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Bezahldienste: Worldline schluckt Ingenico

Inhaltsverzeichnis

Der Konsolidierungsprozess im Bereich der Bezahldienste schreitet voran: Heute morgen verkündeten die Vorstände der französischen Zahlungsdienstleister Worldline SA und Ingenic Group SA, dass sie sich einstimmig über den Zusammenschluss ihrer Unternehmen geeinigt haben.

Konkret bietet Worldline den Ingenic-Aktionären etwa 8,7 Mrd. Euro für die Übernahme. Durch die geplante Transaktion entsteht die weltweite Nummer 4 unter den Zahlungsdienstleistern. Das Fusionsunternehmen wäre mit mehr als 20.000 Mitarbeiter in etwa 50 Ländern vertreten.

Hauptangebot mit solider Prämie

Laut Vereinbarung können die Anteilseigner von Ingenico gleich zwischen drei Angebotsvarianten wählen. Im Rahmen der als Hauptangebot bezeichneten Offerte bietet Wordline den Ingenico-Aktionären für 7 angediente Aktien 11 Worldline-Papiere und 160,50 Euro in bar. Dieses Angebot beinhaltet eine Übernahmeprämie von +24%, wenn man die gewichteten Durchschnittskurse des vergangenen Monats zugrunde legt.

Alternative Angebote

In einem zweiten Umtauschangebot bietet Worldline 56 eigene Aktien im Tausch gegen 29 Ingenico-Papiere an. Dies entspricht einem Angebotspreis von 123,10 Euro, berechnet auf Basis des Schlusskurses beider Aktien vom 31. Januar 2020.

Darüber hinaus können Ingenico-Aktionäre auch ein reines Barangebot wählen. Entscheiden Sie sich für diese Option, erhalten sie für jedes angediente Ingenico-Papier 123,10 Euro in bar.

Ingenico legt zu – Worldline gibt nach

Wie nicht anders zu erwarten, sind die Ingenico an der Pariser Euronext heute sehr gefragt. Der Kurs stieg am Morgen um +12,15% auf 117,35 Euro. Allerdings liegt er damit noch deutlich unter dem Barangebot. Diese verhaltene Kursreaktion deutet darauf hin, dass der Markt die Übernahme eher skeptisch bewertet.

Auf der anderen Seite haben die Worldline-Papiere heute deutlich verloren. Zu Börsenbeginn gaben sie um -6,1% nach und erholten sich im Laufe des Vormittags nur leicht. Die Investoren sind offensichtlich der Auffassung, dass Worldline einen zu teuren Deal eingegangen ist.

Die Größe zählt

Auf dem Markt für Zahlungsdienstleister herrscht ein Verdrängungswettbewerb. Daher sind Größenvorteile besonders wichtig. Dies macht auch Gilles Grapinet, Chairman und Chief Executive Officer von Worldline, in seinem Statement deutlich:

„Dies ist eine bahnbrechende Transaktion für die wirtschaftliche Konsolidierung des europäischen Zahlungsverkehrs, die für all unsere Stakeholder und für die Aktionäre beider Unternehmen einen hohen Mehrwert schafft und die darauf abzielt, die Rolle Europas innerhalb des globalen digitalen Zahlungsökosystems zu stärken.“

Marktführerschaft in Deutschland

Das fusionierte Unternehmen würde auch auf dem deutschen Markt eine Führungsposition einnehmen. So ist Ingenico bereits heute an dem Bezahlsystem Payone beteiligt, welches es gemeinsam mit dem Deutschen Sparkassenverlag betreibt. Durch die zusätzliche Einbindung der Vertriebskapazitäten von Worldline würde die Position von Payone weiter ausgebaut werden können.

Wie es weitergeht

Das Übernahmeangebot soll im Juni bzw. Juli bei der französischen Aufsichtsbehörde AMF eingereicht werden. In der Übernahmevereinbarung wurde eine Mindestannahmequote von 60% des Aktienkapitals von Ingenico vereinbart.

Die Transaktion unterliegt darüber hinaus den üblichen Bedingungen wie z.B. der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden, der Fusionskontrolle sowie der Zustimmung der Aktionäre von Worldline. Die Übernahme soll im dritten Quartal 2020 abgeschlossen werden.