Auto-Branche im Wandel: Hersteller und Zulieferer reagieren schwerfällig auf den Wandel

Digitalisierung Auto – ado sdecoret

Die Digitalisierung in der Autobranche schreitet voran. Wie positionieren sich Autobauer aus Deutschland, dem Land, in dem das Auto erfunden wurde? (Foto: sdecoret / Adobe Stock)

Der Automobilmarkt ist aktuell turbulent, es hakt und knarzt an allen Ecken. Es ist nicht nur die Corona-Krise, die für massive Einschnitte sorgt, sondern es ist ein grundlegender Wandel, der sich sichtbar und spürbar Bahn bricht. Personalisiert in Elon Musk, materialisiert in einem kleinen Chip, auf dem der Autoantrieb seines Tesla Platz findet, schüttelt und rüttelt die Digitalisierung samt ihren neuen Technologien die Automobilbranche durcheinander. Wie positionieren sich Autobauer aus Deutschland, dem Land, in dem das Auto erfunden wurde? Verlieren sie den Anschluss oder haben sie Biss genug, um wie Phoenix aus der Asche aufzustehen?

Behäbige Entscheidungsfindung

Findige Köpfe aus dem Silicon Valley haben mit einem technologischen Donnerschlag die deutsche Automobilindustrie aufgeschreckt. Nicht nur, dass der Tesla von einem Chip angetrieben wird. Der Visionär Musk plant nun auch, Autos ganz einfach aus 4 vorgefertigten Teilen zusammenzusetzen. Zuzutrauen ist es ihm, denn von mangelnder Innovationskraft und unternehmerischer Risikobereitschaft kann im Angesicht seiner visionären Aktivitäten unter anderem mit Space X in der Raumfahrt nicht die Rede sein – im Gegenteil.

Deutschlands Autobauer scheinen ihre Marktführer-Qualitäten eingebüßt zu haben. Haben wir den Weckruf verschlafen? Das Digitalzeitalter brach schon 2002 an und hat seitdem eine rasante Entwicklung genommen. Die Vielfalt der Möglichkeiten ist groß und die behäbige Entscheidungsfindung der deutschen Autohersteller erweist sich vor diesem Hintergrund als problematisch.

Was bringt die Zukunft? Elektroantrieb oder Diesel? Revolutionäre Software oder neue Hardware? Kunden sind nicht mehr so leicht zu gewinnen wie früher, sie sind offen für Neues und ändern ihr Kaufverhalten unerwartet schnell. Die Konsequenz daraus ist, dass Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben weniger stark gefragt sind und Alternativen nicht so schnell vom Band laufen wie Kunden es sich wünschen würden.  Die Mobilitätswende ist bereits in den Köpfen der Verbraucher angekommen, sie wünschen sich umweltfreundliche Autos. Jetzt müssen Automobilhersteller vorausschauenden Mut beweisen und in innovative Technik investieren. Dabei weisen die Zeichen der Zeit darauf hin, dass solche Investitionen rentabel sind, denn Kunden suchen und nutzen bereits Angebote, die ihren Vorstellungen von Nachhaltigkeit in der Mobilität nahekommen.

Dass die Mobilitätswende wirklich gelingen kann, zeigen Angebote wie finn.auto. Hier können Kunden Fahrzeuge abonnieren und durch Wahl eines Elektroautos oder durch Kompensation des CO2-Ausstoß ihrem Anspruch an Nachhaltigkeit gerecht werden. Das ermöglicht klimafreundliches Autofahren.

Bestehende Fabriken neu konzipieren

Deutsche Premiummarken bieten Kunden vielfältige Möglichkeiten der Individualisierung an. Das bedeutet einen enormen logistischen Aufwand und komplexe Produktionsstraßen Prozesse. Bis kurz vor Produktionsstart können Käufer Sonderausstattungen zusätzlich bestellen, was prinzipiell für mehr Umsatz sorgt. Dieses Umsatzplus versickert allerdings rasch, wenn die Vielfalt zu groß und die damit verbundenen Fixkosten unabwendbar sind. Die logistische Meisterleistung, die hinter einer deutschen Produktionsstätte steckt, wird mitunter als veraltet belächelt. Traditionelle Industriemuseen, das sind deutscher Autofabriken nach Ansicht der Kritiker.

Die Fertigungsstandorte müssen technisch neu konzipiert werden, was mit Blick auf verwinkelte Gewölbe im VW Stammwerk in Wolfsburg oder in den Stammwerken von BMW und Porsche, die beide in der Stadt liegen, gar nicht so leicht umsetzbar ist. Außerdem gehört großer Mut dazu, die klassische Fertigungsstraße durch selbstfahrende Transportsysteme, die sich autark die nächste freie Montagestation auswählen, zu ersetzen.

Mercedes beispielsweise geht bereits Schritte in die richtige Richtung. Die neue Factory 56 bietet Fertigungshallen ohne störende Säulen, in der Montageplätze nach Bedarf neu zusammengesetzt werden können. So gelingt es aus einer Kombination von Fertigungsstraße und selbstfahrenden Transportsystemen Elektrofahrzeuge und Fahrzeuge mit klassischen Antrieben an einem Standort herzustellen.

Ein großes Plus: Die Fachkompetenz gut ausgebildeter Mitarbeiter

Die hohe Fachkompetenz erfahrener Fachleute in deutschen Automobilbetrieben hat in der Branche nach wie vor einen sehr guten Ruf. Der Qualitätsanspruch, der hinter „Made in Germany“ steckt, bietet deutschen Autobauern wertvolle Chancen. Um die Fertigung zu flexibilisieren braucht es funktionierende Sozialstrukturen innerhalb der Belegschaft. Das ist unverzichtbar, wenn Leistung und Qualität so hoch bleiben sollen, dass Hersteller nach wie vor international konkurrenzfähig sind. Nicht zu vergessen ist, dass im flächenmäßig überschaubaren Deutschland die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft eng ist. Universitäre Entwicklungen lassen sich hier schneller industriell umsetzen und zur Marktreife führen als anderswo.

Positiver Ausblick 2021

Ein Blick zurück auf das 1. Quartal 2020 zeigt, dass die Aussichten für die deutsche Automobilindustrie durchaus positiv sind. Die Zahl der Zulassungen stieg, technische Weiterentwicklungen wurden umgesetzt und die Nachfrage nach Fahrzeugen mit alternativem Antrieb stieg ebenfalls an. Der starke Einbruch kam dieses Jahr durch die Coronakrise. Autobauer mussten Produktionsstraßen stilllegen, das Kaufverhalten der Kunden ging stark zurück. Doch bei aller Schwarzmalerei sieht 2021 rosiger aus.

In der 2. Jahreshälfte 2020 ist der Aufwärtstrend bereits zu sehen. Ein Blick auf die Charts der Aktien BMW und Volkswagen versprechen Besserung. Im Mehrjahres-Chart wird ersichtlich, dass der Kurs sich zum Jahresende 2020 ungefähr auf dem Niveau des Vorjahresendes befindet. Dies gilt beispielsweise für VW genauso wie für BMW. Sicherlich ist ein wichtiger Faktor die Senkung der Mehrwertsteuer in der 2. Jahreshälfte 2020 um 3 %. Der Autovertrieb wurde zusätzlich aktiv und ging mit Verkaufsoffensiven an den Markt. Es gibt höhere Rabatte oder Verkäufe über Tageszulassungen. Die Strategie geht im Augenblick auf, der Absatz zieht an.

Es ist zu erwarten, dass sich der Aufwärtstrend im nächsten Jahr fortsetzt. Eine Rolle dabei spielt auch die europäische Gesetzgebung. Sie gibt vor, dass der Antrieb in Neuwagen den durchschnittlichen CO2-Ausstoß pro Kilometer um 40 % mindern muss. Es ist anzunehmen, dass Elektromobilität bei der Bevölkerung mehr und mehr an Boden gewinnt und deswegen die Absatzzahlen steigen werden. Wenn die McKinsey Studie recht behält, werden die deutschen Autohersteller VW, BMW und Daimler dem weltweit größten Elektroauto-Herstellerland China den Rang ablaufen. Sicherlich wird Corona die Prognose etwas dämpfen doch der Trend ist unübersehbar. Das Kaufverhalten bestimmt die Richtung und die spricht Bände. Dieses Jahr wurden in ganz Europa 44 % mehr Plug-in-Hybriden und Elektroautos abgesetzt als 2019. Auch weltweit ist die Entwicklung positiv. Nachhaltigkeit dominiert als Megatrend das Kaufverhalten und Endverbraucher entscheiden heute und in Zukunft verstärkt pro Umwelt.

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BMW mit PrognoseanhebungDer deutsche Premium-Autobauer BMW leidet beim Absatz unter dem Chipmangel, hat aber dennoch die Prognose für die operative Gewinnmarge angehoben. › mehr lesen


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MM Autor – Rido Ado
Von: Markus Müller. Über den Autor

Markus Müller ist Experte für Vermögenaufbau und –absicherung und großem Interesse an genereller Finanzthematik.

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