Branchen-Ausblick 2021: Gewinner-Aktien nach der Krise

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In Sachen Corona-Krise gibt es Lichtblicke. Von der Wiedereröffnung der Wirtschaft könnten mehrere Branchen und Aktien profitieren. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Das Jahr 2020 stand ganz im Zeichen der Corona-Krise. Die Virus-Pandemie hat die Weltwirtschaft schwer getroffen. Ersten Schätzungen zufolge dürfte die Weltwirtschaft in 2020 um rund 4,2% geschrumpft sein, womit mehrere Billionen US-Dollar an Wirtschaftsleistung verloren gingen.

Durch abgestimmte Gesundheitsmaßnahmen und Impf-Kampagnen besteht die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft in 2021 wieder um 4,2% wachsen wird, so die OECD in ihrem Wirtschaftsausblick im Dezember 2020.

Tourismus-Industrie vor Comeback in 2021?

Von der Wiedereröffnung der Wirtschaft könnte vor allem die stark gebeutelte Tourismusbranche profitieren. Schätzungen gehen davon aus, dass der weltweiten Reiseindustrie im Jahr 2020 Umsätze in Höhe von über 810 Mrd. US-Dollar entgangenen sind (Quelle: Statista). Doch die Branche könnte im zweiten Halbjahr 2021 vor einem Comeback stehen.

Airbnb Aktie: Rückkehr zu Umsatzwachstum?

Vor allem den Börsenneuling Airbnb hat es in 2020 hart getroffen. Der Pionier in Sachen Zimmer-Vermittlung musste im Dezemberquartal einen hohen Verlust in Höhe von 3,9 Mrd. US-Dollar ausweisen. Der Quartalsumsatz brach um 22% auf 859 Mio. US-Dollar ein, nachdem die Übernachtungsbuchungen um 39% fielen.

Einen Umsatz- und Gewinnausblick für 2021 wollte AirBnb aufgrund der unübersichtlichen Lage im Pandemie-Geschehen zwar nicht abgeben, doch Analysten erwarten bei Airbnb im laufenden Jahr eine Rückkehr zum Wachstum. Konkret wird mit einem Umsatzsprung um knapp 39% auf 4,69 Mrd. US-Dollar kalkuliert, wenngleich am Jahresende noch ein Minus pro Aktie erwartet. Die Airbnb Aktie gilt daher als Profiteur, wenn die Tourismus-Industrie wieder in Gang kommt.

Disney-Parks vor Wiedereröffnung – kann die Aktie profitieren?

Der US-Unterhaltungskonzern Walt Disney hatte im Frühjahr 2020 all seine Hotels und Themenparks aufgrund der Corona-Krise geschlossen. Im April soll zumindest das Disneyland Resort in Südkalifornien wieder vorsichtig für erste Besuchergruppen geöffnet werden.

Disney-Chef Bob Chapek kündigte bereits an, Attraktionen erweitern und die Effizienz von Themenparks heben zu wollen. Auch will Disney das Kundenerlebnis verbessern, indem Gäste einfacher Zutritt zu Attraktionen erhalten sollen, so Chapek.

Die Disney Aktie hatte Ende letzten Jahres schon stark zugelegt, nachdem der im März 2020 gestartete Streaming-Dienst Disney+ sehr gut bei den Kunden ankam. Inzwischen zählt Disney+ rund 95 Mio. Abonnenten und bald könnte die Marke von 100 Millionen Abonnenten fallen. Denn im März verdoppelte der Streaming-Dienst die Anzahl der TV-Shows und Filme, nachdem der der neue Kanal Star an den Start ging, der sich mehr an Erwachsene richtet. Die Disney Aktie gilt daher für eine Wiedereröffnung der Wirtschaft als bestens positioniert.

Digitalisierung des Finanzwesens: Fintech wird erwachsen

Die Banken-Industrie befindet sich im Umbruch. Die Corona-Krise dürfte diesen Trend noch verstärken. Schätzungen gehen davon aus, dass allein US-Banken bedingt durch die Corona-Pandemie etwa 318 Mrd. US-$ an Krediten bis Ende 2022 abschreiben müssen.

Viele Banken suchen infolge der Niedrigzins-Politik nach neuen Geschäftsmodellen, deren Umsetzung aber nicht einfach sein wird. Der Grund ist die starke Konkurrenz, durch junge, innovative Fintech-Firmen. Hierzu zählen nicht nur Firmen wie Square, PayPal, sondern auch Newcomer wie die Krypto-Börsen wie Coinbase und Kraken, die beide an die Börse drängen.

PayPal setzt auf das Krypto-Geschäft

PayPal hat bereits angekündigt, eine eigene Krypto-Sparte gründen zu wollen, um das Geschäft mit Kryptowährungen weiter ausbauen zu wollen. Schon seit Ende 2020 bietet PayPal seinen Kunden in den USA den Kauf und die Verwahrung von 4 verschiedenen Kryptowährungen an.

PayPal hat jüngst den Kreditkarten-Spezialisten Mastercard in puncto Börsenwert überholt. Analysten glauben, dass PayPal seinen Vorsprung in den nächsten Jahren weiter ausbauen wird. Für 2025 visiert PayPal 750 Mio. Kunden und einen Umsatz von mehr als 50 Mrd. US-Dollar an.

Gesundheitsdienstleistungen auch nach Corona gefragt

Die Corona-Krise hat die Aktien der Impfmittel-Hersteller Biontech und Moderna bereits kräftig steigen lassen. Aber auch andere Dienstleister wie Teladoc Health haben enorm profitiert.

Die Nutzung von Telemedizin kletterte im vergangenen Jahr um 1.000 %, so ein Forschungspapier von JAMA Network. Die Fortune Business Solutions schätzt, dass sich der Telemedizin-Markt auf 560 Mrd. US-Dollar bis zum Jahr 2027 vervielfachen wird, nachdem die Branche in 2019 „nur“ 61 Mrd. US-$ umsetzte.

Teladoc setzt mit Livongo-Zukauf ein Ausrufezeichen

Der amerikanische Telemedizin-Gigant Teladoc Health hatte sich im Herbst 2020 durch die 18,5 Mrd. US-Dollar schwere Übernahme von Livongo verstärkt. Livongo bietet eine Reihe von Coaching-Services an und hilft Menschen bei der Bewältigung von chronischen Krankheiten, um ihren Lebensstandard zu verbessern.

Durch den Zusammenschluss von Teladoc und Livongo entsteht ein neuer Gigant im Bereich Gesundheitstechnologie, der im Jahr 2021 voraussichtlich rund 2 Mrd. US-Dollar umsetzen wird.

Fazit: Korrektur bei Tech-Aktien bietet Chancen für Anleger

Die jüngste Korrektur unter den Tech-Aktien dürfte für langfristig orientierte Anleger durchaus Chancen bieten. Impf-Kampagnen sind weltweit auf dem Vormarsch, womit die Chancen auf eine Rückkehr zur Normalität in der zweiten Jahreshälfte steigen.

Davon dürften auch verschiedene Wirtschaftszweige (Tourismus etc.) profitieren, die besonders unter der Pandemie gelitten haben. Der Bereich Telemedizin ist längst kein Nischenmarkt mehr und dürfte auch in den kommenden Jahren weiterwachsen – trotz Pandemie-Ende. Unter dem Strich bietet das absehbare Ende der Virus-Pandemie für Anleger eine gute Gelegenheit, das Depot umzuschichten und sich neu zu positionieren.

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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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