China überholt Deutschland: Neuer Exportweltmeister

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Chinas Volkswirtschaft glänzt im Pandemiejahr, Deutschland kommt mit einem blauen Auge davon. Was bringt das neue Jahr? (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Die Welt blickt auf China. Dass das Reich der Mitte als einzige bedeutsame Volkswirtschaft der Welt im von der Pandemie geprägten Krisenjahr 2020 ein Plus beim Wirtschaftswachstum vermelden kann, war relativ erwartbar.

Um 2,3 Prozent legte das chinesische Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr zu. Das ist für dortige Verhältnisse zwar ziemlich schwach – gewohnt war man jahrelang Wachstumsraten von 6 Prozent, 8 Prozent und mehr. Doch dass es überhaupt für ein Plus reicht, ist bemerkenswert angesichts der Vollbremsung der Wirtschaft weltweit über gleich mehrere Monate des Jahres 2020.

Deutschlands Wirtschaft bricht ein – aber nicht so schlimm wie befürchtet

In Deutschland etwa ging das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 5,0 Prozent zurück. Nach mehrjähriger Wachstumsphase ist die Bundesrepublik damit in eine tiefe Rezession geschlittert, die allerdings unterm Strich weniger dramatisch ausfiel als viele Beobachter zuvor befürchtet hatten.

Ökonomen hatten im früheren Jahresverlauf Konjunktureinbrüche von 7 oder 8 Prozent vorhergesagt, doch vor allem die Sommermonate entwickelten sich besser als gedacht. Auch kam es im vierten Quartal trotz verschiedener Lockdown-Maßnahmen und Schließungen von Gastronomie und Einzelhandel nicht erneut zu Produktionsstopps oder Unterbrechungen von Lieferketten, die im Frühjahr die Wirtschaft grenzübergreifend lahmgelegt hatten.

Dass China aber nun Deutschland auch als Exportweltmeister überholt hat, schmerzt die hiesige Volksseele. Deutschland definiert sich stark über sein Qualitätssiegel „Made in Germany“. Doch es ist nicht zuletzt das Produktportfolio, das China nun auf Platz 1 des Außenhandels katapultiert hat.

Exportweltmeister China: Die richtige Ware in der Auslage

Deutsche Exportgüter sind vor allem Autos. Die sind aber in der Neuanschaffung recht hochpreisig, was sich in konjunkturell unsicheren Zeiten wie 2020 weder Privathaushalte noch Firmenkunden unbedingt leisten wollten. Luxusanschaffungen wurden verschoben auf bessere Zeiten, nur wenn es wirklich notwendig war, wurden Autos gekauft.

China hingegen produziert Güter, die gerade während der Pandemie besonders gefragt sind. Dazu zählen etwa medizinische Schutzmasken, die 2020 zeitweise zur Mangelware wurden. Aber auch Technologieprodukte wie PCs, Laptops, Tablets oder entsprechendes Zubehör sowie dafür benötigte Komponenten werden vielfach in China gefertigt – also alles, was der Arbeitnehmer im Home Office klassischerweise benötigt.

Was bringt 2021 für die Konjunktur?

Insgesamt entwickelten sich beide Volkswirtschaften – die deutsche wie die chinesische – robuster als gedacht. Für 2021 sind die Prognosen zudem wesentlich besser: Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für China ein Wirtschaftswachstum von 7,9 Prozent im neuen Jahr, für Deutschland gehen die Vorhersagen je nach Institut recht weit auseinander. Die OECD rechnet mit einem Plus von 2,8 Prozent, das Ifo-Institut mit einem Anstieg um 4,2 Prozent und das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung blickt am optimistischsten in die Zukunft und sagt ein deutsches Wirtschaftswachstum von 4,9 Prozent im laufenden Jahr voraus.

Sämtliche Prognosen sind allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet, die in erster Linie mit der weiteren Entwicklung der Pandemiesituation zusammenhängen – in Deutschland, aber auch bei den wichtigen Handelspartnern in Europa und dem Rest der Welt. Einig sind sich die Ökonomen darin, dass das erste Quartal noch eher von wirtschaftlicher Schwäche geprägt sein dürfte. Mit nachhaltiger Erholung wird eher in der zweiten Jahreshälfte gerechnet.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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