Automobilbau: In der Halbleiter-Krise ist noch kein Ende in Sicht

Digitalisierung Auto – ado sdecoret

Der Mangel an elektronischen Bauteilen und Rohstoffen sowie die Engpässe in der Lieferkette verschonen keinen Autobauer. (Foto: sdecoret / Adobe Stock)

In den vergangenen Monaten haben sich die Engpässe innerhalb der globalen Liefer- und Logistikketten, die insbesondere im Bereich bestimmter elektronischer Bauteile wie Mikrochips und Halbleiter auftreten, verschärft. Die Lieferzeit für Mikrokontroller, die in Autos verbaut werden, hat sich inzwischen von 6 bis 9 Wochen auf 30 Wochen verlängert. Es ist nicht auszuschließen, dass die Probleme die Autoindustrie noch 2023 belasten werden.

Die Gründe

Ein Grund für die Krise ist die Tatsache, dass die Halbleiter- Industrie vorrangig die Smartphone- und Computer- Hersteller beliefert. Denn 90% ihrer Kunden kommen aus diesen beiden Bereichen. Hinzu kommt, dass die asiatischen Halbleiter-Hersteller vorrangig die heimischen Märkte bedienen. Schuld an der Situation, so Ferdinand Dudenhöffer, haben aber auch die Hersteller selbst. Um die Kosten niedrig zu halten, haben sie zu selten feste Abnahmemengen über mehrere Jahre vereinbart. Und jetzt, da alle Autohersteller große Mengen an Halbleitern möglichst schnell benötigen, schießen die Preise in die Höhe, weil jeder bevorzugt behandelt werden will.

Die Folgen

Die Folgen der Lieferprobleme sind ein deutlicher Rückgang der Fahrzeugproduktion sowie erhebliche Zusatzkosten für Material und Logistik. Das Marktforschungsinstitut HIS rechnet im laufenden Jahr weltweit mit einem Rückgang der Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen um 8,6% auf 76 Mio. Fahrzeuge.

Alle Regionen werden sich negativ entwickeln, allerdings unterschiedlich. Die Schätzungen lauten für Europa minus 9,1% auf 16,8 Mio. Fahrzeuge, darunter für Deutschland minus 10,6% auf 3,6 Mio., für Amerika minus 7,1% auf 16,1 Mio., darunter für die USA minus 6,7% auf 9,2 Mio., für Asien und den Rest der Welt minus 8,9% auf 43,1 Mio., darunter für China minus 11,3% auf 26 Mio. E-Autos sind von den Lieferengpässen besonders betroffen, weil in ihnen etwa die zehnfache Menge an Halbleitern steckt wie in einem Diesel- oder Benziner-Modell. Experten gehen davon aus, dass den Herstellern durch die Halbleiterkrise im laufenden Jahr Umsätze in Höhe von rund 210 Mrd. $ entgehen.

Die Ladeinfrastruktur und Batterieversorgung müssen deutlich ausgebaut werden

Die geringe Reichweite hält immer noch viele Konsumenten vom Kauf eines elektrifizierten Fahrzeugs ab. Die Zahl der Ladepunkte nimmt zwar kontinuierlich zu, der Bedarf wird aber auch deutlich steigen. Immerhin sollen 2030 bis zu 30 Mio. elektrifizierte Autos auf Deutschlands Straßen fahren. Expertenschätzungen zufolge werden Ende des Jahrzehnts 440.000 bis 843.000 Ladepunkte benötigt.

Auch im Bereich Batterieentwicklung besteht noch reichlich Handlungsbedarf. Denn die Halbleiter-Krise zeigt, dass die Hersteller den Aufbau eigener Batteriefabriken forcieren müssen, um sich von Asien unabhängig zu machen. Allerdings muss auch die Versorgung mit Batterie-Rohstoffen gesichert werden. Es besteht die Gefahr, dass die Nachfrage das Angebot übersteigen wird. Dies würde das geplante Absatzwachstum von E-Autos bremsen.

Die deutschen und US-Autobauer haben die Nase vorn

Der Mangel an elektronischen Bauteilen und Rohstoffen sowie die Engpässe in der Lieferkette verschonen keinen Autobauer. Die deutschen und US-Autobauer haben die Probleme jedoch bisher vergleichsweise gut gemeistert.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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