Berichtssaison an der Börse: Bleiben Sie gelassen!

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Täglich werden Dutzende Quartalsberichte veröffentlicht. Betrachten Sie die Daten mit mehr Gelassenheit. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Haben Sie auch das Gefühl, dass die Zeit im Flug vergeht? Das 2. Quartal 2021 ist erst seit wenigen Wochen vorbei, doch die ganz fixen Unternehmen haben die Daten schon so gut verarbeitet, dass sie bereits ihren Aktionären die Zahlen für den Zeitraum April bis Juni (und zusätzlich den Halbjahresbericht) präsentieren konnten.

Insbesondere bei kleineren Unternehmen können Abweichungen schnell zweistellige Kursreaktionen auslösen. In dieser Berichtssaison wurde aber auch ein Börsen-Gigant wie Amazon kurzfristig abgestraft. Dabei gilt, dass negative Abweichungen in der Regel stärker bestraft werden als positive Abweichungen belohnt werden.

Quartalszahlen oft nicht aussagekräftig

Wie schon mehrfach in der Vergangenheit geschrieben, bin ich kein Anhänger der Quartalszahlen. Mini-Zeiträume von nur drei Monaten sind schlicht und einfach zu kurz, um eine Aussagekraft zu haben.

Bei kleineren Unternehmen kann schon eine einzelne Auftragsverschiebung reichen, um Umsatz und Gewinn auf Quartalsebene zu beeinflussen. Jahreszahlen sind elementar wichtig, Halbjahreszahlen sind in kurzer Form ein hilfreicher Zwischen-Check, aber 3-Monats-Zahlen braucht kein Mensch. Die Aussagekraft ist viel zu gering.

Geld- und Zeitverschwendung

Mein zweiter Kritikpunkt: Der Aufwand ist für die Unternehmen viel zu groß. Jeder Quartalsbericht bindet Management-Kapazitäten und blockiert Verwaltungseinheiten in den Unternehmen. In der Buchhaltung kann man sich oft nur noch von Quartal zu Quartal hangeln. Es fehlt dann die Zeit für das eigentliche operative Geschäft.

Und der wichtigste Kritikpunkt: Die Unternehmen werden faktisch gezwungen, eine falsche Perspektive zu wählen. Da die Aktienmärkte (leider) so stark auf die Quartalszahlen achten, steht in vielen Unternehmen das Erreichen der 3-Monats-Ziele im Vordergrund. Maßnahmen, die diese Ziele gefährden, werden verdrängt. Ein Zeithorizont von drei Monaten kann aber nicht für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung entscheidend sein. Das Management muss die nächsten Jahre – bei großen Investitionen Jahrzehnte – im Blick haben, nicht die kommenden zwölf Wochen.

Auch an der Börse gilt: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint! Die Quartalsberichte der Unternehmen sollten ein schöner Extra-Service für die Aktionäre sein, verändern aber im hektischen Internet-Zeitalter, wo Börsenentscheidungen zum Teil in weniger als eine Sekunde getroffen werden, zu stark den Blickwinkel.

Auch Warren Buffett kritisiert Quartals-Denke

Die Kritik an der “Quartals-Denke” wird auch in den Unternehmen lauter. Warren Buffett, der legendäre Chef der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway und Jamie Dimon, Chef der einflussreichen US-Bank JP Morgan, haben sich schon vor gut drei Jahren an die Spitze der Bewegung gesetzt.

Eine konkrete Maßnahme: Buffett und Dimon legen zwar weiterhin Quartalszahlen vor, verzichten jedoch darauf, Quartalsprognosen abzugeben. Das ist zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung. Buffett begründet auch seine kritische Haltung: “Wenn es Managern nur noch darum geht, die gesetzten Zahlen zu erreichen, handeln sie oft nicht im langfristigen Interesse des Unternehmens.”

Betrachten Sie die Zahlen mit mehr Gelassenheit

Wir als Privatanleger können den Wahn der Quartalszahlen nicht stoppen, aber wir können die Zahlen mit mehr Gelassenheit betrachten. Schon das sorgt für etwas mehr Ruhe und mehr Nachhaltigkeit bei der Geldanlage.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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