücklagen 10. – Auflösung von Rücklagen 11. + Sonstige zahlungsunwirksame Aufwendungen 12. – Sonstige zahlungsunwirksame Erträge 13. = Cash-Flow aus dem Jahresergebnis (Summe 1 bis 12) 14. – Erhöhung der Vorräte 15. + Verminderung von Vorräten 16. – Erhöhung von Forderungen 17. + Verminderung von Forderungen 18. – Erhöhung der flüssigen Mittel 19. + Verminderung der flüssigen Mittel 20. – Erhöhung des sonstigen Umlaufvermögens 21. + Verminderung des sonstigen Umlaufvermögens 22. + Erhöhung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 23. – Verminderung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 24. + Erhöhung der sonstigen Verbindlichkeiten 25. – Verminderung der sonstigen Verbindlichkeiten
Position Werte in õ 26. = Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit (Summe 14 bis 25) 27. + Einnahmen aus dem Abgang von Anlagevermögen 28. – Ausgaben für den Zugang von Anlagevermögen 29. = Cash-Flow aus dem Investitionsbereich (Summe 27 bis 28) 30. + Einzahlungen von Gesellschaftern/Unternehmer 31. – Auszahlungen an Gesellschafter/Unternehmer 32. + Aufnahme von Krediten 33. – Rückzahlung von Krediten 34. = Cash-Flow aus dem Finanzierungsbereich (Summe 30 bis 33) 13. Cash-Flow aus dem Jahresergebnis 26. Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit 29. Cash-Flow aus dem Investitionsbereich 34. Cash-Flow aus dem Finanzierungsbereich + Finanzmittelbestand am Geschäftsjahresbeginn = Finanzmittelbestand am Geschäftsjahresende (Summen 13, 26, 29 und 34)

Checkliste: Cash-Flow-Statement – eine überzeugende Darstellung der Liquiditätslage

  • Ermitteln Sie Ihren Cash-Flow nicht nur aus dem Jahresergebnis, sondern erfassen Sie auch die Veränderungen aus laufender Geschäftstätigkeit, Investitionen und Finanzierungen.
  • Fassen Sie den erfolgswirtschaftlichen Cash-Flow und den Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit zum operativen Cash-Flow zusammen.
  • Ermitteln Sie die Veränderungen beim Working Capital, und setzen Sie diese Werte in die Berechnungen zum operativen Cash-Flow ein.
  • Achten Sie auf die richtige Interpretation des operativen Cash-Flow.
  • Nutzen Sie das Ergebnis des operativen Cash-Flow als Frühwarnindikator.
  • Stellen Sie fest, welchen Anteil der für Anlagevermögen investierten Mittel Sie selbst erwirtschaftet haben.
  • Besprechen Sie mit Ihrer Bank die Ergebnisse Ihrer Berechnungen.
  • Nehmen Sie günstige Ergebnisse zum Anlass, um mit Ihrer Bank über Ihre Ratingnote zu sprechen, da Sie als liquiditätssicheres Unternehmen das Ausfallrisiko minimieren.
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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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