Übernahmeangebot: Europcar zeigt Volkswagen die kalte Schulter

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Der VW-Konzern hat dem französischen Autovermieter Europcar ein Übernahmeangebot unterbreitet. Die Franzosen lehnten die Offerte ab, weil es aus ihrer Sicht zu niedrig ausgefallen ist. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Mit der beginnenden Erholung der Weltwirtschaft von den Folgen der Corona-Pandemie ist auch die Zahl der spektakulären Übernahmen deutlich angestiegen. Dabei sind insbesondere stark von der Corona-Krise betroffene Unternehmen ein gefundenes Fressen für solche Mega-Deals.

Von genau so einem möglichen Mega-Deal möchte ich Ihnen heute berichten: Am vergangenen Mittwoch gab die französische Europcar Mobility Group in einem kurzen Statement bekannt, dass es vor Kurzem ein Übernahmeangebot erhalten habe.

Ohne den Bieter zu benennen, teilte das Europcar-Direktorium mit, dass der vorgeschlagene Preis von 0,44 Euro pro Aktie das französische Unternehmen nicht den vollen Wert und das Wertschöpfungspotenzial des Unternehmens widerspiegele. Allerdings zeigten sich die Franzosen offen für weitere Gespräche.

Volkswagen bestätigt Übernahmeangebot über 2,2 Mrd. Euro

Am Tag darauf bestätigte Volkswagen, dass das Wolfsburger Unternehmen zusammen mit Partnern ein unverbindliches Übernahme-Angebot von 44 Cent je Europcar-Aktie unterbreitet habe. Das Angebot lag somit knapp 12% über dem Schlusskurs der Europcar-Papiere vom Dienstag, dem Tag vor Bekanntgabe des Angebots. Insgesamt hat Volkswagen somit 2,2 Mrd. Euro für den französischen Autovermieter geboten.

Neben der Volkswagen AG gehören auch der britische Investor Attestor Limited sowie das niederländische Familienunternehmen Pon Holdings zu den Bietern. Die in Almere beheimatete Pon Holdings ist der größte Importeur von Volkswagen in den Niederlanden.

Pariser Börse reagiert sofort

Schon am Tage der Bekanntgabe des Übernahmeangebots sprang der Kurs der zuvor stark gebeutelten Europcar-Aktie von 0,392 auf 0,43 Euro und lag damit nur noch knapp unter den von VW gebotenen 0,44 Cent.

Am Donnerstag legte der Kurs an der Pariser Börse weitere 12% zu und ging mit 0,486 Euro aus dem Handel. Am Freitag erreichte der Kurs sogar 0,514 Euro, bevor er sich mit 0,492 Euro ins Wochenende verabschiedete.

Es deutet also vieles darauf hin, dass die Anleger trotz der Ablehnung durch Europcar auch weiterhin davon überzeugt sind, dass der Deal zustande kommen kann. Die Tatsache, dass die Aktie mittlerweile deutlich über dem Angebotspreis gehandelt wird, zeigt auch, dass die Investoren mit einer Nachbesserung des Angebots durch Volkswagen rechnen.

Europcar ist stark angeschlagen

Wie andere Autovermieter gehört auch Europcar zu den Unternehmen, die von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen wurden. Im vergangenen Jahr hat sich der Umsatz der Franzosen auf 1,7 Mrd. Euro fast halbiert. Die französische und spanische Regierung stützten den Autovermieter durch Notkredite.

Im Dezember 2020 hat Europcar in den Vereinigten Staaten Insolvenzschutz nach Chapter 15 beantragt. Damit schützen sich Unternehmen, die ihren Sitz nicht in den USA haben, vor Klagen von US-Gläubigern.

Europcar kündigte aufgrund der Umsatzverluste ein Sparprogramm über 1 Mrd. Euro an. So wurde u.a. die Fahrzeugflotte um fast 40% reduziert. Das Sparprogramm zeigte schon nach wenigen Monaten erste Erfolge. Die Verschuldung konnte von gut 2 Mrd. Euro auf 910 Mio. Euro reduziert werden.

Auch die im vergangenen Jahr stark eingebrochene Aktie des Mietwagenunternehmens konnte in den letzten Monaten den Kursverfall in eine Seitwärtsbewegung mit wieder leicht ansteigender Tendenz umwandeln.

VW will Mobilitätssparte ausbauen

Wenn Sie sich jetzt fragen, woher das plötzliche Interesse der Wolfsburger an Europcar kommt, hilft ein Blick auf die strategischen Anstrengungen des VW-Konzerns. In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die Wolfsburger sich stärker im Bereich Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing und Mobilitätspooling etablieren wollen.

So gründete VW im Jahre 2019 den Carsharing-Service WeShare. In 2018 startete die für Mobilitätsdienstleistungen zuständige VW-Tochter Moia ihren öffentlichen Kleinbus-Shuttle-Betrieb in Hannover. Eine Übernahme des Autovermieters Europcar, den die Wolfsburger 2006 im Rahmen einer Umstrukturierung an Finanzinvestoren verkauft hatten, würde die Mobilitätssparte von VW sicherlich stärken.

Laut Insidern soll VW auch an einer Übernahme des deutschen Autovermieters Sixt interessiert gewesen sein. Darüber, ob VW bei Europcar auch weiter am Ball bleiben und ggf. ein höheres Angebot unterbreiten wird, wollten sich die Wolfsburger allerdings nicht äußern.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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