BMW und Daimler: Autobauer verzeichnen Rekordabsatz zum Jahresauftakt

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Starker Start ins neue Jahr: BMW und Daimler verkaufen in Q1 so viele Autos wie nie. Das liegt vor allem an China. (Foto: Yuri Kabantsev / Shutterstock.com)

Welche Krise? Für Deutschlands Autobauer bedeutet die Pandemie zwar einen Dämpfer – mehr aber auch nicht. Tatsächlich kommen sie mit einem blauen Auge davon, als Lieblinge der deutschen Bundesregierung einerseits und der chinesischen Kundschaft andererseits.

Autobauer: Mit blauem Auge durch die Pandemie

Bis auf wenige Wochen zu Beginn der Pandemie im Frühjahr waren die Automobilhersteller de facto kaum betroffen von den Lockdown-Beschränkungen, die die Bundesregierung in den mittlerweile 13 Monaten der Pandemie hierzulande verhängt hat. Während andere Branchen immer wieder phasenweise schließen oder Auslastungskapazitäten reduzieren mussten – oder gar seit mehr als einem Jahr durchgehend geschlossen haben müssen –, wurde in den Werkshallen der Republik munter weiter produziert.

China gilt bereits seit Jahren als einer der wichtigsten Absatz- und Wachstumsmärkte für deutsche Exporteure. Dass im Reich der Mitte nach sehr strikten Lockdown-Maßnahmen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 die Konjunktur wieder spürbar anzog und es unterm Strich gar für ein Wachstum von 2,3 Prozent reichte, kommt daher nicht zuletzt auch deutschen Autobauern zugute.

BMW: Stärkster Jahresauftakt der Firmengeschichte

BMW verkündete gerade das stärkste Auftaktquartal seiner Geschichte, maßgeblich angetrieben durch die starke Nachfrage aus Fernost. Mit insgesamt rund 636.000 Fahrzeugen der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce erzielte das Unternehmen eine neue Q1-Bestmarke und steigerte die Absatzzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 33,5 Prozent.

Neben China lief es auch in Südkorea sehr gut für BMW, hier konnten die Absatzzahlen vom Vorjahresquartal um fast 43 Prozent übertroffen werden. In den USA verkaufte der Dax-Konzern rund 20 Prozent mehr Fahrzeuge der Marken BMW und Mini, in Europa fiel das Plus mit 8,3 Prozent deutlich überschaubarer aus.

Elektroautos besonders stark nachgefragt

Höhere Nachfrage verzeichnete BMW zuletzt vor allem im Bereich Elektrofahrzeuge: Gut 70.000 Autos, die vollständig oder teilweise elektrisch angetrieben werden, konnten im ersten Quartal verkauft werden – das entspricht mehr als einer Verdoppelung im Verhältnis zum Vorjahreszeitraum. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen vollelektrische Modelle mindestens 50 Prozent der weltweit verkauften Autos aus dem Hause BMW ausmachen.

Vom Chinaboom profitiert indes nicht nur BMW. Auch Konkurrent Daimler rettete seine Bilanz vorrangig durch die starke Nachfrage aus Fernost. Doch darüber hinaus setzten beide Hersteller den Rotstift bei der Belegschaft an, wobei der Stellenabbau bei Daimler drastischer ausfällt.

Spart Daimler am falschen Ende?

Für Stirnrunzeln sorgt bei Anlegern und Analysten jedoch vor allem der Blick auf die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Hier spart Daimler ebenfalls und investiert rund eine Milliarde Euro weniger. Gemessen am Umsatz fallen die Stuttgarter damit hinter den Wettbewerbern aus München und Ingolstadt zurück – und das könnte sich rächen.

Denn auch wenn die Bilanz kurzfristig aufgehübscht wird durch geringere Kosten, so hängt die Zukunftsfähigkeit der Autobauer mehr denn je an ihrem Willen zur Transformation. Digitalisierung, Vernetzung und autonomes Fahren auf der einen Seite, alternative Antriebsmodelle auf der anderen Seite werden in den kommenden Jahren den globalen Wettbewerb in der Automobilbranche bestimmen.

Entscheidendes Jahrzehnt: Wer bleibt, wer fällt, wer steigt auf?

Tesla hat hier bereits Maßstäbe gesetzt, nach und nach positionieren sich auch die klassischen Autobauer neu. Gerade mit Blick auf verschärfte Klimaziele und das beschlossene Aus für die Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren – beides vorangetrieben durch die Europäische Union, aber auch durch andere Länder wie etwa den wichtigen Abnehmer China – werden erhebliche Kraftanstrengungen notwendig, um sich auch in den 2030er Jahren noch am Markt behaupten zu können.

Ausgerechnet in dieser Umbruchphase, in der technologische Innovationen gefragt sind und sich die Branche praktisch vom Kopf auf die Füße stellen muss, an Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung zu sparen, sendet ein verheerendes Signal und könnte sich bereits in wenigen Jahren böse rächen. Die Priorität sollte vom kurzfristigen Erfolg einer starken Zwischenbilanz auf die mittel- und längerfristige Perspektive gelenkt werden. Sparen allein wird auf Dauer nicht reichen – und die Einnahmen steigen nur, wenn man weiterhin Produkte im Angebot hat, die mit der Konkurrenz mithalten können.

Auch Daimler mit Rekordauftakt in China

Bislang immerhin kann sich auch Daimler über eine starke Nachfrage freuen. Genau wie BMW verkündeten die Stuttgarter in dieser Woche einen Rekordabsatz für das erste Quartal am chinesischen Markt, wo gut 222.500 Fahrzeuge von Mercedes-Benz verkauft wurden. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einer Steigerung um mehr als 60 Prozent.

Bei Anleger kamen die jüngsten Zahlen ebenso gut an wie die Aussicht auf eine Erhöhung der Dividende. Die Daimler Aktie hat auf Jahressicht fast 150 Prozentpunkte zugelegt und kostete zuletzt rund 75 Euro. Analysten sehen das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: Sie überschütten die Daimler Aktie mit Kaufempfehlungen, garniert mit Kurszielen meist im Bereich zwischen 80 und 95 Euro.

Daimler Aktie stark, BMW Aussichten durchwachsen

Während der Kurs der Daimler Aktie über die vergangenen 12 Monate einen kontinuierlichen und relativ gleichmäßigen Anstieg verzeichnete, ging es bei der Konkurrenz aus München etwas volatiler zu. Seit Anfang März machte die BMW Aktie allerdings einen erheblichen Sprung nach oben, auf Monatssicht bewegt sich das Papier derzeit gut 15 Prozentpunkte im Plus.

Auf Jahressicht konnte der Kurs um mehr als 70 Prozent zulegen, zuletzt notierte die BMW Aktie bei rund 88 Euro. Die Einschätzungen der Analysten fallen bei den Münchenern weniger einhellig aus: Zwar sehen einzelne Analysten durchaus weiteres Kurspotenzial, so rät etwa die Deutsche Bank neuerdings zum Kauf und hat das Kursziel von 90 auf 105 Euro hochgestuft. Andere Experten zeigten sich hingegen skeptisch. So beließen etwa die Analysten der US-Großbank JP Morgan ihre Einstufung bei „neutral“ und das Kursziel bei 85 Euro.

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BMW: Auf die Überholspur gewechseltDer deutsche Premium-Autobauer BMW hat starke Zahlen vorgelegt und verfügt aus meiner Sicht auch über gute Perspektiven.  › mehr lesen


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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