Verkehrswende: Auch VW benennt Ablaufdatum für Verbrenner

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2035 ist Schluss für Verbrenner aus Wolfsburg – zumindest in Europa. Die VW Aktie notiert im Minus, doch Anleger bleiben insgesamt gelassen. (Foto: Evannovostro / shutterstock.com)

Die Premiumtochter Audi hatte bereits vorgelegt, nun hat Mutterkonzern Volkswagen nachgezogen und ein Ende des Verbrennungsmotors verkündet. Ab spätestens 2035 wollen die Wolfsburger keine diesel- oder benzinbetriebenen Fahrzeuge mehr neu auf den Markt bringen – zumindest in Europa.

Die im Dax gelistete VW Vorzugsaktie rutschte daraufhin am Montag leicht ins Minus. Branchenkenner gehen hier jedoch nicht unbedingt von einer direkten Reaktion aus, denn das Aus für den Verbrennungsmotor liegt trotz allem noch in weiter Ferne und hatte sich außerdem ohnehin schon abgezeichnet.

VW Aktie: Mit Verbrenner-Abschied war zu rechnen

Das Pariser Klimaschutzabkommen sowie weitergehende EU-Beschlüsse deuten bereits seit Längerem darauf hin, dass die CO2-Emissionen drastisch reduziert werden müssen, um die vereinbarten Zielwerte zu erreichen und die globale Erwärmung, die sich bereits jetzt nicht mehr verhindern lässt, zumindest einigermaßen einzugrenzen.

Der Verkehrssektor gilt dabei als besondere Herausforderung, der Individualverkehr mit dem Auto sowie Flugreisen und Kreuzfahrten als besonders klimaschädlich. Veränderungen waren und sind dementsprechend absehbar.

Bundesverkehrsminister: Keine Zeit für Klimaschutz

Umweltschützer kritisieren allerdings, dass trotz des angestrebten Abschieds vom Verbrennungsmotor noch deutlich weitergehende Anstrengungen erforderlich sein werden, um die Emissionswerte hinreichend in den Griff zu bekommen.

Im CSU-geführten Bundesverkehrsministerium scheinen die Prioritäten jedoch anders gelagert. In schöner Regelmäßigkeit saß der Minister in den vergangenen Jahren mit Vertretern der Automobilbranche zusammen. Für Umweltschützer nahm er sich dagegen Medienberichten zufolge genau ein einziges Mal Zeit – während der gesamten Legislaturperiode.

Experten fordern umfassendes Verkehrskonzept

Nicht nur Klimaschützer, sondern auch Verkehrsexperten und Städteplaner gehen jedoch davon aus, dass allein die Elektrifizierung des Automobilverkehrs nicht ausreichen wird. Stattdessen bräuchte es ein umfassendes, übergreifendes Reformkonzept für eine fundamentale Verkehrswende.

Diese müsste unter anderem den Ausbau von (sicheren) Radwegen umfassen, aber auch den Ausbau des Schienennetzes im Fernverkehr sowie der Infrastruktur im ländlichen Bereich. Eine Verlagerung des Frachtverkehrs von der Straße auf die Schiene wäre ebenso sinnvoll wie eine Abkehr von Kurzstreckenflügen zugunsten von Schnellzugverbindungen.

Bahn braucht breite Investitionen

All das sind Langzeitprojekte. Wie viele Jahre es dauert, um allein einen Bahnhof umzubauen, hat das Beispiel Stuttgart 21 plakativ unter Beweis gestellt – von einem Ausbau von Schnellstrecken über Landesgrenzen hinweg mal ganz zu schweigen.

Um aber mittelfristig konkurrenzfähig zu Billigflügen zu werden, braucht die Bahn massive Investitionen. Marode Brücken müssen ausgebessert, Streckenabschnitte erneuert und ganze Regionen erst einmal erschlossen werden. Anstelle eines umfassenden Konzepts jedoch fördert das Bundesverkehrsministerium ein einzelnes Prestigeprojekt im Erzgebirge – das ist schön, aber bei weitem nicht ausreichend.

Noch wäre Zeit für Langzeitprojekte

Die Bahn muss pünktlich, komfortabel, schnell und preislich erschwinglicher werden, nur so lassen sich mehr Passagiere vom Airport an den Bahnhof und von der Autobahn aufs Gleis bewegen. Noch wäre Zeit für einen Übergang: Bis die letzten Verbrenner in den 2030er Jahren auch in Wolfsburg vom Band rollen, könnte in Sachen Schieneninfrastruktur schon einiges geschafft oder zumindest auf den Weg gebracht sein.

Wahrscheinlicher ist, dass dies nicht der Fall sein wird. Zu sehr ist man im politischen Berlin auf das Wohl der Autokonzerne bedacht, als dass man ihnen eine ernstzunehmende Konkurrenz entgegenstellen würde. Solange aber die Autofahrt von A nach B gerade einmal halb so viel kostet wie das entsprechende Zugticket, werden die Deutschen ihrem Auto wohl die Treue halten.

Mobilität bald Privileg von Besserverdienern?

Anstelle umfassender Investitionen in den Ausbau des Schienenverkehrs wird daher wohl auch das künftige Bundesverkehrsministerium die Priorität eher auf den Ausbau von Ladeinfrastruktur für Elektroautos legen. Auch das ist ein wichtiger Ansatz, wenn der Umstieg gelingen soll.

Mit Blick auf die nicht nur steigenden Benzin-, sondern auch Strompreise muss man jedoch aufpassen, dass Mobilität auf lange Sicht nicht generell zu einem Privileg der Besserverdienenden wird.

Es dürfte spannend werden, was die künftige Bundesregierung – in welcher politischen Farbkonstellation auch immer – diesbezüglich für Ideen hervorbringen wird.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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