Biontech und Co.: Lieferengpässe bei Impfstoffherstellern auch am Parkett spürbar

Biontech Coronavirus Vaccine Corona Virus COVID-19 Covid syringe vaccines

Die neue Lieferpanne bei J&J könnte Deutschlands Impfkampagne stark zurückwerfen. Doch auch andere Hersteller melden Probleme. (Foto: Markus Mainka - stock.adobe.com)

Neuer Rückschlag für die Impfkampagne: Nach Produktionsproblemen in einem Werk in Baltimore mussten mehrere Chargen des Impfstoffs von US-Hersteller Johnson & Johnson vernichtet werden. Betroffen sind Medienberichten zufolge rund 60 Millionen Impfdosen.

J&J-Probleme sorgen für Verzögerungen in Deutschland

Das bekommt auch Deutschland zu spüren: Anstelle der versprochenen 10,1 Millionen Dosen werden im laufenden Monat wohl lediglich 3,5 Millionen Stück ausgeliefert. Das ist umso ärgerlicher, als gerade das J&J-Vakzin die Impfkampagne eigentlich beschleunigen sollte: Anders als bei den Präparaten anderer Hersteller ist hier nur eine Einzeldosis notwendig, um den vollumfassenden Schutz zu erreichen.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass für jede ausgefallene J&J-Impfung zwei Impfdosen anderer Hersteller benötigt werden, um den Rückstand zu kompensieren. Im schlimmsten Fall wird die gesamte Impfkampagne dadurch um etwa einen Monat zurückgeworfen.

Keine kurzfristige Kompensation

Produktionsprobleme oder mangelhafte Chargen kommen immer mal wieder vor, im Falle der Impfstoffe gegen Covid-19 aber haben sie massive wirtschaftliche Auswirkungen und gefährden ganz konkret auch Menschenleben.

Erschwerend kommt hinzu, dass eine Kompensation durch andere Hersteller kurzfristig nicht realistisch erscheint – denn auch dort gibt es Lieferengpässe. Das Präparat von Biontech/Pfizer wird im Juli wohl in geringerer Stückzahl als noch im Juni an Deutschland ausgeliefert. Anstelle der zuletzt rund 5 Millionen Dosen pro Woche ist laut französischen Medienberichten lediglich mit rund 3,4 Millionen Stück zu rechnen, was dem Lieferniveau von Mai entsprechen würde.

AstraZeneca bald ohne EU-Verträge?

Auch bei Moderna geht es nur langsam voran. Zwar wird hier mit einer Steigerung der Stückzahl kalkuliert, allerdings werden nach wie vor weniger als 1 Million Dosen pro Woche an Deutschland geliefert. AstraZeneca hat sich schon früh als Sorgenkind einen Namen gemacht und ebenfalls immer wieder durch Lieferverzögerungen für Schlagzeilen gesorgt. Nicht einmal die Hälfte der zugesagten Lieferungen sind bislang in Deutschland eingetroffen.

Zudem entwickelt sich der Impfstoff von AstraZeneca immer mehr zum Ladenhüter. Nach dem Wirbel um seltene, aber gravierende Nebenwirkungen sagten zahlreiche Impfwillige ihre Termine ab oder erschienen nicht, wenn sie erfuhren, dass sie mit dem Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns immunisiert werden sollten. Voraussichtlich laufen die Verträge der EU mit AstraZeneca demnächst aus.

Anleger reagieren auf Schlagzeilen

Am Börsenparkett bekam zuletzt vor allem Johnson & Johnson die Auswirkungen der Lieferschwierigkeiten zu spüren: Die Aktie sackte auf Monatssicht zeitweise um 5 Prozent ins Minus und beendete auch die vergangene Handelswoche mit leichten Abschlägen. Für die Aktie von AstraZeneca hingegen ging es auf Wochensicht um 4 Prozentpunkte aufwärts – hier zeigt sich die schwache Performance aber in der Langzeitbetrachtung: Auf Jahressicht liegt der Pharmakonzern nur knapp im Plus.

Deutlich stärker profitierte auf längere Sicht dagegen der US-Konzern Pfizer von dem Erfolg seiner Kooperation mit dem deutschen Biotechnologieunternehmen Biontech: Die Pfizer Aktie hat sich binnen 12 Monaten um rund ein Viertel verteuert.

Corona-Gewinner: mRNA-Spezialfirmen

Richtig durch die Decke geschossen sind unterdessen die Anteilsscheine der Spezialfirmen Biontech und Moderna, die jeweils an der neuartigen mRNA-Technologie forschen und denen der Erfolg ihrer Impfstoffe zu einem beachtlichen Durchbruch verholfen hat. Wer hier vor einem Jahr 50 Euro investiert hat, kann sich heute bereits über das Dreifache (Moderna) beziehungsweise Vierfache (Biontech) freuen.

Ein weiterer Hoffnungsträger aus dem Bereich der mRNA-Forschung bleibt dagegen weiter auf der Strecke: Das Tübinger Unternehmen Curevac galt im vergangenen Sommer noch als aussichtsreicher Kandidat, sein Impfstoff befindet sich derzeit in der klinischen Phase-III-Studie. Mit einer Zulassung allerdings ist wohl nicht vor August zu rechnen. Das Bundesgesundheitsministerium hat Curevac zuletzt sogar vollständig aus der Planung für die Impfkampagne im laufenden Jahr herausgestrichen.

Der Kurs der Curevac Aktie reagiert mit volatilen Ausschlägen auf das Wechselbad der Gefühle zwischen den immer neuen Schlagzeilen rund um den Entwicklungsstand der Vakzine, zuletzt ging es deutlich abwärts: Auf Wochensicht hat die Curevac Aktie zweistellig an Wert verloren und liegt gut 12 Prozentpunkte unter dem Niveau der Vorwoche.

Astrazeneca Logo RED_shutterstock_515472277_Roland Magnusson

Diese Aktie gilt als liebenswerter VerliererSind Sie geimpft? Um das Vakzin von AstraZeneca gab es einiges Hin und her. Wir analysieren das Unternehmen sachlich. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
david-gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz