LG zieht die Reißleine: Abschied vom Smartphone

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LG stampft sein Smartphone-Geschäft ein und verabschiedet sich zur Jahresmitte aus dem Segment. Anleger zeigen sich erleichtert. (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

LG gibt auf: Der südkoreanische Hersteller will sich noch in diesem Jahr komplett aus dem Smartphone-Geschäft zurückziehen. Das gab das Unternehmen Anfang der Woche bekannt – sehr zur Freude der Anleger, die daraufhin beherzt zugriffen bei den LG Aktien.

Der Aufwärtstrend des Aktienkurses hält bereits seit Januar an. Damals hatte LG erstmals angedeutet, sämtliche Optionen für den weiteren Umgang mit der Handysparte prüfen zu wollen – und damit auch einen Schlussstrich explizit nicht ausgeschlossen.

LGs Smartphone-Sparte: Jahrelanges Sorgenkind

Seit fünf Jahren in Folge hat die Sparte nun Verluste eingefahren, die goldenen Zeiten, in denen LG-Smartphones ganz oben im Weltmarkt mitmischen konnten, sind längst vorbei. Ähnlich wie zuvor bereits HTC verschwanden die LG-Geräte zunehmend in der Bedeutungslosigkeit und büßten weltweit betrachtet massiv Marktanteile ein.

Dabei hatte sich LG noch vor wenigen Jahren erfolgreich als Kooperationspartner von Google bei der Produktion von dessen eigener Smartphone-Reihe Nexus positioniert. Doch am Ende reichte es nicht mehr, die Konkurrenz war insgesamt einfach zu stark.

Aufgerieben zwischen Platzhirschen und Billigkonkurrenz

Fast die Hälfte aller weltweit verkauften Smartphones stammen entweder von Samsung oder von Apple. Die beiden Marktführer liefern sich einen Wettbewerb bei technologischen Innovationen, verfolgen ansonsten aber grundlegend unterschiedliche Konzepte. Während Apple nur wenige Modelle unterhält und ausschließlich das hochpreisige Segment bedient, vertreibt Samsung verschiedene Modellreihen in unterschiedlichen Preiskategorien.

Im vergangenen Jahr erreichten LG-Geräte einen globalen Marktanteil von gerade einmal 2 Prozent. Stärker vertreten war man in Nordamerika, wo LG mit 10 Prozent Marktanteil drittgrößter Smartphone-Anbieter war.

Halbleiterknappheit macht LG Electronics zu schaffen

Gerade im Low Budget Bereich konnten sich in den vergangenen Jahren allerdings auch diverse chinesische Hersteller etablieren, vor allem im asiatischen Raum verkaufen sie zahllose Geräte. Zwischen diesen beiden Polen – der Billigkonkurrenz aus China und den uneinholbaren Vorreitern Samsung und Apple – wurden das Angebot von LG aufgerieben.

Trotz der Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer kam das Geschäft nicht aus den roten Zahlen. Beobachter sehen einen Grund dafür auch in der Abhängigkeit von LG von Halbleitern anderer Anbieter. In den vergangenen Monaten hat die weltweite Halbleiterknappheit immer wieder für Schlagzeilen und Engpässe gesorgt, doch während etwa Samsung auf in-house-Produkte zurückgreifen konnte, war LG auf externe Zulieferer angewiesen.

LG Electronics Aktie: Anleger erleichtert über Ende mit Schrecken

Nun also wählen die Südkoreaner das Ende mit Schrecken nach fünf Jahren Schrecken ohne Ende. Künftig will sich das Unternehmen auf seine zahlreichen anderen Standbeine fokussieren: LG Electronics, das zur mächtigen LG Gruppe gehört, hat unter anderem Haushaltsgeräte, Autobatterien und Komponenten für Elektrofahrzeuge in der Produktpalette und will die besonders zukunftsträchtigen Geschäftsfelder nun stärker ausbauen.

Anleger blicken optimistisch in die Zukunft: Allein in den vergangenen sechs Monaten hat sich die LG Electronics Aktie um rund 70 Prozent verteuert, auf Jahressicht liegt der Kurs fast 200 Prozent im Plus.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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