Biontech und Curevac: Hauptversammlungen mit Gegensätzen

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Biontech und Curevac haben vieles gemeinsam, doch während die einen auf der Erfolgswelle surfen, stehen die anderen unter Druck. (Foto: Markus Mainka - stock.adobe.com)

Mit Biontech und Curevac haben in dieser Woche zwei Unternehmen ihre Investoren zur Hauptversammlung geladen, die auf der einen Seite vieles gemeinsam haben, auf der anderen Seite aber doch gänzlich gegensätzliche Botschaften aussendeten.

Biontech und Curevac haben vieles gemeinsam

Bei beiden Firmen handelt es sich um relativ junge Firmen aus Deutschland: Biontech wurde 2008 gegründet und hat seinen Hauptsitz in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt Mainz, Curevac ist bereits seit 2000 aktiv mit Sitz in der baden-württembergischen Universitätsstadt Tübingen.

Beide biopharmazeutischen Unternehmen forschen an Wirkstoffen auf Basis der mRNA-Technologie, beide haben sich dabei in erster Linie dem Kampf gegen Krebserkrankungen verschrieben, beide sind erst seit kurzem börsennotiert – und beide haben seit 2020 pandemiebedingt für Schlagzeilen gesorgt. Hier allerdings enden die Gemeinsamkeiten.

Curevac galt früh als Hoffnungsträger

Curevac galt als Hoffnungsträger bei der Impfstoffentwicklung. Die Bundesregierung verteilte Forschungsfördergelder in Milliardenhöhe nach dem Gießkannenprinzip, die EU-Kommission bestellte millionenfach Impfdosen, noch bevor diese überhaupt existierten, und zahlte teilweise per Vorkasse.

Bei Curevac stieg der Bund über die staatliche Förderbank KfW ein und hält seither 16 Prozent der Firmenanteile. Man hatte große Hoffnungen gesetzt in das Unternehmen, das mitten im Rennen der Impfstoffhersteller im Sommer 2020 den Sprung ans Parkett wagte und seither an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet ist.

Ernüchternde Ergebnisse – Curevac Aktie bricht ein

Doch die Hoffnungen zerschlugen sich. Anstelle einer raschen Impfstoffzulassung verzögerte sich der Entwicklungsprozess ein ums andere Mal, bis im Juni die ernüchternde Botschaft die Runde machte: Das wird wohl eher nichts, zumindest nicht kurzfristig. Zwischenergebnisse der laufenden klinischen Phase-III-Studie bescheinigen dem Präparat eine Wirksamkeit von gerade einmal 47 Prozent. Das ist zu wenig.

Das Bundesgesundheitsministerium, das für die zweite Hälfte millionenfach den Impfstoff von Curevac für die bundesweite Impfkampagne eingeplant hatte, strich das Vakzin nun vollständig aus den Planungen für das laufende Jahr. Eine Zulassung, erst für Juni, dann für August in Aussicht gestellt, dürfte in noch weitere Ferne rücken.

Anleger reagierten entsetzt: Der Kurs der Curevac Aktie brach um mehr als 40 Prozentpunkte ein. Großaktionäre, darunter auch der Bund, bekräftigten jedoch, an ihren Anteilen festhalten zu wollen. Ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt wäre auch ein dem Steuerzahler kaum zu vermittelndes Verlustgeschäft, zumal wenige Wochen vor der Bundestagswahl.

Hauptversammlung bei Biontech: Sektlaune in Mainz

Ganz anders ist die Stimmung unterdessen im knapp 250 Kilometer entfernten Mainz beim Konkurrenten Biontech. Der Firma, die vergangenes Jahr kaum jemand auf dem Zettel hatte, gelang der historische Erfolg, den Curevac gerne gehabt hätte: Als erstes Unternehmen weltweit präsentierten die Mainzer Forscher Ende 2020 einen Impfstoff mit mehr als 90prozentiger Wirksamkeit – und zugleich das erste marktreife Präparat überhaupt, das auf der neuartigen mRNA-Technologie basiert.

Noch vor dem Jahreswechsel wurden nach beschleunigten Zulassungsverfahren die ersten Impfdosen aus dem Hause Biontech verabreicht, die in Kooperation mit dem US-Pharmariesen Pfizer in die Massenproduktion gingen. Seither wurden weltweit Millionen Menschen mit dem Präparat gegen Covid-19 immunisiert.

Biontech Aktie: Aufwärtstrend ungebrochen

Die Erfolgsgeschichte liest sich märchenhaft und stößt auch bei Anlegern auf viel Gegenliebe: Die ebenfalls an der Nasdaq gelistete Biontech Aktie hat sich binnen Jahresfrist nahezu vervierfacht – und der Trend scheint ungebrochen.

Kein Wunder, angesichts der blanken Zahlen: Nach jahrelanger Verlustgeschichte schrieb Biontech im Auftaktquartal 2021 plötzlich einen Milliardengewinn – und geht für die Zukunft von noch stärker sprudelnden Einnahmen aus.

Weiterhin hoher Impfstoffbedarf

Das Covid-19-Vakzin dürfte sich für die Mainzer zum Goldesel entwickeln. Dafür spricht der weltweit weiterhin hohe Bedarf, da in zahlreichen Regionen nach wie vor kaum Impfungen erfolgt sind. Zudem hat Biontech als erster Hersteller eine Zulassung für seinen Impfstoff auch für Jugendliche ab 12 Jahren bekommen, die nun nach und nach ebenfalls immunisiert werden sollen. Zulassungsmöglichkeiten für weitere Bevölkerungsgruppen wie jüngere Kinder oder auch Schwangere werden derzeit untersucht.

Zudem wird vermutlich eine Auffrischungsimpfung in einem gewissen zeitlichen Abstand zur Erstimmunisierung erforderlich werden, um die volle Schutzwirkung aufrechtzuerhalten und dann auch neue Virusvarianten mit abdeckt.

Corona-Gewinne: Neuer Anschub für die Krebsforschung?

Der Impfstoff dürfte sich somit noch auf Jahre hinaus als ertragreiche Einnahmequelle für Biontech erweisen – und auch die anderen Forschungsbereiche vorantreiben, insbesondere die eingangs bereits erwähnte Forschung im Bereich der Onkologie.

Auf diese setzt auch Curevac, wie der Vorstand bei der Hauptversammlung betonte. Im Bereich der Krebsforschung sieht man weiterhin Potenzial, und auch in Sachen Covid-Impfstoff will man in Tübingen die Hoffnung noch nicht aufgeben. Vielmehr setze man nun darauf, bei der zweiten Generation der Impfstoffe aktiv mitmischen zu können – also jenen Präparaten, die auch die dominanten Virusmutationen gezielt mit abdecken und möglichst geringere Nebenwirkungen aufweisen sollen als bisher verfügbare Vakzine.

Curevac und Biontech: Beispielhaft für Biopharmabranche

Die Beispiele Curevac und Biontech stehen unterdessen exemplarisch für eine ganze Branche: Das#s Hoffnungsträger in der Pipeline nach jahrelanger, intensiver Forschung auf dem Weg zur Zulassung während der klinischen Studien doch noch scheitern, ist eher die Regel als die Ausnahme im Pharmageschäft. Normalerweise braucht es etliche Versuche, bis ein Produkt tatsächlich Marktreife erlangt und zugelassen werden kann.

Wenn es dann aber soweit ist, zahlt sich der Erfolg umso stärker aus: Gerade wenn es sich um einen Durchbruch handelt in einem Segment, in dem ein hoher Bedarf besteht, können hier innerhalb kürzester Zeit Milliardengewinne erzielt werden, wie das Beispiel Biontech zeigt.

Für die Mainzer ist die Erfolgsgeschichte nach heutigem Kenntnisstand noch lange nicht vorbei – für die Tübinger könnte sie mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung immer noch beginnen. Interessierte Anleger sollten sich daher über den Stand der Forschung bei Curevac auf dem Laufenden halten, um zu beurteilen, ob sich der Kurseinbruch womöglich als Einstiegschance erweisen könnte.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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