Pinduoduo: Chinesische E-Commerce-Plattform im Hypergrowth-Modus

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Die chinesische Onlineplattform Pinduoduo - ein Alibaba-Rivale - kann mit hohem Kundenwachstum und Umsatzvervielfachung punkten. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Im Reich der Mitte entstehen immer mehr Unternehmen, die im Technologiebereich innerhalb kürzester Zeit in bedeutende Dimensionen vordringen. So auch Pinduoduo: Das 2015 gegründete und hierzulande eher wenig  bekannte Unternehmen hat sich Innerhalb kürzester Zeit nach Alibaba zur zweiterfolgreichsten E-Commerce-Plattform in China entwickelt. Und die gerade vorgelegten Zahlen zur Geschäftsentwicklung im ersten Quartal zeigen, dass die Erfolgsgeschichte offenbar noch lange nicht zu Ende ist.

Pinduoduo – der Shooting Star unter den Onlineplattformen

Als Colin Huang, Sohn zweier Fabrikarbeiter, im Jahr 2015 die Social-Commerce-Plattform Pinduoduo gründet, ist der E-Commerce-Markt in China zwischen den beiden dominanten Playern JD.com und Alibaba verteilt. Ursprüngliche bestand Geschäftsmodell darin, Obst und Gemüse von Landwirten aufzukaufen und online direkt an Konsumenten zu vermarkten. Das neu gegründete Unternehmen hatte anfangs weder eine eigene Website noch eine App, sondern nutzte stattdessen Wechat-Gruppen, um Kunden zu gewinnen.

Gruppeneinkauf spielt weiterhin eine zentrale Rolle

Das sogenannte Team-Shopping ist immer noch der wesentliche Grundpfeiler für den Erfolg: Konsumenten tauschen sich in einer Community über bestimmte Produkte aus, bewerten sie und kaufen dann zusammen im Team ein, um an Rabatte zu kommen. Wer es schafft, eine entsprechend große Community hinter sich zu scharen, hat sogar die Möglichkeit, bestimmte Produkte kostenlos zu bekommen. Das ist smart, weil es den Netzwerkeffekt fördert und Nutzer dazu bringt, aktiv auf der Plattform zu sein.

Zumal das Unternehmen seinen Kunden einen permanenten Newsfeed mit personalisierten Rabattangeboten liefert. Darüber hinaus hat der Konzern verschiedene Onlinespiele entwickelt, mit denen die Interaktion zwischen Käufer und Verkäufer intensiviert wird.

Produktspektrum massiv erweitert

Pinduoduo hat erfolgreich die Zwischenhändler eliminiert und das Einzelhandelsmodell von einer Angebots- zu Nachfrageorientierung umgedreht. Mittlerweile spielen Obst und Gemüse nur noch eine geringe Rolle. Das Angebot reicht von Bekleidung über Elektronik bis hin zu Lebensmitteln aller Art. Geld verdient der Konzern auf zwei Arten: Neben einem kleinen Anteil über Transaktionskosten wird der Großteil des Geschäfts über Werbeerlöse generiert. Anbieter zahlen also Werbung, damit ihre Produkte besser platziert werden und die Absatzchancen steigen.

Pinduoduo zündet den Wachstumsturbo

Die gerade präsentierten Quartalszahlen waren beeindruckend und mögen den ein oder anderen Leser vielleicht Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Ob da alles mit rechten Dingen zugeht? So schossen die Umsätze mit einem Plus von 239% auf 22,17 Milliarden Yuan (rd. 2,9 Milliarden Euro) förmlich durch in die Höhe. Die Analystenschätzungen wurden damit um 2,47 Milliarden Yuan übertroffen.

Dabei spalteten sich die Umsätze wie folgt auf: Online Marketing Services trug mit einem Umsatz von 14,11 Mrd. Yuan (+157%) insgesamt 63% zu den Gesamterlösen bei. In der Sparte Transaction Services erreichte das Unternehmen ein Umsatzplus von 180% auf knapp 2,93 Mrd. Yuan (13% Umsatzbeitrag), während der neue Bereich Merchandise 5,12 Mrd. Yuan beziehungsweise 23% der gesamten Umsätze lieferte.

Zahle der Nutzer steigt weiter rasant

Nicht nur Umsatzseitig, sondern auch bei der Kundenentwicklung konnte die chinesische Online-Plattform punkten. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer erhöhte sich auf 725 Millionen. Das ist ein Zuwachs um 49% zum vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Nicht nur die absolute, sondern auch die relative Dimension ist gewaltig. Damit ist die Hälfte der chinesischen Gesamtbevölkerung auf der Pinduoduo-Plattform unterwegs.

Gewinnschwelle noch nicht in Sichtweite

Von Gewinnen ist der Konzern aber noch weit entfernt. Am Ende stand ein Nettoverlust von 2,9 Milliarden Yuan (rd. 380 Millionen Euro) in den Büchern. Das ist zwar weniger als im Vorjahresquartal (4,1 Mrd. Yuan), aber dennoch Lichtjahre vom Niveau des hochprofitablen Rivalen Alibaba entfernt.

Die Anleger zeigen sich in einer ersten Reaktion unbeeindruckt von den Zahlen. Nachdem sich die Aktie von August 2018 bis Februar 2021 verzehnfachte, suchen die Papiere weiter ihren Boden. Mit rund 120 Dollar notiert die Aktie 40% unter ihrem Allzeithoch.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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