Aktionäre geben grünes Licht für Mega-Fusion zwischen Fiat Chrysler und PSA

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Gestern stimmten die Aktionäre von Fiat-Chrysler und der Peugeot-Gruppe einer Fusion beider Autokonzerne zu. Mit dem Fusionsunternehmen Stellantis entsteht der viertgrößten Autohersteller der Welt. (Foto: Katherine Welles / shutterstock.com)

Gleich am ersten Arbeitstag des neuen Jahres wurde bekannt gegeben, dass eine seit Langem geplante Mega-Fusion auf dem Automarkt realisiert werden kann. Die Aktionäre der in Amsterdam ansässigen Fiat Chrysler Automobiles N.V. (FCA) und der in Paris beheimateten Groupe PSA (Peugeot Société Anonyme) haben am Montag ihren Segen zu der mit 52 Mrd. US-Dollar (USD) dotierten Megafusion gegeben.

Auf zwei virtuell durchgeführten außerordentlichen Aktionärsversammlungen gaben die Anteilseigner von FCA und PSA grünes Licht für die schon 2019 vereinbarte Mega-Fusion. In einer gemeinsamen Pressemitteilung gaben beide Automobilkonzerne bekannt, dass „eine überwältigende Mehrheit mit mehr als 99 % der abgegebenen Stimmen für die Transaktion“ gestimmt hat.

Fusionsunternehmen Stellantis wird die Nr. 4 unter den Autobauern weltweit

Durch die Fusion entsteht ein neuer Großkonzern, der unter dem Namen Stellantis firmieren wird. Das Unternehmen wird der viertgrößte Autobauer der Welt nach VW, Toyota und dem französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund sein.

Stellantis soll laut Presseinformationen in 2021 rund 8 Mio. Fahrzeuge produzieren und einem Umsatz von mehr als 165 Mrd. Euro (203 Mrd. USD) erwirtschaften. Der operative Gewinn soll bei fast 10 Mrd. Euro (etwa 12 Mrd. USD) liegen.

Stellantis vereint renommierte Automarken

Unter dem Dach von Stellantis werden zukünftig namhafte europäische und US-amerikanische Automarken vereint. Zu den Marken, die FCA in das neue Unternehmen einbringt, gehören Fiat, Jeep, Chrysler, Dodge, Ram, Alfa Romeo, Lancia, Abarth und Maserati.

PSA überträgt seine Marken Peugeot, Citroen, Opel/Vauxhall und DS an Stellantis. Das Fusionsunternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, zukünftig eine Schlüsselrolle im Zukunftsmarkt der Elektromobilität einzunehmen.

Doch gerade in der Entwicklung und dem Vertrieb von Elektro-Autos konnte keiner der insgesamt 14 Marken des Fusionsunternehmens bisher überzeugen. Kein einziges Fahrzeug der Stellantis-Marken taucht im Ranking der 10 meistverkauften E-Mobile auf.

Massive Kosteneinsparungen erwartet

Durch die Fusion der beiden Automobilkonzerne werden laut Unternehmensangaben jährliche Einsparpotenziale bzw. Synergien in Höhe von 5 Mrd. Euro erwartet. Diese sollen durch Zusammenführung von Plattformen und Antriebssträngen sowie aus der Optimierung von F&E-Investitionen erzielt werden.

FCA-Boss Mike Manley konkretisierte, dass 35% der Synergien durch Einsparungen bei den Einkäufen entstehen würden, während weitere 7% durch Einsparungen im Vertrieb und bei den allgemeinen Kosten erzielt werden sollen. Die restlichen Synergien sollen durch die Optimierung anderer Bereiche erreicht werden, darunter Logistik, Lieferkette, Qualität und Aftermarket.

Überkapazitäten belasten Fusionsunternehmen

Gleichzeitig teilen die Autokonzerne mit, dass keine Standorte geschlossen werden sollen. Wie das realisierbar ist, steht allerdings in den Sternen. Der neue Stellantis-Chef Carlos Tavares gilt als knallharter Automanager. Erst sanierte er Peugeot und Citroën, um danach bei Opel aufzuräumen.

Stellantis verfügt laut Insidern in seinen Werken über Produktionskapazitäten, die bei Weitem nicht ausgenutzt werden. PSA und FCA könnten aktuell bis zu 13 Mio. Autos produzieren. Für das laufende Jahr geht Stellantis aber nur von einer Produktion von 8 Mio. Kraftfahrzeugen aus. Im vergangenen Corona-Jahr waren die Fabriken sogar nicht einmal zur Hälfte ausgelastet.

An den Börsen hatte die Zustimmung der Aktionäre keinen Einfluss. Sowohl der Kurs der PSA als auch der von FCA zeigte sich kaum verändert. Kein Wunder, denn die Fusionspläne sind ja schon länger bekannt und wurden schon vorher in die Kurse eingepreist.

Wie es weitergehen soll

Der neue Konzern soll seinen Sitz in den Niederlanden haben und an den Börsen in Paris, Mailand und New York notiert sein. Der bisherige PSA-Chef Carlos Tavares soll für eine Amtszeit von zunächst fünf Jahren CEO des Konzerns werden. Der FCA-Vorsitzende John Elkann wird den Vorstandsvorsitz von Stellantis übernehmen.

Laut Tavares sind alle behördlichen Genehmigungen für die anstehende Fusion bereits erteilt worden. Die Verschmelzung von PSA und FCA zu Stellantis soll daher bereits im ersten Quartal 2021 abgeschlossen werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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