Wo ist Jack Ma?

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Der Alibaba-Gründer ist nach regimekritischen Äußerungen seit Monaten von der Bildfläche verschwunden. (K)Ein Problem für China? (Foto: testing)

Verschwunden, verhaftet, verschleppt oder abgetaucht? Um den Verbleib des chinesischen Multimilliardärs Jack Ma ranken sich derzeit die wildesten Gerüchte.

Seit Ende Oktober ist der zweitreichste Mann der Volksrepublik aus der Öffentlichkeit verschwunden. Sein letzter bekannter Auftritt war eine Rede, in der er die Staatsführung in Peking scharf kritisierte und den Regulierungsbehörden sinngemäß veraltete Methoden vorwarf, die Innovation ausbremsten.

Kurz darauf stoppten eben jene Behörden den für Anfang November geplanten Börsengang der Alibaba-Tochter Ant Group. Die Erstnotierung des Finanzdienstleisters hätte der größte Börsengang aller Zeiten werden sollen. Ein öffentliches Statement von Alibaba-Gründer Ma gab es in diesem Zusammenhang bis heute nicht.

Gefährliche Regimekritik

Wer in China das Regime kritisiert, lebt gefährlich. Immer wieder wurden in der Vergangenheit nicht nur Privatpersonen, sondern auch einflussreiche und bekannte Unternehmer verschleppt oder zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, wenn sie Peking zu heftig auf den Schlips getreten waren.

Wie empfindlich das Regime reagiert, ließ sich kürzlich erst beobachten, als eine junge Bloggerin, die die Geschehnisse in Wuhan Anfang 2020 online dokumentierte, zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Dass Ma verhaftet wurde, gilt als unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich – allein diese Ungewissheit lässt westliche Geschäftsleute aufhorchen, die über eine Niederlassung oder ein Investment in der Volksrepublik nachdenken.

Für wahrscheinlich halten Beobachter indes die Vermutung, wonach die Einheitspartei dem Unternehmer nahegelegt haben dürfte, sich vorerst bedeckt zu halten. Sein Rückzug aus der Öffentlichkeit könnte somit temporär begrenzt sein, bis sich die Wogen etwas glätten. Inzwischen steht die Ant Group, deren Börsengang so kurzfristig verhindert wurde, kartellrechtlich unter Druck und steht im Zentrum entsprechender Ermittlungen.

Pekings problematischer Umgang mit Kritikern

Für Peking ist der Umgang mit Jack Ma ein Spiel mit dem Feuer. Alibaba wird oft als „chinesisches Google“ bezeichnet, der Internetkonzern zählt zu den meistgenutzten Anbietern überhaupt, und auch Firmengründer Ma genießt in der chinesischen Bevölkerung hohe Beliebtheitswerte.

Nicht zuletzt deshalb gilt ein rigoroses Wegsperren als eher unwahrscheinlich, doch die Gerüchteküche brodelt, vor allem in der westlichen Wirtschaftspresse. Als erstes hatte die britische Financial Times über den Verbleib von Jack Ma spekuliert, nachdem dieser einer Fernsehaufzeichnung ferngeblieben war und als Jury-Mitglied in einer Gründer-TV-Show ersetzt wurde, „aus Termingründen“, wie es offiziell hieß.

Seither sind immer mehr Medien auf der Suche nach dem Milliardär, bislang ohne Erfolg. Auch bei Alibaba weiß man offenbar nichts über den Verbleib des Gründers, nach Auskunft von Mitarbeitern soll es auch intern keine näheren Informationen zu dem Fall geben.

Chinas Geld lässt Diskussionen verstummen

Für China kann ein solches Vorgehen gegen unliebsame Kritiker auf Dauer zum Problem werden, denn es widerspricht den Gepflogenheiten westlicher Geschäftspartner. Auf der anderen Seite hat die Volksrepublik in den vergangenen Jahren massiv investiert, auch in Europa und hier vor allem in Deutschland. Es ist auch chinesisches Geld, das den Laden hier am Laufen hält.

Diskussionen um Menschenrechte und Meinungsfreiheit werden daher traditionell eher zurückhaltend geführt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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