Biontech Bilanz: Impfstoff-Shootingstar meldet Milliardengewinn

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Die Pandemie sorgt für den Durchbruch in der mRNA-Forschung. Ganz vorne mit dabei: Biontech. Anleger sind begeistert, die Aktie steigt. (Foto: Markus Mainka - stock.adobe.com)

Der Shootingstar der Corona-Pandemie hat seine Bilanz für das erste Quartal vorgelegt und sämtliche Rekorde seiner Firmengeschichte in den Schatten gestellt: Das Mainzer Unternehmen Biontech, das den ersten in Europa zugelassenen Impfstoff gegen Covid-19 und zugleich das weltweit erste Vakzin auf Basis der neuen mRNA-Technologie entwickelt hat, meldet einen Quartalsgewinn von 1,1 Milliarden Euro.

Impfstoffpionier mit Milliardengewinn im Auftaktquartal

Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Nettoverlust von 53 Millionen Euro verzeichnet, verursacht durch die immens hohen Kosten für Forschung und Entwicklung im noch relativ neuen Feld der mRNA-Forschung. Mit der Pandemie kam der Durchbruch: Regierungen pumpten hohe Investitionssummen in diverse Pharma- und Biotechnologiefirmen, um die Impfstoffforschung so schnell wie möglich voranzutreiben. Auch Biontech zählte zu den Profiteuren dieser Investitionsoffensive.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Bereits im Dezember 2020 durchlief der von Biontech entwickelte Impfstoff die Zulassungsverfahren der Europäischen Union, noch vor Jahresende wurden die ersten Dosen verabreicht.

Gewinn aus Vorquartal verdreifacht

Im Schlussquartal 2020 spülte das einen Gewinn von knapp 367 Millionen Euro in die Kassen von Biontech. Auch die Umsatzerlöse vervielfachten sich: Sie belaufen sich im Zeitraum von Januar bis Ende März 2021 auf gut 2 Milliarden Euro – nach gerade einmal 27,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Mehr als 450 Millionen Dosen des Impfstoffs wurden bis Anfang Mai in 91 Länder und Regionen ausgeliefert. Für das Gesamtjahr rechnet man mit einer Produktion und Veräußerung von insgesamt 3 Milliarden Impfdosen – und auch für das Folgejahr stehen bereits Großaufträge in den Büchern, sodass 2022 weitere 3 Milliarden Impfdosen zur Verfügung gestellt werden sollen – mindestens.

Auch Pfizer profitiert – Aktien im Plus

Der US-Pharmariese Pfizer, mit dem Biontech bei der Massenproduktion des Vakzins kooperiert, stellte zuletzt für 2022 sogar bis zu 4 Milliarden Impfdosen in Aussicht. Auch Pfizer konnte im ersten Quartal vom Erfolg des Impfstoffs profitieren: Allein das Geschäft mit diesem einen Produkt brachte dem Unternehmen 3,5 Milliarden US-Dollar ein. Insgesamt stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf rund 14,6 Milliarden Dollar bei einem Gewinn von 4,9 Milliarden Dollar.

Anleger zeigten sich hoch erfreut: Die Pfizer Aktie notiert auf Monatssicht gut 6 Prozent im Plus, Anteilsscheine von Biontech legten nach Vorlage der Quartalsbilanz um mehr als 10 Prozent zu. Genährt wird der Optimismus durch den weiterhin hohen Impfstoffbedarf, sowohl für eine erste Immunisierung möglichst weiter Teile der Weltbevölkerung als auch für künftige mögliche Auffrischungsimpfungen, die gegen Virusmutationen schützen sollen.

Gefragter Impfstoff – auch wegen Problemen bei der Konkurrenz

Auch durch eine Ausweitung der Altersgruppen, für die das Vakzin zugelassen wird, erweitert sich der Kreis der Abnehmer: Schon bald soll das Präparat für Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen werden, Forschungen für eine Zulassung auch für jüngere Kinder laufen derzeit und könnten im Herbst abgeschlossen sein, so Biontech-Gründer und Firmenchef Ugur Sahin.

Der Impfstoff ist auch deswegen begehrt, weil es mit Konkurrenzprodukten immer wieder Probleme gibt: Beim britisch-schwedischen Hersteller AstraZeneca kam es in den ersten Monaten des Jahres zu mehrfachen Lieferengpässen gegenüber der Europäischen Union. Außerdem wurden bei dem Präparat, wie auch bei dem ebenfalls vektorbasierten Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson, seltene Nebenwirkungen in Form von Hirnvenenthrombosen festgestellt – ein Problem, das bei den mRNA-basierten Impfstoffen von Biontech einerseits und Moderna andererseits nach bisherigem Kenntnisstand nicht auftritt.

Curevac: Drittes mRNA-Vakzin vor Zulassung?

Mit dem Tübinger Unternehmen Curevac steht ein dritter Anbieter von mRNA-Impfstoffen in den Startlöchern, ab dem Sommer könnte dieses Vakzin hinzukommen, das in Kooperation mit dem Leverkusener Bayer-Konzern produziert und vertrieben werden soll.

Gelingt dies, plant Curevac noch im laufenden Jahr rund 300 Millionen Impfdosen zur Verfügung zu stellen, im kommenden Jahr planen die Tübinger mit einer Milliarde Impfdosen. Das ist aktuell noch Zukunftsmusik, von den Anlegern gibt es jedoch schon üppige Vorschusslorbeeren: Auf Jahressicht konnte sich der Kurs der Curevac Aktie zeitweise mehr als verdoppeln und lag zuletzt rund 86 Prozent im Plus.

Durchbruch geschafft: Glänzende Zukunftsaussichten

Bei Biontech werden indes schon jetzt Milliarden verdient – und das ist wohl erst der Anfang. Da der Bedarf nach wirksamen und sicheren Impfstoffen auf absehbare Zeit nicht abreißen wird, ist weiterhin mit guten Geschäften in diesem Segment zu rechnen. Mit den dadurch generierten Gewinnen wiederum lässt sich die eigentliche Forschung finanzieren: Die mRNA-Technologie soll perspektivisch die Krebstherapie revolutionieren, aber auch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen. Als Pionier auf diesem Gebiet dürfte der Wert von Biontech nach Einschätzung von Beobachtern und Branchenkennern in den kommenden Jahren noch kräftig steigen.

Auch die Europäische Union ließ zuletzt durchblicken, bei ihrer weiteren Impfstrategie vorrangig auf mRNA-basierte Vakzine zu setzen. So wurden die Bestellungen bei Biontech ausgeweitet, während die Verträge mit AstraZeneca womöglich schon bald auslaufen könnten.

Standortstärkung durch mRNA-Forschung

Zuletzt wurden sowohl das Präparat von AstraZeneca als auch das Johnson & Johnson für den Einsatz bei über-60-Jährigen empfohlen, zugleich hob das Bundesgesundheitsministerium für beide Vakzine die Impfpriorisierung auf, sodass sich nach ärztlicher Beratung und Risikoabwägung auch Jüngere nun – unabhängig von der Priorisierungsgruppe – mit den jeweiligen Impfstoffen immunisieren lassen können.

Insgesamt nimmt die Impfkampagne in Deutschland allmählich Fahrt auf, viele Erwachsene haben inzwischen zumindest die erste Impfdosis erhalten, schon im Sommer könnten weite Teile der Bevölkerung geschützt sein, gleiches gilt für den Rest der EU.

In Brüssel und Berlin freut man sich unterdessen nicht nur über die Erfolge der Impfkampagnen, sondern auch über die Stärkung des europäischen Standorts durch die Impfstoffproduktion auf mRNA-Basis: Kommt in absehbarer Zeit das Präparat von Curevac auf den Markt, wovon Beobachter derzeit fest ausgehen, würden zwei von drei verfügbaren mRNA-Impfstoffen auf europäische, auf deutsche Forschung zurückgehen und den Standort in Sachen Biotechnologieforschung veredeln.

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Johnson & Johnson: Die nächste Impfstoff-HoffnungDie Impfkampagne nimmt Fahrt auf, schon bald könnte ein weiteres Vakzin verfügbar sein. Deutschland hadert derweil mit seiner Bürokratie. › mehr lesen


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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