Aktien von Impfstoffherstellern im Höhenrausch

Pandemic concept, close up of scientist injecitng vaccine into the earth

Rückschlag für die Tourismusbranche, Aufwind für die Impfstoffhersteller: Die Pandemie hält die Welt weiterhin auf Trab. (Foto: rangizzz / Adobe Stock)

Rückschlag für die Tourismusbranche: Spanien und die Niederlandegelten ab heute wieder offiziell als Hochrisikogebiet – inklusive der Balearen, Kanaren und der niederländischen Überseegebiete in der Karibik.

Die Delta-Variante des Coronavirus hat sich mittlerweile rund um den Globus ausgebreitet, sie gilt als hochansteckend, hochaggressiv und scheint es zudem immer wieder zu schaffen, auch den Impfschutz vollständig geimpfter Personen zu durchbrechen, wobei diese in der Regel weniger schwere Krankheitsverläufe durchleiden als Ungeimpfte.

Verschärfte Regeln für Spanien-Rückkehrer

Wer aus einem Hochrisikogebiet wie eben nun Spanien oder den Niederlanden nach Deutschland zurückkehrt und weder genesen noch vollständig geimpft ist, unterliegt ab sofort wieder einer zehntägigen Quarantäne. „Freitesten“ kann man sich mit negativem Ergebnis frühestens nach fünf Tagen.

Mitten in den Sommerferien ist das für die Reisebranche ein herber Rückschlag, zumal während der Pandemie gerade die europäischen Urlaubsdestinationen aus Sicht vieler Touristen an Attraktivität gewonnen haben. Nur die wenigsten wagen die Fernreise.

England feiert, als wäre die Pandemie vorbei

In England hingegen feierten vor rund anderthalb Wochen zigtausende Menschen den „Freedom Day“, den der britische Premier Boris Johnson ausgerufen hatte: Das Ende aller Einschränkungen. Ohne Maske, ohne Abstand wurde in überfüllten Pubs gefeiert, während die Infektionsrate in die Höhe schießt – und in anderen Landesteilen wie Wales und Schottland weiterhin Schutzmaßnahmen einzuhalten sind.

Unterdessen gerät die Impfkampagne zunehmend ins Stocken. Etwa die Hälfte der erwachsenen Deutschen ist inzwischen vollständig gegen Covid-19 geimpft, knapp zwei Drittel haben eine Erstimpfung erhalten. Doch wo vor wenigen Wochen noch reger Andrang in den Impfzentren herrschte und die Wartelisten in den Hausarztpraxen hunderte Impfwillige umfassten, herrscht inzwischen ein Angebotsüberschuss: Es gibt Impfstoff, es gibt freie Termine, doch es kommt niemand mehr.

Impfkampagne stockt: Wahlkampf bremst Pandemiebekämpfung

Wissenschaftler sind sich einig, dass zur Erreichung der Herdenimmunität etwa 85 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein müssten. Davon ist man noch weit entfernt. Seit Tagen diskutiert die politische Elite daher über geeignete Wege zur Erhöhung der Impfbereitschaft und schwankt dabei zwischen Anreizen einerseits und Benachteiligungen andererseits.

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat der Unionsparteien, will sich am liebsten noch nicht festlegen: Er plädierte jüngst dafür, erst einmal abzuwarten, wie sich die Zahlen bis zum Herbst entwickelten – also möglichst keine unliebsamen Entscheidungen mehr vor der Bundestagswahl im September.

Allerdings hat die Erfahrung des vergangenen Jahres schmerzhaft gelehrt, was es bedeutet, wenn die Politik zu lange zögert und zaudert: Wer wartet, bis die Inzidenzen explodieren und die Intensivstationen überfüllt sind, kann nicht mehr gestalten, sondern nur noch im Notfallmodus reagieren. Zu Beginn der Pandemie war das gerechtfertigt, nach anderthalb Jahren Erfahrung ist es das nicht mehr – Wahlkampf hin oder her.

Aktien der Impfstoffhersteller schießen durch die Decke

Bei den Impfstoffherstellern laufen unterdessen Studien und Produktion auf Hochtouren, die Nachfrage wird so schnell nicht abreißen, ganz im Gegenteil: Gerade erst hat der mRNA-basierte Impfstoff von Moderna in Europa die Zulassung für 12- bis 17-Jährige erhalten, damit steht für diese Altersgruppe nach dem Präparat von Biontech/Pfizer nun ein zweites Vakzin zur Verfügung.

Untersucht wird zudem, wann die Wirksamkeit der Impfung nachzulassen beginnt – und zu welchem Zeitpunkt eine dritte Spritze als Auffrischung sinnvoll ist. Hinzu kommt, dass weite Teile der Welt noch darauf warten, überhaupt etwas von dem wertvollen Impfstoff abzubekommen. Es bleibt also weiterhin viel zu tun im Kampf gegen die Pandemie.

Für die Impfstoffhersteller – und ihre Anleger – bedeutet das auch weiterhin gute Aussichten: Allein auf Monatssicht hat sich die Moderna Aktie um mehr als 50 Prozent verteuert, Anteilsscheine von Biontech liegen im gleichen Zeitraum fast 30 Prozent im Plus und auch der US-Pharmariese Pfizer, Kooperationspartner der Mainzer, konnte in den vergangenen Wochen eine Kurssteigerung von fast 10 Prozent verbuchen.

Mainz, Germany – November 12, 2020: The german biotechnology company Biontech conducts research in the field of developing a vaccine against Covid-19.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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